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Eichborn-Umzug Ab nach Berlin

Nach Suhrkamp sucht nun auch der Eichborn Verlag sein (wirtschaftliches) Glück in der Bundeshauptstadt .

Die Eichborn-Fliege ist flügellahm. Foto: dpa

Am Freitagabend ist die Stimmung in den Büros an der Kaiserstraße gedrückt. „Ich habe heute noch niemanden getroffen, der von Frankfurt nach Berlin gehen möchte“, resümiert Dieter Muscholl, der Sprecher des Eichborn Verlages. Doch genau das soll nun geschehen: 31 Jahre nach seiner Gründung am Main will das Verlagshaus in die Bundeshauptstadt umziehen.
In das neue Gebäude des Aufbau-Verlages, mit dem Eichborn künftig eng zusammenarbeiten soll – etwa beim gemeinsamen Vertrieb.
Die 50 Mitarbeiter von Eichborn haben sich immer wohl gefühlt im multikulturellen Frankfurter Bahnhofsviertel – die Atmosphäre schien gar zu den Büchern zu passen, mit denen man früh reüssierte, mit den Cartoonisten Walter Moers und Erich Rauschenbach, aber auch zum intellektuell anspruchsvollen Programm der Anderen Bibliothek, einst von Hans Magnus Enzensberger herausgegeben.
Die wirtschaftlichen Probleme des Frankfurter Verlages hat das nicht verhindern können, auch die Eichborn AG, die 2000 an die Börse ging, sorgte nicht für grundsätzliche Gesundung. „Es ist die Absicht des Eigentümers Ludwig Fresenius, dass wir nach Berlin umziehen“, sagt Muscholl. Es brauche jetzt noch eine Aktionärsversammlung, da aber Fresenius 75 Prozent der Anteile halte, sei der Umzugsbeschluss „nur eine Formalie“.
Bereits am Donnerstagabend erfuhren die Verlags-Beschäftigten bei einer Versammlung in den Räumen an der Kaiserstraße vom Umzug. Für einige von ihnen war es ein deja vu-Erlebnis: Sie kamen vom Suhrkamp-Verlag, der Ende 2009 nach Berlin gegangen war.
„Auch bei uns wird es jetzt einen Sozialplan geben, ähnlich wie bei Suhrkamp“, sagt Muscholl. Bei Suhrkamp war am Ende nur etwa die Hälfte der Beschäftigten in die Bundeshauptstadt gewechselt.
„Sehr bedauerlich“ nennt Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) am Abend die Nachricht, dass Frankfurt Eichborn verliert. Der Vergleich mit der Entwicklung bei Suhrkamp sei dennoch nicht statthaft: „Bei Suhrkamp hat das Land Berlin massiv und unter Einsatz von Steuergeldern geworben“. Wie schon bei Suhrkamp habe die Kommune auch bei Eichborn nichts tun können: „Die Subvention eines privaten Unternehmens kam nie in Frage“.
Auch der frühere Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) findet den Verlust von Eichborn „traurig“. Das Haus sei “eine Urzelle der Frankfurter Verlagskultur“. Hoffmann hofft, „dass das jetzt keine Sogwirkung nach sich zieht“.

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