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EM in Frankfurt Volare fuori heißt rausfliegen

Frankfurt ist bereit für das EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien, sportlich wie kulinarisch. Und für alle, die es noch nicht wissen: Volare fuori heißt rausfliegen.

„Wir gewinnen sowieso“, sagt Benito Lauda, Inhaber des Ristorante Volare. Foto: Andreas Arnold

Der Samstagabend hält für uns Frankfurter zwei große Herausforderungen bereit. Erstens: irgendwie durch die Stadt, obwohl alles verbarrikadiert ist für den Eisenmann-Wettbewerb am Sonntag. Je näher der Main kommt, desto eiserner der Riegel, Sie sehen es ja selbst da drüben, links, in dieser Zeitung.

Zweitens und somit deutlich einfacher: die Italiener rauskegeln. Das haben die Germanen zwar seit mehr als 1000 Jahren nicht mehr geschafft (vgl. Varusschlacht), aber diesmal haben wir Doppel-Mario, Kimmich, notfalls Schweini, und bei denen spielt Balotelli nicht mit. Also: klare Sache. Oder was sagen die Italiener dazu? Wir fragen mal.

Das Ristorante Calabria an der Frankenallee hat alle möglichen Flaggen hinausgehängt, auch die kroatische, die österreichische, die niederländische (gemein!), obwohl im Calabria doch waschechte Italiener am Werk sind. Oder? „Wir sind Inder“, sagt der Chef trocken. Die Frage, warum dann italienisch statt indisch gekocht wird, kann auch nach dem Gespräch nicht direkt als beantwortet gelten. Immerhin: Es läuft dort jedes EM-Spiel live im Fernsehen. Nein, nicht auf Indisch.

Aber fragen wir lieber jemanden, der sich mit Italien und der EM auskennt – und wo ginge das besser als im Europaviertel? Dort, auf der Europaallee, ist das Ristorante Volare, und seine Mitarbeiter sind auf den ersten Blick als Italiener zu identifizieren. Als Inhaber Benito Lauda hört, worum es geht, erfasst ein siegessicheres Lächeln sein Gesicht. „Wir gewinnen sowieso“, sagt er. „Die Deutschen haben viel zu viel Angst. Sie überlegen, sie suchen eine Strategie – wir Italiener sind Schritt für Schritt besser geworden.“

Während die Kollegen feine Speisen an die Tische tragen, relativiert Benito Lauda ein wenig. „Ich habe viel Respekt vor dem deutschen Fußball“, sagt er. „Sie glauben bis zur letzten Minute an den Sieg. Die Italiener sind leichtsinniger.“ Eine Verlängerung werde es geben, prophezeit der Wirt, und wenn alles ruhig bleibt, keine Provokationen, glaubt er, gewinnen die Azzurri. „Wir haben noch ein Ass im Ärmel.“ Wer will, kann sich vom Resultat vor Ort überzeugen; im Volare läuft das Spiel auf einem Fernsehschirm. Volare heißt bekanntlich fliegen. Volare fuori heißt rausfliegen.

Auch der Rest der Stadt ist inzwischen flächendeckend mit Public-Viewing-Gelegenheiten versorgt, vom Waldstadion, wo Rekordbesuch erwartet wird, bis zu kleinen, aber stimmungsvollen Orten wie dem „Habel.elf“ in Heddernheim (Habelstraße 11, ab 20 Uhr) mit fränkischem Fassbier.
14 827 Italiener lebten übrigens am Stichtag 31. Dezember 2015 in Frankfurt – und damit die meisten unter den verbliebenen EM-Teilnehmern, außer den Deutschen natürlich, von denen es 517 154 in der Stadt gibt.

Die Frankfurter Landsleute der übrigen Viertelfinal-Teams: 4446 Franzosen, 4094 Portugiesen, 2842 Briten, 564 Belgier und 31 Isländer zählt die fantastisch hilfsbereite Mitarbeiterin im Bürgeramt auf. Sie hat früher selbst Fußball gespielt, sagt sie. Aber es interessiert sie nicht mehr so – seit Jürgen Grabowski aufgehört hat.

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