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Eintracht-Shop in Frankfurt Gefühlvolles Adieu für die Laden-Legende

Am letzten Abend war es noch mal voll im Eintracht-Shop an der Bethmannstraße in Frankfurt. Torjäger Hölzenbein und Präsident Fischer sind unter den Gästen - und viele, viele Fans.

Blick zurück in Eintracht
Blick zurück in Eintracht: Präsident Peter Fischer (Mitte) neben Vorstandschef Hellmann. Foto: Peter Jülich

Am Ende kommen noch einmal die ganz Großen, na, zumindest manche davon, aber vor allem: die Leute, die die Eintracht groß gemacht haben – die Fans. Und sie schwelgen in Erinnerungen, als dem Eintracht-Shop in der Bethmannstraße am Freitagabend sein letztes Stündchen schlägt.

Steffen Thomsen etwa, in Fankreisen besser bekannt als der Stoffel, trägt sein Shirt mit den russischen Schriftzeichen, erstanden 1993 zur Auswärtspartie bei Dinamo Moskau. „6:0 haben wir gewonnen.“ Damals seien vielleicht nicht gar so viele Leute zu den Spielen der Eintracht gegangen wie heute, erinnert er sich. „Aber die, die dabei waren, waren auch mit ganzem Herzen dabei.“

So wie Joachim Garthe, der den Shop fast 20 Jahre lang führte, von Anfang 1996 bis Ende 2014. „Wir waren ein Fan-Laden für Leute aller Couleur“, sagt er, „ein Fußball-Laden, manchmal vielleicht etwas verstaubt, aber ehrlich.“ Als er gemeinsam mit Joachim Pflug übernahm, folgte als nächstes – der erste Abstieg der Eintracht aus der Bundesliga. Na toll, dachten die beiden. „Aber dann haben wir gesagt: Wir müssen kämpfen, genauso wie die Eintracht jetzt kämpfen muss.“ Und es gelang, in jeder Hinsicht. Der Laden – für Garthe wird er immer eins bleiben: „Legende.“ Willi Schuster, sein Vorgänger, habe „mit einer Kappe und einem Schal“ angefangen. „Wir hatten dann schon fünf Kappen und fünf Schals im Sortiment.“

Zum Kehraus am letzten Tag ist Rekordtorjäger Bernd Hölzenbein gekommen. „Das wollte ich mir nicht nehmen lassen“, sagt er. Die Mannschaft habe damals regen Anteil genommen, als Kickerkollege Bernd Nickel das Geschäft 1975 eröffnete. Ob der „Dr. Hammer“ darob etwa das Fußballerische vernachlässigte? „Auf keinen Fall“, sagt Hölzenbein.

Präsident Peter Fischer ist da, Conferencier Axel Hoffmann lässt die Gäste reihum zu Wort kommen und ihre Shop-Erinnerungen vorzeigen. Eintracht-Museumsleiter Matthias Thoma hat eine Sonnenbrille dabei, die er einst für 16 Mark erstand, Adler auf beiden Gläsern. Eines ist zerbrochen. Sicher beim Torjubel über das 5:1 anno 1999 gegen... „Nee, ich hab mich draufgesetzt.“ Ehrlich sind sie, die Eintrachtfans. Vorstandschef Hellmann hat zwei Trikots aus den 80er und 90er Jahren dabei. „Damit hab‘ ich im G-Block gestanden“, erzählt er. Im Eintracht-Shop seien damals wichtige Dinge angestoßen worden, im informellen Rahmen, etwa die Gründung der Fanabteilung. „Alles hat ein Ende“, sagt er, „lasst es uns in Würde begehen.“ Soll heißen: laut und ausgelassen, mit Bier und Ebbelwei, ohne Mikrofon, aber mit schrägen Einlagen, etwa vom Komikerduo „Marios Heimspielanalyse“.

Die Leute lachen, die Leute kaufen die letzten Andenken, die Leute sind aber auch durchaus traurig – in der Bethmannstraße haben sie einen wichtigen Teil ihres Fan-Daseins verbracht, diskutiert, gestritten, manchmal seien sie stundenlang geblieben, erinnert sich Garthe. Mit dem Verkauf an die Eintracht 2014 änderten sich Angebot und Atmosphäre, es wurde geschäftstüchtiger, so die gängige Sprachregelung an diesem nostalgischen Abend. Dass jetzt Schluss ist, erklärt Eintracht-Marketingmann Sebastian Geschwindner mit dem neuen, viel größeren Fan-Geschäft im Einkaufszentrum MyZeil. „Zwei Standorte parallel, so nah aneinander, konnten wir nicht halten.“

Na denn. Mancher verdrückt eine Träne, gönnt sich noch ein Trikot mit Infotec-Aufdruck (frühe 80er) und erfüllt sich einen Lebenstraum: ein Selfie mit Bernd Hölzenbein. Das tröstet über das Schlimmste hinweg.

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