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Einwegbecher Wie Frankfurt gegen den To-go-Müll kämpft

Frankfurt will Einwegmüll vermeiden und das Stadtteilprojekt für Kaffee in Mehrwegbechern ausweiten. Hannover könnte als Vorbild dienen.

Einwegbecher sorgen in vielen Städten für Probleme. Foto: Christoph Boeckheler

Drei Monate nach dem Start einer Initiative zur Vermeidung von Einwegmüll hat eine der Initiatorinnen ein positives Fazit gezogen. „Wir sind super erfreut, wie viele Leute mitgemacht haben“, sagte Marlene Haas von „Lust auf besser leben“.

Die Initiatoren des Projekts „Cup2gether“ hatten auf der Einkaufs- und Ausgehmeile Berger Straße in den Stadtteilen Bornheim und Nordend Cafés und Verbraucher aufgefordert, sich auf ein Pfandsystem für Mehrwegbecher einzulassen. Die Mitmachrate war enorm.

Von den nackten Zahlen alleine will sich Haas aber nicht blenden lassen. Die Geschäftsfrau, die sich dem Kampf für Nachhaltigkeit verschrieben hat, merkt etwa an, dass die beteiligten Cafés nicht die ganz großen Kommunikatoren für das Projekt waren und gar nicht immer auf die Möglichkeit der Mehrwegbecher hinwiesen. „Teilweise haben die Kunden die Cafés informiert“, so Haas. Als Entschuldigung hätten viele Gastronomen oder Bäckereien darauf hingewiesen, sie hätten schlicht nicht die Zeit für ein erläuterndes Gespräch mit den Kunden.

Ein weiteres Problem seien die Wege der Kunden in andere Stadtteile. Denn wer seinen Kaffee für unterwegs morgens in Bornheim kauft und zur Arbeit fährt, möchte den Becher nicht bis zum nächsten Morgen mit sich rumschleppen. Haas fände es daher sinnvoll, das Projekt zumindest auf Sachsenhausen, Innenstadt, Bockenheim und Bahnhofsviertel auszuweiten.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Die Frankfurter Politik ist von der hohen Beteiligung bei dem Projekt überrascht worden. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) hatten gewettet, dass die Zielvorgaben (siehe Kasten) nicht erreicht würden. Sie wurden weit übertroffen. Umweltdezernentin Heilig zeigte sich als gute Verliererin: „Die Initiative hat bewiesen, dass es bei gutem Willen auch einen guten Weg gibt. Ein ganz toller Erfolg, den wir nun in andere Stadtteile und Städte tragen werden“, so Heilig.

Wie genau das aussehen soll, ist noch nicht geklärt. In der vergangenen Woche gab es bereits einen Runden Tisch mit Vertretern der Stadt, der FES und der Stabstelle Sauberes Frankfurt. Über Inhalte der Gespräche soll noch in dieser Woche informiert werden, auf konkrete Ergebnisse müssen Umweltschützer aber wohl noch ein bisschen länger warten. Das Vorhaben, „Cup2gether“ auszuweiten, werde “nach den Sommerferien Thema einer Amtsbesprechung sein“, hieß es aus dem Umweltdezernat.

Andere Städte sind da schon weiter. Mit „Recup“ haben sich etwa München, Köln und Berlin zu einem städteübergreifenden Mehrwegbecherpfandsystem zusammengeschlossen. Die Stadt Hannover ist einen eigenen Weg gegangen, der innerhalb kurzer Zeit recht viel Erfolg hatte. Dort hat sich der Zweckverband Abfallwirtschaft Hannover selbst der Sache angenommen und darauf hingewiesen, dass in Deutschland in jeder Stunde 320 000 Coffee-to-go-Becher verbraucht würden. Mit starken Partnern wie dem Bundesligisten Hannover 96, der Messe Hannover und einem führenden Versicherungsunternehmen der Stadt hat es „Hannoccino“ innerhalb kurzer Zeit auf 150 Standorte des Bechersystems in der Stadt gebracht. Claudia Gabriel von der Stabsstelle Sauberes Frankfurt ist von dem Konzept überzeugt: „Es braucht Mitstreiter mit einer gewissen Strahlkraft.“ Ihre Stabsstelle würde ein solches Projekt natürlich unterstützen, aber ein Budget habe sie dafür nicht.

Für eine Finanzierung könnte sich Haas vorstellen, Teile der Müllgebühren gezielt für Müllvermeidung einzusetzen.

Ob das machbar ist und wer der starke Partner in Frankfurt sein könnte, ist noch nicht geklärt. Das Umweltdezernat will sich dafür demnächst mit dem Umweltamt und dem städtischen Müllentsorger FES zusammensetzen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Plastikfrei

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