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Eintracht Frankfurt Abschied vom Eintracht-Shop

Der Eintracht-Shop in der Bethmannstraße, fast 43 Jahre lang Anlaufstelle der Fans in Frankfurt, öffnet am Freitag zum letzten Mal. Es wird ein Tag voller Nostalgie.

Eintracht Vorverkauf
Schlange nach Europa: 2006 stand man für Halbfinal-Tickets gegen Bielefeld an. Das 1:0 bedeutete die Uefa-Cup-Qualifikation. Foto: Georg Kumpfmüller (FRFOTO)

Verblüffend, was früher alles möglich war. Zu Zeiten, als Frankfurt noch die Telefonvorwahl 0611 hatte, gab es nicht nur „Versicherungen aller Art“ und eine Lottoannahmestelle im Eintracht-Shop an der Bethmannstraße. Nein, ganz oben in der Zeitungsanzeige mit aktuellen Angeboten führte der Laden: eine „Fritz Walter Fan-Club-Jacke“ für 99,50 Mark. Ein Idol, der Fritz Walter, sicher – aber doch eindeutig beim falschen Verein.

Den Eintracht-Shop hatte Fußballprofi Bernd „Dr. Hammer“ Nickel Ende April 1975 eröffnet. Wer weiß, vielleicht konzentrierte er sich seinerzeit sehr aufs Geschäftliche, denn der Starttermin war eingerahmt von zwei Bundesliganiederlagen gegen Kickers Offenbach und Hertha BSC, jeweils 1:2, aber immerhin auch vom Halbfinalsieg im Pokal gegen Rot-Weiß Essen. Am Ende holte die Eintracht ja bekanntlich wie schon im Jahr zuvor den Cup. Wenn das keine Steilvorlage ist: An diesem Freitag schließt der Shop für immer – und die Eintracht hat durchaus Chancen, demnächst wieder ins Halbfinale einzuziehen.

Heute also ist die letzte Gelegenheit für einen nostalgischen Abschied im Shop. Ungezählt die Fans, die in fast 43 Jahren durch die Tür in die Bethmannstraße 15, ab 1997 dann in die neuen Räume in Hausnummer 19 gingen. Es gab ja kein Internet. Um Eintrittskarten für die Spiele zu kaufen, mussten sich die Fußballfreunde persönlich an die Schalter bequemen: am Spieltag vorm Stadion, im Vorverkauf auf dem Klubgelände am Riederwald – oder eben in der Innenstadt.

Da waren nicht nur Karten zu haben, sondern alles für Eintracht-Anhänger. Wimpel, Aufkleber, Schals, „Torwarthandschuhe Jupp Koitka“, auch schon Trikots. „Ein Geschäft, in dem es nur Fanartikel zu kaufen gab – das war damals in Deutschland einzigartig“, blickt der Verein zurück. Schnell habe sich der Shop zum Publikumsmagneten für Interessierte „aus aller Welt“ entwickelt. „Yankees“ gar, dachte Willi Schuster, der den Laden als Nickels Nachfolger übernahm, hätten das Geschäft gestürmt. Wie sich erwies, waren es Schotten: die Mannschaft von Dundee United, die 1984 auf dem Rückweg vom Europapokalspiel bei Rapid Wien in Frankfurt zwischengelandet war und es sich nicht nehmen ließ, bei der Eintracht vorbeizuschauen.

Nicht immer ging es so friedlich-freundlich zu. Ungebetene Besuchergruppen aus Berlin und Nürnberg randalierten im Laden, einmal sprühte jemand „OFC“ ans Schaufenster. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Kenner des Profifußballs rätselten bis heute, was das bedeuten sollte.

Andersherum konnten auch Gleichgesinnte im Eintracht-Shop gelegentlich die berühmte Frankfurter Herzlichkeit erfahren, wie man sie von Apfelweinkellnern kennt. Wer etwa mal schnell „sechs, sieben Karten“ fürs (seit Wochen ausverkaufte) Bayern-Spiel bei gestandenen Mitarbeitern wie Andreas Hornung oder Martin Stein kaufen wollte, der tat gut daran, sich vorsichtshalber schon mal für sein Dasein zu entschuldigen.

Knorrig wie Charly Körbel als Vorstopper und zugleich geduldig wie das Pony „Schöppche“, das einst bei Heimspielen hinterm Eintracht-Tor stand, so bündelte der Shop in der Bethmannstraße die Träume der Fans. Wer in alten Ausgaben der illustren Eintracht-Sportzeitung blättert, dem fällt vielleicht die räumliche Nähe auf, die die Annoncen des Ladens häufig mit jenen von Dr. Müllers Sex-Shop verband („Exklusive Wäsche, auch Gummi & Leder“). Nun, beide sind jetzt Geschichte. Aber ein vitaler Fanshop lockt immerhin an anderer Stelle in der City: im Einkaufszentrum MyZeil.

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