Lade Inhalte...

Erinnerungskultur Streifen gegen das Vergessen

1600 Menschen waren im KZ-Außenlager Adlerwerke inhaftiert, nur 50 verließen es lebend. Gestreifte Stoffbinden mit den Nummern der Häftlinge sollen nun an sie erinnern. Bisher fallen die Reaktionen positiv aus.

Die Binden sollen an die Häftlinge des KZ-Außenlagers Adlerwerke erinnern. Foto: Rolf Oeser

Jan Kubacki, Tadeusz Berejsza und Wincenty Boniecki. Ihre Namen tragen die Platanen auf der Zeil. In weißer Schrift stehen sie auf blaugrau gestreiftem Stoff. Es sind die Namen ehemaliger KZ-Häftlinge des Außenlagers Katzbach, die in den Adlerwerken im Gallus arbeiteten. Im Rahmen des Kunstprojekts „Mitten unter uns“ wurden bereits 1200 Binden am Mainufer, auf der Zeil, im Gallus und vor der Paulskirche aufgehängt. An diesem Wochenende und im September sollen 400 weitere dazukommen oder ersetzt werden. Dann ist die Zahl der Häftlinge komplett, die in den Werken interniert waren.

Vorsichtig befestigt Annette Olligschläger-Ebert Sicherheitsnadeln an den Binden, Norbert Schneider nimmt eine Schnur und wickelt sie um den Stamm. Die beiden gehören zu den etwa 25 Freiwilligen, die sich in Zweierteams in der heißen Stadt engagieren. 36 Stoffstücke haben sie in ihren Tüten dabei, mit dem Hinweis auf die Adlerwerke und auf eine Internetseite. Immer wieder bleiben Passanten stehen und fragen, was sie an den Bäumen zwischen Kaufhof und Neuer Kräme machten.

Dann erklären die beiden: Dass sie so an die Gefangenen, von denen nur 50 überlebten, erinnern. Die sich in den sieben Monaten, die das KZ-Außenlager existierte, zum Teil zu Tode arbeiteten. Zudem verteilen sie Flyer mit Informationen. „Eine gute Sache“, findet eine Frau. Sie hatte vorher noch nie davon gehört.

Olligschläger-Ebert ging es ähnlich. „Ich bin im Gallus groß geworden und kannte die Adlerwerke, aber was hinter den Mauern geschah, habe ich erst durch dieses Projekt erfahren.“ So beschloss die 44-Jährige sich beim nächsten Mal gegen das Vergessen und für Aufklärung einzusetzen. Schneider war schon beim vorherigen Mal dabei. „Es ist eine Möglichkeit, wie ich mich einbringen, wenigstens eine Kleinigkeit beitragen kann.“ Die Geschehnisse seien schließlich ein Stück eigene Geschichte, die nicht weit entfernt liege und nicht vergessen werden sollte. Einige Binden bringen sie mit Draht an. Damit sie nicht so einfach entfernt werden können. „Denn das ist leider passiert“, sagt Stefanie Grohs, die das Projekt initiiert. Immer mal wieder seien Binden verschwunden, vor zwei Wochen wurden rund 50 Stück abgerissen. Doch tollerweise habe sich spontan eine Gruppe bei Twitter gebildet, die sie eigenständig wieder angebracht hätte, sagt Grohs, die eigentlich Lehrerin ist und das Projekt meist in ihrer Freizeit organisiert.

So wie diese Aktion seien zum Glück die meisten Reaktionen positiv. „Viele sind erschüttert, dass so etwas mitten unter uns passiert ist und finden gut, dass darauf noch mal unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird.“ Insgesamt setzen sich bei dem Projekt im Auftrag der Stadt vier Künstler mit dem Thema auseinander.

Anmeldung und Infos finden sich online unter: www.mittenunteruns.de.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen