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Einzelhandel in Frankfurt „Die Stadt muss Händlern helfen“

Ernst Schwarz und Kaweh Nemati, Vorstandsmitglieder des Dachverbands der Frankfurter Gewerbevereine, fordern im FR-Interview mehr finanzielle Unterstützung für Einzelhändler.

Einzelhandel in Frankfurt
Ernst Schwarz (links) und Kaweh Nemati vertreten seit April die Interessen der Gewerbetreibenden in den Stadtteilen. Foto: Renate Hoyer

Herr Schwarz, Herr Nemati, als neue Vorsitzende des Dachverbands der Gewerbevereine stehen Sie derzeit sicher vor keiner leichten Aufgabe. Vielen Einkaufsstraßen in den Stadtteilen geht es schlecht. Einzelhändler klagen über rückläufige Umsätze und steigende Mieten. 
Schwarz:  Ja, es gibt viele Probleme, die wir angehen müssen. Wir haben deshalb auch bereits mit der Stadt Gespräche geführt, wo man ansetzen kann.

Zum Beispiel?
Schwarz: Wir beobachten etwa, dass immer mehr Eigentümer bevorzugt an Gastronome statt an Einzelhändler vermieten. Sie berechnen die Flächen für Sommergärten mit – und verlangen dadurch mehr Miete. Da müsste die Stadt gegensteuern, auch bei Spielsalons gibt es eine Regulierung. Sie könnte etwa Konzessionen verweigern oder keine weiteren Außenflächen genehmigen. Sonst haben wir bald überall Situationen wie in Alt-Sachsenhausen. Wichtig ist ein Mix aus Gastronomie und Einzelhandel. Beide Seiten profitieren voneinander.

Schwierig ist die Situation auch, wo lange gebaut wird – etwa an der Eschersheimer und der Offenbacher Landstraße. Müsste die Stadt da aktiv werden?
Nemati: Die meisten Einzelhändler sind nicht kapitalstark, sie haben keine Reserven. Wenn sie für Monate durch Bauarbeiten Einbußen haben, aber weiter Miete zahlen, kann das das Aus bedeuten. Die Stadt müsste den Gewerbetreibenden finanziell unter die Arme greifen. Das funktioniert auch an anderer Stelle, etwa wenn Großkonzerne Probleme haben.

In Höchst gab es finanzielle Hilfe über das Hessisches Gesetz zur Stärkung innerstädtischer Geschäftsquartiere. Ist das der richtige Weg?
Nemati: Das Programm ist für Höchst sinnvoll. Dort gibt es kaum noch Geschäfte auf der Königsteiner – der Stadtteil ist nicht mehr attraktiv für Einzelhändler. Langfristig wird es sich bezahlt machen. Die Stadt hätte aber viel früher handeln sollen. Allerdings bräuchten auch andere Stadtteile eine Finanzspritze, man sollte nicht warten bis es zu spät ist.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der Stadt mit den Gewerbevereinen?
Schwarz: Es ist nicht einfach. Immer wieder werden etwa teure Gutachten in Auftrag gegeben – dabei könnten sie genauso gut uns fragen. Die Gewerbevereine sind es, die sich vor Ort auskennen. Auch die Ortsbeiräte müssten enger mit den Gewerbevereinen zusammenarbeiten.

Was erwarten Sie von der Stadt?
Schwarz: Sie muss die Gewerbevereine stärken, die sehr viel für ihre Stadtteile tun. Diese haben es immer schwerer, und können sich kaum über Wasser halten. In vielen Stadteilen gibt es schon keine mehr, wie im Gallus, in Höchst oder am Oederweg. Wir als Dachverband möchten da eingreifen und haben uns gebündelt, um ein starker Partner zu sein, somit hat die Stadt einen Ansprechpartner.

Nemati: Wir machen alles ehrenamtlich und haben kein Büro oder eine Sekretärin. Da wäre es toll, wenn man eine Unterstützung bekäme.

Früher gab es in Frankfurt vier verkaufsoffene Sonntage. In diesem Jahr wird es keinen Stadtteilsonntag mehr geben?
Schwarz: Nein. Mittlerweile schaffen wir keinen einzigen mehr – und das in einer Metropole wie Frankfurt! Weder die Internationale Automobil Messe IAA noch die Buchmesse reichen als Anlass aus, die Geschäfte etwa auf der Zeil zu öffnen. Hilfreich wäre es, wenn sich wenigstens eine Partei hinter die Sache stellte. Doch von der Politik in Wiesbaden kommt derzeit nichts.

Welche Bedeutung haben die Stadtteilsonntage?
Nemati: Sie sind wichtig für Einzelhändler vor Ort. Nicht der Umsatz an einem solchen Tag. Es sind wichtige Werbeeffekte, und auch ein Zeichen gegen den Onlinehandel.

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