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Eintracht Frankfurt Eintracht-Fans jubeln beim Public Viewing

Beim Public Viewing im Waldstadion geraten 4500 Fans von Eintracht Frankfurt in Ekstase.

Public Viewing
Der Jubel nach dem Abpfiff sollte bis nach Marseille zu hören gewesen sein. Foto: Michael Schick

Die in den Lederhosen und den Dirndl werden heute Abend gute Laune haben, so viel steht fest. Sie werden Bier trinken und Schlager mit schlüpfrigen Texten singen und Bier trinken und ganz unhessisch „Oans, zwoa, g’suffa“ rufen und noch mehr Bier trinken. Was man halt so macht beim Oktoberfest im Zelt auf dem Parkplatz des Waldstadions. Aber was ist mit denen in den Eintracht-Trikots, die sich mit den Trachtenträgern die Straßenbahn zur Arena teilen? Werden sie um etwa 21 Uhr auch noch gute Laune haben? Daran kann man leichte Zweifel haben, denn ihre Mannschaft spielt gegen die Jungs von Olympique Marseille. Und die sind gut. Sehr gut.

Die Eintracht spielt gegen Marseille – aber nicht etwa in Frankfurt. Die Partie wird in der französischen Hafenstadt ausgetragen, allerdings ohne Zuschauer. Weil sich die Olympique-Anhänger zuletzt daneben benommen hatten, hatte der europäische Fußballverband alle Fans ausgeschlossen. Auch die Frankfurter. Das fanden hierzulande alle ziemlich gemein, und beim Radiosender „FFH“ dachte man sich: Wenn die Eintracht-Fans nicht ins Stadion von Marseille dürfen, sollen sie zumindest ins Waldstadion kommen. Flugs organisierte man ein Public Viewing, zu dem am Donnerstag 4500 Menschen erschienen sind.

Nun, wie benimmt man sich in einem Stadion, wenn auf dem Rasen keine Spieler laufen, sondern nur eine 100 Quadratmeter große LED-Wand steht, auf der die Partie gezeigt wird? Am besten ganz normal. Man singt: Vor dem Spiel „Im Herzen von Europa“ und „Schwarz-weiß wie Schnee“, die Gassenhauer, die bei Heimspielen immer laufen. Während der Partie grölt man dann: „Wir holen den DFB-Pokal, und wir werden Deutscher Meister“ sowie „Frankfurter Jungs, wir sind alle Frankfurter Jungs.“ Stimmt zwar alles nicht (viele Frauen, viele Einpendler, aus dem Pokal schon draußen und Meister... eher nicht). Hört sich aber gut an.

Man flucht: Drei Minuten sind gespielt, da führt Marseille 1:0. Totale Ernüchterung auf den Rängen. Einzelne Fans geben einzelnen Abwehrspielern Tiernamen und werden dafür von anderen Zuschauern zur Ordnung gerufen.

Man jubelt: Kurz nach der Halbzeitpause der Ausgleich. Ekstase im Stadion. Menschen übergießen sich mit Bier. Besser und krasser geht es doch nicht... jetzt aber nicht schon das Ende des Textes lesen.

Man zittert: Kurz nach dem Ausgleich eine rote Karte gegen die Eintracht. Noch eine halbe Stunde zu zehnt gegen diese Top-Spieler aus Marseille. Das kann doch nicht gut gehen. Kann es nicht. Kann es nicht? Bei vielen versagt an diesem vermutlich letzten schönen Sommerabend das Deo.

Man dreht völlig durch: Kurz vor Schluss schießt Luka Jovic das 2:1 für die Eintracht. Wer noch nie einen Menschen geküsst hat, der ihm vorher gänzlich fremd war, wer noch nie mit nacktem Oberkörper über die gesamte Gegentribüne des Stadions gerannt ist, wer noch nie unter einem Berg von zehn bis zwanzig anderen jubelnden Fans gelegen hat – hier und heute geht das.

Aber die in den Dirndl und Lederhosen hatten bestimmt auch Spaß.

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