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Emil Carlebach Ein unbeirrbarer Mann

Am 10. Juli hätte Emil Carlebach seinen 100. Geburtstag gefeiert: Der Kommunist gehörte mit sechs anderen Männern 1945 zu den ersten Herausgebern der Frankfurter Rundschau.

Lizenznehmer der Frankfurter Rundschau (v.l.): Emil Carlebach, Karl Gerold, Arno Rudert, Wilhelm Gerst. Aufnahme wahrscheinlich 1946. Foto: FR-Archiv

Ein Abend im Frankfurter Gewerkschaftshaus im Jahr 1985: Journalistinnen und Journalisten, gerade jüngere, sind gekommen, um Emil Carlebach zu erleben. Der 71-jährige, frühere Frankfurter Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete stellt sein Buch „Zensur ohne Schere“ vor. Es blendet zurück zu den Anfängen der zweiten deutschen Tageszeitung, die nach dem Ende des nationalsozialistischen Gewaltregimes in Deutschland eine Lizenz erhalten hatte: der Frankfurter Rundschau, zuerst erschienen am 1. August 1945.

Nachfrage konnte nicht befriedigt werden

Am 10. Juli hätte Emil Carlebach seinen 100. Geburtstag gefeiert, doch der gebürtige Frankfurter ist am 9. April 2001 in seiner Heimatstadt gestorben. Der Kommunist gehörte mit sechs anderen Männern 1945 zu den ersten Herausgebern der FR – bis er 1947 auf Betreiben des US-Militärgouverneurs Lucius D. Clay seine Lizenz entzogen bekam. Wie Carlebach in der Zeit des aufkommenden Antikommunismus bis 1947 immer mehr unter politischen Druck der US-Militärverwaltung geriet, schildert er in seinen Erinnerungen.

Die FR hatte ihre Arbeit in den provisorisch hergerichteten Räumen des früheren „Generalanzeigers“ an der Schillerstraße begonnen. Der Herausgeber schreibt: „Papier war knapp, die FR konnte zunächst nur zweimal, später dreimal wöchentlich erscheinen … Obwohl wir bis zu 500 000 Exemplare pro Ausgabe druckten, konnte die FR die Nachfrage nicht befriedigen. Sie war ein Artikel, um die sich die Menschen rissen.“

Der Kommunist war von 1945 bis 1947 für den Lokalteil der FR verantwortlich. Er erzählt in seinen Erinnerungen von einem damaligen Lokalreporter-Spaß. Man habe sich im Landratsamt stets mit den Worten vorgestellt: „Ich komme – verzeihen Sie das harte Wort – von der Frankfurter Rundschau.“ Carlebach, der aus einer angesehenen jüdischen Familie stammte, war schon 1931 dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands beigetreten. 1934 wurde er wegen Verbreitung von Untergrundzeitungen zu Gefängnis verurteilt – es begann eine Odyssee durch Zuchthäuser und Konzentrationslager.

Heftige Kritik an Carlebach

Nach der Befreiung aus dem KZ Buchenwald 1945 gehörte der Frankfurter zu den Mitautoren der Verfassung des neuen Landes Hessen und war Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Als 1956 die KPD in der Bundesrepublik verboten wurde, tauchte der Kommunist unter, wurde mit Haftbefehl gesucht, floh in die DDR und kehrte erst 1969 in die Bundesrepublik zurück.

Bis zuletzt verteidigte er unbeirrbar die DDR, bestritt die Verfolgung deutscher Kommunisten in der Sowjetunion – das brachte ihm heftige Kritik ein. Auch seine Rolle als Blockältester im KZ Buchenwald war umstritten – es gab den Vorwurf, er sei für den Tod von Mithäftlingen verantwortlich.

Heute ist es Carlebachs 25-jährige Enkelin Lena Sarah, die sich dem Erbe ihres Großvaters verpflichtet fühlt. „Wer wird die Erinnerung wachhalten, wenn die letzten Zeitzeugen der Nazi-Verfolgung tot sind?“, fragt sie. Die Studentin der Psychologie an der Frankfurter Uni will die Geschichte des Politikers und Journalisten aufarbeiten und dabei auch die dunklen Seiten nicht aussparen.

Zum 100. Geburtstag von Emil Carlebach veranstaltet der Studienkreis Deutscher Widerstand am 13. Juli von 11 Uhr an im Haus Gallus, Frankenallee 111, eine Matinee. Es spricht unter anderen OB Peter Feldmann (SPD).

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