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Enkheimer Ried Große Raubfische unter Verdacht

Ein Wels? Ein Hecht? Oder doch das Monster vom Enkheimer Ried? Was auch immer da im Weiher schwimmt, es hat die Vögel im und am Teich zuletzt stark dezimiert. Das Forstamt bewahrt dennoch Ruhe und setzt auf die Sterblichkeit des Ungetüms.

03.09.2012 13:36
Andreas Müller
Trügerische Idylle: der Teich im Enkheimer Ried. Foto: ROLF OESER

Ein Wels? Ein Hecht? Oder doch das Monster vom Enkheimer Ried? Was auch immer da im Weiher schwimmt, es hat die Vögel im und am Teich zuletzt stark dezimiert. Das Forstamt bewahrt dennoch Ruhe und setzt auf die Sterblichkeit des Ungetüms.

Wie schade, dass der graue Reiher nicht sprechen kann, der da drüben am Rande des Enkheimer Riedweihers scheinbar milde lächelnd und bewegungslos auf einem Ast sitzt. Das wissende Tier könnte wichtige Auskünfte geben darüber, was den Ortsbeirat 16 zuletzt so sehr bewegte, dass die Debatte über die Frage, wo all die Enten, Haubentaucher, Kormorane, Gänse und das Schwanenpaar geblieben sind, abgebrochen und auf die nächste Zusammenkunft verschoben wurde. Weshalb man neuerdings so wenig von all dem Getier am und im Weiher sieht, der gerade seinen 75. Geburtstag feiert? Der Reiher könnte bestimmt gute Gründe benennen; doch der Graue tut leider gar nichts, gibt den schweigenden Stoiker und überlässt es lieber den Menschen, die verantwortlichen Übeltäter dingfest zu machen.

Hecht oder Wels?

Die Bösewichte schwimmen unter der Wasseroberfläche herum und lassen rings um das Enkheimer Ried ein bisschen von der schaurigen Atmosphäre von „Nessie“ und „Loch Ness“ aufkommen. Joachim Hartmann vom verantwortlichen Forstamt Groß-Gerau und Biologe Uli Eidam vom Frankfurter Naturschutzbeirat bringen riesige Raubfische ins Spiel. Den besagten Hecht bzw. Wels hätten sie jedoch noch nie mit eigenen Augen gesehen. Angler hätten bereits mehrere kleine Hechte herausgeholt, weiß Eidam. Der „uralte große“ sei leider stets entwischt, ergänzt Hartmann. Und das, obwohl man vor einigen Jahren sogar mit elektronischem Gerät speziell nach ihm gefahndet habe.

„Nun setzen wir auf die biologische Lösung, denn auch ein alter Hecht kann nicht ewig leben“, sagt der Mann vom zuständigen Forstamt. Das Wasser aus dem Weiher abzulassen, komme nicht in Frage, fügt er hinzu und kolportiert, was im Stadtteil über die Jahre in mehreren Fassungen mit verschieden vielen Küken kolportiert wird. Der riesige Hecht sei in dem Waldsee sogar schon dabei beobachtet worden, wie er eine Enten-Familie mit einem Schnapp drastisch dezimierte.

Uli Eidam neigt eher dazu, die Missetat einem „sehr großen Wels“ zuzuschreiben. Im Weiher sei ein Exemplar mit einem so großen Maul gesichtet worden, „wie es nur ein Fisch haben kann, an dem ungefähr 1,50 Meter Wels hintendran hängen“, berichtet der Biologe. In ganzer Größe habe das Tier leider niemand gesehen. Deswegen gebe es „nur eine starke Vermutung“. Mit größter Sicherheit indes spricht Uli Eidam von den wilden Nerzen, die schon öfter gesichtet wurden und die am Rande des Weihers und als gute Schwimmer auch im Wasser fleißig nach Beute Ausschau hielten.

Gründe für die Wasservögel, sich auf dem Weiher rar zu machen und lieber das sicherere Ufer zu suchen, gebe es durchaus, sind Hartmann und Eidam sicher. Ungeachtet der Gefahren vor allem aus der Tiefe hätten sich die Bestände deswegen „nicht verringert“, gibt Joachim Hartmann die Beobachtungen des Forstamtes wider. Zugleich spricht er sich in Bezug auf das dichte Gesträuch rings um den Weiher strikt gegen den von Ellen Wild von den „Freien Wählern“ im „16er“ eingebrachten Wunsch aus. Weil das Ufer zunehmend zugewuchert sei und für Spaziergänger kaum noch Blicke auf das Gewässer freigebe, sollte ein „Blickfenster“ ins Gesträuch geschnitten werden. Nicht einmal vom kleinen Hügel aus gebe es eine freie Sicht auf den Sees, sagt Ellen Wild.

Diese Darstellung entspreche nicht der Realität, hatte Dimitrios Bakakis von den Grünen sofort entgegnet. Der freie Blick sei vom Hügel wie unterhalb davon sehr wohl möglich, wenngleich „mehr auf die Mitte des Sees“. Das genüge, nicht umsonst handle es sich um ein Naturschutzgebiet. „Also um Natur, die vor den Menschen geschützt werden soll.“
Eine Lesart, der Joachim Hartmann gern zustimmt. Aus „touristischen Motiven“ werde die Säge nicht angesetzt. Das Dickicht diene wie der Zaun ringsum zugleich dem Schutz der europäischen Sumpfschildkröten, die im Enkheimer Ried ein sehr seltenes Refugium haben. Vornehmlich dieser Spezies verdanke das Areal schließlich seinen „besonderen Charakter als Naturschutzgebiet“.

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