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Einkauf Knöllchen beim Discounter

Eine Kundin bekommt einen Strafzettel, weil sie ohne Parkscheibe im Auto auf einem Supermarkt-Parkplatz stand. Die Parkraum-Bewirtschaftung ist mittlerweile gängige Praxis.

Es empfiehlt sich, diesem Text Folge zu leisten. Foto: christoph boeckheler*

Cornelia Dolgner soll Bußgeld zahlen, weil sie auf einem Kundenparkplatz ohne Parkscheibe stand. Das ärgert sie.

Am Mittwochvormittag, 18. Januar, fuhr Dolgner zum Einkaufen. Sie parkte auf dem Parkplatz in die Victor-Slotosch-Straße 18 - 20 in Enkheim. Den teilen sich der Discounter Penny, die Schnäppchenmärkte Kik und Tedi, ein Kinder-Hallenspielplatz für Kinder und ein Fitnessstudio. Als Dolgner nach einer Viertelstunde wieder vor ihrem Wagen stand, sah sie das Knöllchen, das an ihrer Windschutzscheibe haftete.

„Ich sollte 30 Euro zahlen. Nur weil ich keine Parkscheibe benutzt hatte.“ Das konnte sie nicht glauben. Auf dem Parkplatz traf sie mehrere Menschen an, denen es genauso erging.

Im Bußgeldkatalog würden fürs Falschparken gerade einmal 15 Euro verlangt, sagt sie und spricht von „Abzocke“.

Die Discounter wehren sich gegen den Vorwurf. Die Parkplatz-Überwachung sei nötig gewesen, um das „Problem mit Dauerparkern“ zu lösen, sagt Petra Theis von Penny-Markt. Die Langzeitparker hätten Kunden, die mit dem Auto kämen, darunter Ältere, Familien mit Kindern und Gehbehinderte, die Parkplätze weggenommen. Die Überwachung übernehme der externe Dienstleister Apcoa Parking.

Nicht nur Penny lässt die Parkplätze kontrollieren. Die Bewirtschaftung in Frankfurt ist zur gängigen Praxis geworden, etwa bei Lidl, Tegut, Aldi, zeigte eine Umfrage der FR. Zur Begründung heißt es stets, nur so lasse sich das Problem mit den Langzeitparkern lösen. Das trete besonders oft in der Innenstadt, nahe Berufsschulen oder an Bürogebäuden auf.

Auf dem Parkplatz in der Victor-Slotosch-Straße in Enkheim könnten Kunden mit Parkscheibe bis zu 90 Minuten lang kostenlos parken, sagt Penny-Sprecherin Petra Theis. Schilder wiesen darauf hin. Der Dienstleister kontrolliere seit September vergangenen Jahres. Damals habe Penny kostenlose Parkscheiben verschenkt. Von den 2200 Märkten in Deutschland werde gerade einmal ein Prozent überwacht, sagt sie – und zwar dort, wo es Probleme mit Langzeitparkern gegeben hätte.

Das alles wusste Cornelia Dolgner nicht. Sie eilte mit dem Einkaufszettel und dem Knöllchen zurück in den Discounter. Dort waren die Mitarbeiter vorbereitet. Sie händigten ihr ein Musterschreiben aus. Das nutzte Dolgner, um Widerspruch gegen das Bußgeld einzulegen.

Sie hat gute Chancen, Gehör zu finden. „Wir bemühen uns um eine kulante Lösung im Sinne der Kunden“, sagte Theis. Wenn Kunden neben dem Bußgeldbescheid auch noch einen Kassenbon vorlegen könnten, um zu beweisen, dass sie tatsächlich eingekauft hätten, werde „eine Stornierung der Parkgebühr veranlasst“.

Auf Kulanz setzen auch die anderen Unternehmen, wobei das immer eine Frage der Abwägung sei. Wichtig in jedem Fall: den Kassenzettel vorzeigen zu können.

Cornelia Dolgner würde sich über die Kulanzlösung freuen. Sie gibt allerdings zu bedenken: „Nicht alle Kunden heben ihre Kassenbons auf.“

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