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Ernst-May-Viertel „Für Einzelne gibt es Abstriche“

Die Koalition präsentiert die Pläne für das Ernst-May-Viertel. CDU, SPD und Grüne versprechen eine umfassende Bürgerbeteiligung. Die Stadt hält an den Vorhaben einer Einhausung der A661 fest.

Freizeitgärtner kämpfen um ihr Grün. Foto: Boeckheler

Für die Römer-Koalition ist es die Stunde der Wahrheit. Seit dem Sommer haben CDU, SPD und Grüne darum gerungen, wie die Stadt wachsen soll zwischen Huthpark, Hauptfriedhof und Günthersburgpark. Für das „Ernst-May-Viertel“, die wichtigste Stadterweiterung seit den frühen 90er Jahren, legen die politischen Partner am Donnerstag ihren Kompromiss vor: einen sechsseitigen Antrag. „In einem ganz zentralen Bereich, dem Wohnungsbau für die wachsende Stadt, sind wir handlungsfähig und wollen das auch bleiben“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein fast trotzig. „Wir haben den gordischen Knoten durchschlagen“, ergänzt SPD-Fraktionschefin Ursula Busch erleichtert. „Wir haben dem Klimawandel Rechnung getragen wie dem Stadtwachstum – es war ein gutes Ringen in der Sache“, bilanziert Grünen-Fraktionschef Manuel Stock.

Die Perspektive für die Stadt, die vor den Journalisten ausgebreitet wird, reicht bis zum Jahr 2028 – mindestens. Gerade das sogenannte Innovationsquartier östlich der Friedberger Landstraße provoziert heftige Bürgerproteste. Initiativen machen bis heute mobil. 1500 Wohnungen sollen hier entstehen – aber dafür werden Kleingärten verloren gehen.

Die Koalition verspricht den Menschen viel, um dem Protest entgegenzukommen. Über alle jetzt anstehenden Untersuchungen in Sachen Klima, Verkehr und soziale Infrastruktur soll dem Stadtparlament „regelmäßig berichtet“ werden. Der Bevölkerung werden „kooperative Workshops“ zugesagt. Vor der öffentlichen Auslegung der Bebauungsplanentwürfe soll es noch einmal einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung geben.

Kein Ersatz für Kleingärten

Aber erst auf Nachfrage der FR gibt die SPD-Fraktionsvorsitzende Busch zu: „Es werden Kleingärten verloren gehen, für die es keinen Ersatz gibt.“ Sie fügt hinzu: „In der Abwägung der Interessen gibt es für einzelne Abstriche – vom Wachstum der Stadt kann jeder betroffen werden.“ Und der Grüne Stock sagt: „In das Grün einzugreifen, das schmerzt vor Ort.“ Für einzelne Freizeitgärten, die überbaut werden, werden die Pachtverträge gekündigt. Anstelle der Gärten wird es aber nicht nur Wohnhäuser geben. Die Koalition verspricht „breite, öffentlich nutzbare Parkbänder, die auch moderne Formen des urbanen Gärtnerns“ umfassen. Zwischen dem erweiterten Günthersburgpark und dem Wasserpark wird ein solches Grünband als östlicher Rand des Innovationsquartiers mit einer Breite von etwa 70 Metern angelegt. Der entscheidende Punkt: Dieses Grün ist im Gegensatz zu den Freizeitgärten öffentlich.

Zwischen Friedberger Landstraße und dem Abenteuerspielplatz Riederwald e.V. soll ein 50 Meter breites Grünband „mit eingestreuten Gärten“ entstehen. Der Abenteuerspielplatz, für den viele Menschen gekämpft hatten, bleibt erhalten. Die Sportanlage Seckbacher Landstraße bleibt ebenfalls erhalten, sie wird außerdem „um mindestens ein Großspielfeld“ erweitert.

Die künftige Bebauung, so versprechen die Politiker, soll „flächenschonend, kompakt und höhergeschossig“ ausfallen, mit bis zu sieben Etagen. Für Orte „mit besonderer städtebaulicher Bedeutung“ gibt es Realisierungswettbewerbe – dazu zählen Quartierszentren, Eingangssituationen und Eckgrundstücke. Mindestens 30 Prozent der Wohnungen sollen im öffentlich geförderten Wohnungsbau entstehen, 15 Prozent sind für genossenschaftliches und gemeinschaftliches Wohnen reserviert. Wo der städtische Wohnungskonzern ABG baut, sollen 40 Prozent öffentlich geförderte Unterkünfte verwirklicht werden.

Keine endgültige Entscheidung trafen CDU, SPD und Grüne über eine mögliche vor Lärm schützende Einhausung der A661. Grundsätzlich hält die Koalition an dem Projekt fest, die Autobahn mit einem begrünten Deckel zu überbauen, obwohl die Bundesregierung es im Bundesverkehrswegeplan zurückgestuft hat. Das heißt: Mit finanzieller Unterstützung des Bundes ist nicht zu rechnen.

Die Koalition sieht aber Bund und Land Hessen weiter „in der Verpflichtung“, der Stadt bei diesem Bauvorhaben finanziell unter die Arme zu greifen. CDU, SPD und Grüne verabschiedeten sich jetzt nur von der Variante L1 – einer bis zu 1300 Meter langen Volleinhausung der Autobahn zwischen Friedberger Landstraße und Seckbacher Landstraße.

Die Varianten L2 bis L4 werden „bis zur Offenlage des Bebauungsplanes“ weiter geprüft. L4 wäre die kleinste Lösung mit zwei Tunnelröhren von nur 400 Metern Länge, L3 sieht eine Oströhre von 1080 Metern und eine Weströhre von 880 Metern vor, L2 schließlich eine Oströhre von 1300 Metern und eine Weströhre von 1080 Metern.

„Die Einhausung ist noch lange nicht vom Tisch, Wir haben nicht genug Fläche in der Stadt, um auf die Einhausung zu verzichten“, betont Sozialdemokratin Busch. Insgesamt sieht sie im Vorgehen des Römer-Bündnisses „ein sehr gutes Beispiel für verwirklichte Bürgerbeteiligung“. Ihre Botschaft an die Menschen: „Es lohnt sich, seine Interessen zu vertreten.“ Auch der Grüne Manuel Stock verspricht: „Wir werden die Sünden der Vergangenheit beheben – die Einhausung wird kommen.“

Zur zeitlichen Entwicklung des Ernst-May-Quartiers äußern sich die Vertreter der Koalition vage. „So schnell wie möglich“, sagt CDU-Fraktionschef zu Löwenstein. Bis 2023 sollte das Innovationsquartier ursprünglich stehen – das werde jetzt „nach hinten rücken“.

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