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Eintracht Frankfurt Aus Liebe zur Eintracht

Wie ticken Fußball-Fans? Eine Videoinstallation im Museum im Frankfurter Stadion versucht sich an Antworten.

Deutsche Meisterschaft
Da wäre jeder Eintracht-Fan gerne dabei gewesen: Hunderttausende bejubeln die Mannschaft nach dem Gewinn der Meisterschaft 1959. Foto: Vereinsarchiv Eintracht Frankfur (Eintracht Frankfurt)

Manche Fragen stellt man einfach nicht. Zumindest nicht, wenn man vom Gegenüber eine ernsthafte Antwort bekommen möchte. Christian Hahn und Holger Köhn vom Büro für Erinnerungskultur in Babenhausen haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Interviews mit Fans von Eintracht Frankfurt geführt und gefilmt. Es waren tolle Gespräche, wie beide betonen. Nur stellten sie dann auch diese eine, offenbar zutiefst merkwürdige Frage: „Was müsste passieren, damit du nicht mehr zur Eintracht gehst?“ Die allermeisten der Fans „haben uns angesehen, als wären wir Außerirdische“, berichtet Hahn.

Die Interviews der beiden Wissenschaftler in Sachen Erinnerung sind von Donnerstag an im Eintracht-Museum im Stadion zu sehen. 37 Gespräche haben Hahn und Köhn geführt. Daraus entstanden sind sechs jeweils knapp zehnminütige Blöcke zu Themen wie Heimat, Liebe und Träume. Eröffnet wird die Videoinstallation mit einem Abend, zu dem viele der befragten Fans kommen wollen.

Wenn schon sterben, dann bitte bei der Eintracht

In den Gesprächen geht es auch um die ganz großen Themen. Um Leben und Tod. Wenn sie schon sterben müssten, dann doch bitteschön bei der Eintracht, sagen mehrere Fans. Die Aussagen haben mittlerweile einen etwas bitteren Beigeschmack. Denn vor zwei Wochen, beim Heimspiel der Eintracht gegen Leipzig, brach tatsächlich ein Fan auf der Tribüne zusammen und starb. Da waren die Interviews schon im Kasten. Ob das Wissen um den tragischen Unglücksfall etwas an den Aussagen der Fans geändert hätte? Schwer zu sagen.

Manche Anhänger sprechen sich dafür aus, dass Eintracht Frankfurt einen eigenen Friedhof eröffnet. Nur für die Fans der Adlerträger. Und Jürgen Vieth würde sich am liebsten einäschern lassen. Die Asche soll am Stadion verstreut werden. Dort, wo im alten Waldstadion der G-Block war, jener legendäre Fanblock, in dem nur die ganz harten Eintracht-Anhänger standen. Vieth ist in der Frankfurter Stadtgesellschaft mittlerweile eine große Nummer. Er führt Kneipen in Alt-Sachsenhausen, außerdem kämpft er mit einer Initiative um einen besseren Ruf für das Ausgehviertel. Doch in den 80er Jahren war er vor allem der Star im G-Block. Vieth, genannt „Seemann“, war der erste Vorsänger im Block. Er stand auf einem Wellenbrecher und dirigierte die Fans. Wohlgemerkt zu einer Zeit, als über Ultras und Capos in der Kurve überhaupt noch nicht gesprochen wurde.

Vieth ist erwachsen geworden. Und dennoch sagt er, man möge seine Asche am Stadion verstreuen? Wie verrückt ist das? Gar nicht, sagt Professor Johannes Pantel. Der Psychiater kommt in der Videoinstallation mehrfach zu Wort, um die Aussagen der Fans fachlich zu bewerten. Die Anhänger hätten durch die Eintracht allesamt eine „langfristig biografische Prägung erfahren, sagt er. Das Verhältnis zum Verein sei mit einer Partnerschaft vergleichbar. Insofern verwundere es nicht, dass die Anhänger auch über den Tod hinaus eine Beziehung zu Eintracht Frankfurt herstellen wollten.

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