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Ehrenplakette Das Prinzip Nächstenliebe

Josef Buchmann liebt es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Doch nun ist es unvermeidbar: Die Stadt verleiht dem Milliardär und Mäzen die Ehrenplakette Frankfurts.

Er freut sich : Josef Buchmann neben OB Petra Roth. Foto: Michael Schick

Er bleibt sich treu, auch an diesem Tag. Ganz unauffällig sitzt er im Limpurgsaal des Rathauses am Rande, wie stets in feinstes Tuch gekleidet. Er spricht wenig und leise, lächelt das scheue Lächeln, das ihn charakterisiert. Josef Buchmann liebt es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Doch an diesem Freitag ist das unvermeidbar: Die Stadt Frankfurt hat ins Rathaus geladen, um dem Mäzen und Milliardär die Ehrenplakette zu verleihen.

Im Sommer hatte der Kaufmann den 80. Geburtstag gefeiert: 66 Jahre seines Lebens verbrachte er in Frankfurt. In dieser Zeit vollzog sich ein „historischer Prozess“ – so hat es Salomon Korn einmal formuliert, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt: Aus den Juden in Deutschland wurden jüdische Deutsche. Josef Buchmann freilich, das gestand er im Gespräch mit der FR, dachte noch 1991 daran, nach Israel auszuwandern.

Heute ist das anders. Es entwickelt sich im Limpurgsaal, wie OB Petra Roth es nennt, eine „wunderschöne, stimmungsvolle Stunde“. Vor den Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur blättert sich ein Leben auf, dessen erste Jahre erschüttern: Mit zwölf wurde Buchmann aus seiner Heimatstadt Lodz ins KZ verschleppt, musste dort Leichen transportieren und verbrennen, er überlebte den „Todesmarsch“ ins KZ Bergen-Belsen, wurde dort 1945 befreit.

Neue Stiftung für die Uni

Der 87-jährige Historiker Arno Lustiger erinnert am Rednerpult an diese Zeit. Er kam als US-Offizier im Juni 1945 nach Bergen-Belsen – und traf dort den verstörten Jungen Josef. Seither sind sie befreundet: Buchmann und Lustiger umarmen sich.

Aus der Erfahrung des KZ, sagt Roth, habe Buchmann „das Prinzip der Nächstenliebe für andere“ entwickelt. Joseph Klafter, Präsident der Universität Tel Aviv, blättert das Wirken des Mäzens Buchmann auf. 300 Stipendien für die Universitäten Tel Aviv und Frankfurt, Spenden für Städel, Jüdisches Museum, Universitäts-Kinderklinik, für ein Hospital, das in Israel Holocaust-Überlebende betreut. Buchmann winkt plötzlich den Präsidenten der Goethe-Universität, Werner Müller-Esterl, nach vorne. Der gibt bekannt, dass der Kaufmann „eine Stiftung für die Universität eingerichtet hat, dotiert mit zwei Millionen Euro“. Ein Raunen geht durchs Publikum, Beifall brandet auf.

Lustiger blendet auf die 60er Jahre zurück, als der Unternehmer Oskar Schindler, der viele Juden vor dem KZ gerettet hatte, völlig verarmt in Frankfurt lebte: Buchmann unterstützte Schindler mit Geld und Wohnung. Aus der Erfahrung des KZ lernte er aber auch, sein Leben abzuschirmen, seine Gefühle zu schützen.

„Sie haben als Immobilienkaufmann Zeichen gesetzt“, sagt die OB. Das ist eine schöne Umschreibung dafür, dass Buchmann ab den 60er Jahren und bis in die 80er Jahre bei linken Kritikern als Inbegriff des Spekulanten galt: 1965 eröffnete er das Shell-Hochhaus, damals höchster Büroturm in Frankfurt, später verkaufte er den Bauplatz für die Doppeltürme der Deutschen Bank, investierte ins Nordwestzentrum.

Vorbei. An diesem Ehrentag bleibt sich Josef Buchmann treu. Als er am Ende ans Mikrofon tritt, spricht er die Worte: „Es ist alles gesagt, ich kann nichts hinzufügen.“ Und tritt lächelnd ab.

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