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Eintracht Frankfurt Wo Eintracht-Spieler sich die Haare schneiden lassen

Friseur Boki macht der Eintracht die Haare schön. Seinen Bockenheimer Salon besuchen die Stars - und Boki fährt auch schon mal zur WM, um dort gut abzuschneiden.

Eintracht Frankfurt
Boris Lipovac mit seinem Werkzeug. Foto: peter-juelich.com

Worauf es früher beim Fußball ankam: spektakuläre Tore, gepflegtes Passspiel. Worauf es heute ankommt: spektakulärer Torjubel, aber vor allem gepflegte Frisuren. Und wenn die Kicker von Eintracht Frankfurt stets besonders top aussehen, obenrum, dann liegt das vor allem an Boki.

Boris Lipovac, so der ganze Name, aber alle nennen ihn Boki, ist der Friseur der Frankfurter Fußballprofis. Wer an seinem Laden in der Großen Seestraße vorbeifährt, findet dafür seit drei Tagen den unübersehbaren Beweis: „Brrruda, schneid die Haare kurz“ steht auf T-Shirts, die der Friseurmeister mit dem gezwirbelten Schnurrbart ins Fenster gehängt hat. Eine Abwandlung des Frankfurter Spruchs des Jahres, als Kevin-Prince Boateng auf dem Römer-Balkon seinen Eintracht-Kollegen Ante Rebic nach dem Pokalsieg zitierte: Er, der Bruda, möge den Ball lang schlagen.

Ante Rebic war es auch, der Boki ins Rampenlicht brachte. „Ein gemeinsamer Bekannter hat mich angesprochen“, erzählt der junge Scherenprofi, „ob ich Rebic die Haare schneiden kann. Er war ja ganz neu in Deutschland.“ Mehr als zwei Jahre ist das her. Boki schnitt zur Tat – und zwar bei dem Spieler daheim. „Mein Laden wurde damals gerade renoviert, hier war Chaos“, sagt er. „Danach habe ich aber gesagt: Du musst auch zu mir kommen.“

Ante Rebic war zufrieden. Das Friseurgeschäft in Bockenheim ist nicht groß, aber stilvoll eingerichtet mit ledernen Sesseln für die Kundschaft. Ein Ort zum Wohlfühlen. Vor der Tür stehen Pflanzen und eine gemütliche Bank, abends trinken Kunden und Nachbarn dort gern noch ein Bierchen zusammen.

Mit Fußball nix am Hut

„Die Frisur ist Rebic total wichtig“, sagt Boki. So wichtig, dass der Kopfspezialist eigens nach Russland zur Fußball-WM fliegen musste, um sich dort, im Trainingscamp der Kroaten, um das Haupthaar des Stars zu kümmern. Obendrein ließen sich weitere Spieler wie Ivan Rakitic, Ivan Perisic und der Co-Trainer Ivica Olic von ihm scheren. Im Laden hängen Zeitungsausschnitte davon, einer zeigt Boki auch mit Stürmer Mario Mandzukic. Dabei wäre der WM-Einsatz fast daran gescheitert, dass die Security den Mann mit den vielen Scheren und Messern nicht ins Mannschaftshotel lassen wollte. Rebic musste herbeieilen und vermitteln, wie die dpa seinerzeit berichtete.

Inzwischen kämen acht bis zehn Eintracht-Spieler regelmäßig nach Bockenheim, rechnet Boki überschlägig zusammen, darunter nicht nur die kroatischen Landsleute und die Serben, sondern auch Nicolai Müller und Jan Zimmermann. Ex-Torwart Lukas Hradecky, inzwischen in Leverkusen unter Vertrag, kam sogar eigens vorbei, als er das Supercup-Finale der Eintracht gegen Bayern München besuchte. Boki war auch Teil der legendären Eintracht-Grill-Gruppe, die sich im April aus einem Bockenheimer Hinterhof in die Boulevardpresse röstete, darunter Rebic, Hradecky, Mijat Gacinovic und der frühere Kamerad Slobodan Medojevic.

Auch die Spielerfrauen kommen zu Boki. Das alles spricht sich herum. Viel Stammkundschaft lässt sich im Salon schön machen; längst muss man sich bei ihm eine ganze Weile im Voraus anmelden. Ein beachtlicher Erfolg für einen jungen Mann, der als vierjähriges Kind mit den Eltern aus Bosnien kam und elf Jahre in Flüchtlingsunterkünften verbringen musste. „Wir lebten zu fünft in einem Zimmer, mit Plumpsklo“, sagt Boki. Jetzt sei das Leben viel besser. „Ich fühle mich sehr wohl in Frankfurt.“

Übrigens: Mit Fußball hatte er früher nichts am Hut. Deshalb kann er auch nicht viel zur Europapokal-Auslosung vom Freitag sagen. „Inzwischen interessiere ich mich schon dafür“, sagt er, „aber nur für die Eintracht.“

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