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Eintracht Frankfurt Der Fan mit der weitesten Anreise

Der Wahl-Südafrikaner Alexander Maheri ist der Eintracht Frankfurt-Fan mit der weitesten Anreise. Der 48-Jährige kommt aus Kapstadt über Johannisburg und Frankfurt zum Pokalspiel nach Berlin.

Eintracht Frankfurt
Wahl-Südafrikaner Alexander Maheri ist ein eingeschworener Eintracht-Fan. Foto: Privat

Das Pokalfinale in Berlin wird Alexander Maheri ziemlich genau von dort verfolgen, wo er schon 1988 stand. In der Ostkurve des Olympiastadions, hinter dem Tor, wo der Ball von Lajos Detari zum 1:0 und damit zum bislang letzten Pokalsieg der Eintracht einschlug. Seitdem ist viel passiert.

Die einzige Parallele zu dem Berlin-Trip vor bald 30 Jahren: Maheri wird für die Anreise wieder seinen Reisepass brauchen. 1988 stieg der Frankfurter an der Südseite des Hauptbahnhofs in einen Fan-Bus und musste sein Ausweisdokument in Herleshausen an der innerdeutschen Grenze vorzeigen. 2017 wird der Eintracht-Fan seinen Reisepass beim Abflug in Kapstadt zücken müssen. Mit 9394 Kilometern Luftlinie zwischen Kapstadt und Frankfurt hat der Wahl-Südafrikaner sicherlich die längste Anreise unter den gut 20 000 Eintracht-Fans in Berlin.

Die Erinnerungen Maheris an das geteilte Berlin von damals sind nur noch schemenhaft: „Nach dem Spiel haben wir auf dem Kudamm zufällig den Mannschaftsbus mit Charly Körbel und dem Pokal gesehen.“ Und irgendwie war da auch noch eine zünftige Feier in einer bajuwarischen Kneipe hinter der Gedächtniskirche. Auch an sein erstes Eintracht-Spiel kann sich der 48-Jährige nicht mehr wirklich erinnern. Irgendwann in den 70er Jahren war das, mit dem Vater. „Es war kalt, und ich hatte keinen Bock.“ Doch seit dieser Zeit ist Maheri Eintracht-Fan, der mehr oder weniger regelmäßig ins Stadion geht.

Zehn Jahre nach dem Kunstschuss von Detari bekam der Geologe dann aber ein Jobangebot in Südafrika, das er nicht ausschlagen konnte. „Ich wollte mal was Neues probieren, einen Tapetenwechsel“, erinnert sich Maheri. Bis heute ist er in Südafrika geblieben und hat es nie bereut. Zunächst wohnte er in Durban direkt am Indischen Ozean, später in Johannesburg, seit einigen Jahren nun im beschaulichen Weinörtchen Franschhoek in der Kapregion, wo andere Urlaub machen und ganz neidisch sind, wenn sie Maheri in seinem Haus besuchen. „Das einzige, was mir fehlt, ist mit den Kumpels ins Stadion zu gehen“, gesteht der Geschäftsmann. Die Eintracht verfolgt er seit Jahren nur noch im Live-Stream. Wann immer er aber geschäftlich oder privat nach Deutschland kommt, versucht er die Eintracht zu sehen. „Da bin ich dann auch in der Zweiten Liga auswärts gefahren, es geht nur um das Feeling.“

Auch beim Pokalhalbfinale gegen Gladbach konnte Maheri nur aus der Ferne mitfiebern. Der letzte Elfmeter war aber kaum geschossen, da hat er sich um ein Ticket für Berlin bemüht und auch Erfolg gehabt. Nun wird Maheri am Mittwoch in Kapstadt in den Flieger nach Frankfurt steigen, mit Zwischenhalt in Johannesburg. In den zehn Stunden Flug von Johannesburg nach Frankfurt wird Maheri dann mal entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten eine Schlaftablette nehmen, denn nach der Landung in Frankfurt am Donnerstagmorgen geht es mit ein paar Freunden direkt weiter mit dem Zug nach Berlin. „Das wird an die Kondition gehen“, ist sich Maheri im Hinblick auf die närrischen vier Tage in der Hauptstadt sicher. Im Gepäck hat er zur Einstimmung auf das Pokalfinale jedenfalls selbstgebrannten südafrikanischen Schnaps. Eintracht-Devotionalien gehen nicht mit auf Reisen. „Da bin ich extrem abergläubisch.“ Erfolg hatte die Eintracht immer nur, wenn Maheri in zivil war, so wie 1988. Vielleicht findet sich ja wieder ein Kunstschütze bei der Eintracht. Die Fans in der Ostkurve würde es freuen.

 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal-Finale

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