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Ernst-May-Viertel „Luftschneise wird zugebaut“

Manfred Zieran von Ökolinx macht der Römer-Koalition Vorwürfe. Im FR-Interview nennt er Alternativen zur Bebauung im Nordend.

Zu den größten Kritikern der geplanten Bebauung zählt der Ökolinx-Stadtverordnete Manfred Zieran.

Herr Zieran, die Römer-Koalition sagt, sie habe im Ernst-May-Viertel den gordischen Knoten zerschlagen und eine Planung vorgelegt, in der die ökologischen Aspekte ausreichend berücksichtigt seien. Wie fällt Ihre Bewertung aus?
Zunächst einmal ist es dem Widerstand der Bürger zu verdanken, dass die Planungen überhaupt verändert wurden. Trotzdem blieb es bei der Arroganz der städtischen Planer. Der Dialog mit den Bürgern wurde nie gesucht.

Wieso? Planungsdezernent Mike Josef ist doch in die betroffenen Ortsbeiräte gegangen.
Als Mike Josef ins Amt kam, sagte er: Lasst uns mit den Planungen noch einmal ganz neu anfangen. Aber davon war dann keine Rede mehr. Er ist in die Ortsbeiräte gegangen und hat einfach nur seine Pläne vorgestellt. Das war’s. So stelle ich mir keinen Dialog vor.

Wie fällt Ihre inhaltliche Bewertung der Pläne aus?
Es bleibt dabei, dass die wichtigste Luftschneise der Stadt zugebaut wird. Der Wetterau-Wind bringt frische Luft – gerade in die Friedberger Landstraße, die eine einzige Giftschneise ist. Insofern wird die Bebauung massive negative Auswirkungen auf das Klima in Frankfurt haben.

Die Koalition verspricht aber, Untersuchungen über die Auswirkungen auf das Klima als wesentliche Kriterien bei der städtebaulichen Planung zu berücksichtigen.
Dann frage ich mich, warum der Bau des Riegels an der Friedberger Landstraße immer noch geplant wird. In einem Gutachten der Universität Kassel heißt es ganz klar, dass diese Bebauung den Wetterau-Wind massiv beeinträchtigen würde – und zwar nicht nur bei besonders hohen Bauvorhaben. Dieser Wind greift bis zum Boden durch. Aber wenn ich die Formulierungen der Koalition sehe, ahne ich, was kommt. Man wird zwar feststellen, dass die Luftzufuhr in die Stadt nicht mehr optimal ist, wird aber von einem gangbaren Kompromiss reden, weil es ja diesen 70 Meter breiten Streifen Grünfläche gibt. Ich halte das für grundlegend falsch.

Aber muss man angesichts der vielen Tausend Wohnungen, die in Frankfurt fehlen, nicht mit einem solchen Kompromiss leben?
Vor allem darf man nicht ökologische gegen soziale Aspekte ausspielen.

Mike Josef würde Ihnen entgegnen, dass diese Haltung den vielen Menschen, die in Frankfurt keinen bezahlbaren Wohnraum finden, nicht weiterhilft.
Aber unter dem von Investoren ausgübten Druck auf den Wohnungsmarkt kann doch nicht die Lebensqualität der Frankfurter leiden. Ich halte diese Argumentation auch für unehrlich. Es heißt dann immer, der Zieran soll ruhig sein, schließlich werde im Nordend geförderter Wohnraum gebaut. In Frankfurt entstehen jede Menge Luxus-Wohntürme. Auf diesen Flächen könnten wir Sozialwohnungen bauen. Aber dafür müsste sich die Politik mit privaten Investoren anlegen, und das traut sich niemand. Oder warum sagen wir nicht, dass auf dem Gelände des alten Polizeipräsidiums 70 Prozent Sozialwohnungen gebaut werden? Dann müssten wir keine Frischluftschneisen zubetonieren.

Interview: Georg Leppert

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