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Eintracht Frankfurt Fans im Wechselbad der Gefühle

Die Anhänger von Eintracht Frankfurt verfolgen gemeinsam die Europacup-Auslosung und sind am Ende irgendwie zufrieden.

Eintracht Frankfurt
Eintracht-Fans freuen sich über das Los Limassol. Dort dürfen sie, anders als nach Marseille, auch hin. Foto: Christoph Boeckheler

Es ist 12.50 Uhr, als die ersten „Düdelingen“-Sprechchöre durch das Fanhaus hallen. Der Außenseiter aus Luxemburg ist offenbar ein Wunschgegner einiger Eintracht-Anhänger. Etwa 50 Fans haben sich am Freitagnachmittag an der Louisa in Frankfurt-Sachsenhausen versammelt, um bei der Auslosung zur Europa League vor einer großen Leinwand gemeinsam mitzufiebern. 
Bis tatsächlich die ersten Lose aus einem der vier Töpfe gezogen werden, dauert es noch etwas, dafür ist das „Europa-Bingo“ schon in vollem Gange. Auf kleinen vorbereiteten Zetteln dürfen die Fans ihre Tipps abgeben, welche Gegner in die Eintracht-Gruppe kommen. Wer dreimal richtig liegt, bekommt das neue Heimtrikot der Eintracht geschenkt. Für alle gibt es, vielleicht nicht ganz stilecht für eine Europapokal-Auslosung, arabischen Kichererbsen-Eintopf. 

Die Vorfreude ist zum Greifen, erstmals seit fünf Jahren darf die Eintracht wieder auf europäischer Bühne mitmischen. Die Ungeduld steigt. „Zieh die Lose, du Penner“, fordert jemand. Abfälliges Gemurmel, als dann mit dem ersten Los gleich Bayer Leverkusen gezogen wird. In Gruppe A spielt die Eintracht schon mal nicht. 

Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das die Herren der Uefa im Grimaldi-Forum zu Monte Carlo den Eintracht-Anhängern bereiten. Dabei steht noch gar nicht fest, in welcher Gruppe die Eintracht spielen wird. Aber nachdem die Hälfte der 48 Lose gezogen ist, lässt das Gemurmel untereinander erste klare Tendenzen zu: Gruppe B mit Salzburg und Celtic Glasgow sowie Gruppe G mit Villareal und Wien wären gewünscht. Ängstliches Gemurmel hingegen, als die ersten beiden Mannschaften der Gruppe K eingeblendet werden: Dynamo Kiew und FK Astana. Das hätte für die Auswärtsspiele sehr lange Anreisen in den Osten zur Folge.

Das Spiel in Marseille hat noch einen Haken

Auch zu anderen Gruppen gibt es klare Meinungen. Als der Eurosport-Reporter die Gruppe I mit Istanbul und Genk als sportlich interessant anpreist, gibt es ein klares Statement: „Halt’s Maul, da will keiner hin“, ruft jemand. Lieber Gruppe B. Daher ist das Geschimpfe groß, als RB Leipzig die Gruppe erwischt. Nun wird wirklich mitgezittert. Als die Eintracht schließlich bei Lazio Rom und Olympique Marseille in der Gruppe H landet, brandet Jubel auf. „Alter Falter, was ein Hammer“, tönt Edelfan Gerre von der Band Tankard. Doch einige schauen nicht ganz so glücklich.

Was ist eigentlich die Vorgabe? Lieber eine leichte Gruppe und auf das sportliche Weiterkommen hoffen oder eher reizvolle Reiseziele? Stefan vom EFC Rhein-Hessen sieht es ganz pragmatisch. „Rom und Marseille haben beide große Stadien, da können alle hin, die hinwollen.“ 

Dennoch, aus dem Lostopf vier mit den vermeintlichen schwächsten Mannschaften wünschen sich jetzt viele F91 Düdelingen, obwohl die Luxemburger das kleinste Stadion haben und da sicherlich viele ohne Ticket bleiben würden. Nun löst jedes gezogene Los heftige Reaktionen aus. Aufatmen, dass es nicht Slavia Prag, Spartak Trnava in der Slowakei oder Workla Poltawa in der Ukraine sind. Wehklagen, als Rosenborg Trondheim und der verehrte F91 Düdelingen in andere Gruppen gezogen werden. 

 Dann großer Jubel: Apollon Limassol. Die Eintracht-Fans dürfen auf die Urlaubsinsel Zypern. Die Freude wäre sicherlich noch größer gewesen, hätte die Eintracht nicht schon vor fünf Jahren auf Zypern, gegen Apoel Nikosia gespielt. Groundhopper, die Länderpunkte sammeln, werden die Nase rümpfen. Doch Gerre freut sich. „Da mache ich eine Woche Sandstrand“, ruft er und zitiert damit bewusst oder unbewusst eine Textpassage aus einem Europapokal-Klassiker, in dem „Teneriffa, eine Woche Sandstrand“ besungen wird. 

Die drei Gegner der Gruppenphase stehen fest, jetzt werden die Smartphones gezückt und erste Kommentare mit Freunden ausgetauscht. Für die endgültigen Reiseplanungen ist es aber noch ein bisschen früh, denn schließlich stehen die Termine noch gar nicht fest.

Vor dem Fanhaus steht ein Fan in der Sonne und telefoniert lauthals: „Die Auslosung ist Bombe, Marseille mache ich auf jeden Fall.“ Da war der Fan wohl noch in der Hoffnung, die Eintracht werde nicht ausgerechnet das erste Spiel in Marseille haben. Wegen einer Uefa-Sanktion muss Marseille sein erstes Heimspiel vor leeren Rängen austragen. Doch genau so legte es die Uefa fest. Den Eintracht-Fans geht somit in der Vorrunde eine Auswärtsreise ab. Kein Marseille und auch kein Düdelingen.

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