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Einzelhandel Weihnachtsgeschäft auf der Zeil

Am Adventssamstag auf der Zeil. Noch hat das Internet offenbar nicht alles an sich gerissen.

Shoppen auf der Zeil vor Weihnachten
Entspanntes Shoppen auf der Umsatzmeile: Weihnachten kommt ja immer so schnell. Foto: Monika Müller

Das Internet muss in Frankfurt kaputt sein. Warum sollten sich Leute sonst an einem Samstag zwei Wochen vor Weihnachten zu Tausenden auf die Zeil wagen. Sich mit der Masse mitschieben lassen, die sich träge über die Einkaufsstraße quält. Wo Ausscheren nur unter Einsatz der Ellenbogen möglich ist. Den Stress könnte man sich eigentlich sparen, wenn man bequem vom Sofa aus im Internet bestellt. Und dennoch sind die Menschen da an diesem grauen und nieseligen Dezembernachmittag.

So wie Katja und Michael Salzmann. Sie sitzen auf einer Bank nahe der Hauptwache. Wo der Duft von Popcorn, Bratwurst, Glühwein und gebrannten Mandeln von den Buden an der Hauptwache gerade noch herüberweht. Verschnaufpause vom Weihnachtseinkauf. Oder auch nicht. Denn vollgepackte Taschen haben die beiden nicht vor sich stehen. „Wir sind nur ein bisschen zum Bummeln da“, sagt Katja Salzmann. Ein wenig hier schauen, ein wenig da. „Eigentlich sind wir auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt.“

Offenbar sind sie da nicht die Einzigen. Denn große Taschen, dicke Pakete, vollgepackte Tüten schleppen die Menschen eher selten mit sich herum, die über die Zeil strömen. Vor allem Tragetaschen von Billig-Bekleidungsketten sind in der Menschenmenge auszumachen. Dabei tun die Läden einiges, um Kunden hineinzulocken. Mit großen Aufklebern auf den Schaufensterscheiben werben die Geschäfte mit Preisnachlässen oder Geschenken. Bei „Swarowski“ gibt es ab einem Einkaufswert von 119 Euro ein „Star Ornament“ gratis dazu. „Sephora“ lässt 25 Prozent auf Düfte und Duftsets nach. „Appelrath-Cüpper“ lockt mit Preisen, die bis zu 30 Prozent reduziert sind. Und im Kaufhof gibt es an diesem Tag 20 Prozent auf viele Schuhe.

Besonders beliebt beim Werben um Kunden in diesem Jahr: Drehscheiben vorm Laden. Vor ihnen bilden sich lange Schlangen auf der Zeil. Vor dem „New Yorker“ etwa. Einmal drehen, einmal gewinnen, einmal Lolli im Laden abholen. Oder vor „NYX - Professional Makeup“ gegenüber. Preisnachlässe oder Beauty-Produkte können erspielt werden - die natürlich nur bei einem Kauf eingelöst werden können. Auch bei Samsung wird eifrig gedreht, dort auch nicht mehr mit der Pappscheibe, sondern auf dem Bildschirm. Möglicher Gewinn: ein Getränk, ein Lebkuchen, eine Tragetasche. Die Leute gehen rein, holen den Gewinn ab, verlassen den Laden wieder.

Und so eine gewonnene Tragetasche könnte man natürlich super zum Einkaufen benutzen – wenn man denn etwas kaufen würde. Beim „Saturn“ im My Zeil ist es an den Kassen nicht proppenvoll. Aber doch, es wird auch was gekauft. Susanne Mank hat gerade eine digitale Wetterstation erstanden. „Für die Oma, die kann nicht im Internet schauen, wie das Wetter wird“, sagt sie. Mank selber kann das. Und bestellt dort auch. „Aber elektronische Geräte kaufe ich doch lieber im Laden“, sagt sie. „Da funktioniert öfter was nicht, und dann muss man es zurücksenden – das ist mir zu anstrengend.“

Vor Ort kann man besser vergleichen

Es gibt sie also, die Vor-Ort-Käufer. In der Spielwarenabteilung im Karstadt stehen Gisela und Jürgen Kästner. Sie suchen ein Geschenk für den Enkel – und können sich nicht entscheiden. Lieber die Arche Noah oder doch besser der Bauernhof? Sie betrachten eingehend die Bilder auf den Verpackungen und diskutieren. „Den Bauernhof kann man gut aufklappen“, findet Gisela Kästner schließlich. Ihr Mann stimmt zu, der Bauernhof soll es also sein.

Im Internet bestellen die beiden nur selten. „Man muss das anschauen und die Funktionen sehen können“, sagt Jürgen Kästner. Dinge nebeneinanderlegen wie gerade eben, um sie zu vergleichen. „Das geht auf dem Bildschirm nicht so gut.“ Und im Kaufhaus schauen und dann im Internet für ein paar Euro weniger kaufen, das findet Kästner „sehr unfair“.

So zimperlich ist der Familienvater ein paar Meter weiter nicht. Er steht mit dem Handy vor dem Spiel „Looping Louie“. Er checkt die Preise im Internet. „Wenn das dort günstiger ist, dann kaufe ich es auch dort“, sagt er, während eine Damenstimme knarzend über die Lautsprecher die Männer-Kashmirpullover für 59 Euro anpreist. Eine Werbeansage später hat der Mann das Internetangebot fertig durchforstet und kommt zu dem Schluss: „Der Preis hier ist okay.“ Sagt’s, packt das Spiel unter den Arm und geht zur Kasse.

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