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Einzelhandel in Frankfurt Bella Italia in Fechenheim

Drei Brüder führen die biodynamische Fattoria La Vialla im Frankfurter Stadtteil Fechenheim. Jetzt erhalten sie für ihr Umwelt-Engagement einen Preis des Umweltnetzwerks Baum.

Einzelhandel in Frankfurt
Leckeres zum Probieren, frisch auf den Tisch. Foto: ROLF OESER (Rolf Oeser)

Hinein geht’s nur mit einer Karte aus Olivenholz. Man hält sie an die Tür, die sich sogleich öffnet wie von Geisterhand. Dahinter: eine große Halle, zugleich eine gemütliche Halle. Sie atmet noch das Fechenheimer Industriezeitalter, aber eine italienische Aura hat sich ihrer bemächtigt – mit Stapeln aus Weinkisten, einem Holzofen für Brot und Pizza, rustikalen Tischen, rotkarierten Tischdecken und Holzregalen mit Olivenöl, Pasta und Gebäck. Benvenuto in der Fattoria La Vialla, willkommen in einem Lebensmittelladen der umweltfreundlichen und nachhaltigen Art.

Am heutigen Mittwoch beginnt in Frankfurt die Jahrestagung des „Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management“, kurz: Baum. Das vor 33 Jahren gegründete Unternehmensnetzwerk mit etwa 500 Mitgliedern ist durchaus großzügig in der Vergabe von Preisen. So werden heute Abend nicht weniger als neun Preisträger in sechs Kategorien ausgezeichnet, darunter Prinzessin Laurentien der Niederlande und ihre Missing Chapter Foundation, die Journalistin Susanne Bergius, unter anderem für die FR tätig – und Gianni, Antonio und Bandino Lo Franco, die Chefs der Fattoria La Vialla.

Die drei Brüder arbeiten in Italien, genauer: in der Toskana, seit 38 Jahren die Heimat der Fattoria. 2012 eröffneten sie in Frankfurt … nein, keine Filiale, darauf besteht Cornelia Backes, als sie den Besucher auf eine Runde durch den Gastraum führt. „Wir nennen es nicht Filiale“, sagt sie, „wir nennen es Speisekammer. Man soll sich wohlfühlen, wie in Italien. Reinkommen – wohlfühlen.“

Täglich gibt es ein anderes warmes Essen. „Pici mit Bombolino“, sagt die Dame hinterm Tresen. Maccheroni mit Tomatensoße würde es ähnlich treffend beschreiben, aber die Soße hat es in sich: Tomaten, Basilikum, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Chili, und das Ganze biodynamisch hergestellt, mit möglichst geringer Belastung für Klima und Umwelt. „Es ist ja nicht einfach nur EU-bio“, sagt Stefan Maxeiner, „es ist wirklich biodynamisch, mit Kreislaufwirtschaft.“ Maxeiner ist in der Diktion der drei Brüder der „Vialla-Botschafter in Deutschland“, und er freut sich riesig über den Umweltpreis. „Schön, dass unsere Arbeit geschätzt und honoriert wird von einem so renommierten Netzwerk.“ Und zu Recht, wie er betont. „Wenn das Unternehmen wächst, dann nicht, indem es mehr aus dem Boden herauspresst, sondern durch den Zukauf von Land.“ Sprich: Umwandlung von konventionell bearbeitetem Boden in ökologisch wertvolle Nutzfläche.

Das Netzwerk Baum lobt in den höchsten Tönen: „Die Produktion erfolgt bis auf einige Ausnahmen über die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Unternehmen“, heißt es da, und: „Der ökologische Fußabdruck des Unternehmens ist seit 2009 negativ, das heißt, die Fattoria La Vialla absorbiert insgesamt mehr CO2, als sie abgibt.“

In der Fechenheimer Speisekammer lassen es sich die Gäste schmecken. Pardon, nicht Gäste, sondern: „Wir sagen Freunde“, erklärt Cornelia Backes. 30 bis 50 Freunde kommen täglich ins Haus auf dem Gelände der Fechenheimer Klassikstadt, fast alle durch Mundpropaganda aufmerksam geworden.

Die Firma macht keine Werbung, allenfalls mal einen Aktionsstand, etwa im Waldstadion in der Halbzeit eines Eintracht-Spiels. Es gibt fertig gepackte Kisten mit den Lebensmitteln für mehrere Mahlzeiten – die Zutaten notiert in der Schrift des über 80 Jahre alten Architekten des Stammsitzes in Castiglion Fibocchi. Die Schleifchen sind von Hand gebunden. Verkauft wird in großen Stückzahlen, aber: „Es soll familiär sein“, so Cornelia Backes.

Deshalb auch die Einlasskarten aus Olivenholz, die man im Internet bestellen muss, ehe man hineindarf. „Eine kleine Rückversicherung“, sagt Stefan Maxeiner. Denn wer erst einmal drinnen ist im etwas anderen Lebensmittelladen in Fechenheim, der darf alles dort probieren – und zwar kostenlos.

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