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Ehrenamtsmesse Die paar Stündchen Zeit sinnvoll nutzen

Bei der Ehrenamtsmesse können sich die Besucher zwischen Tierrettung bis zum Organisieren von Konzerten in Gefängnissen oder Brennpunktschulen entscheiden.

Frankfurter Ehrenamtsmesse
Frankfurter Ehrenamtsmesse 2018 in den Römerhallen. Foto: peter-juelich.com

An Stand 15 werden „Omas und Opas“ gesucht. Genauer gesagt ist es eine Paten-Großeltern-Vermittlung des Sozialdiensts katholischer Frauen - des Familienzentrums Monikahaus. Unweit davon und zum ersten Mal dabei bei der Frankfurter Ehrenamtsmesse ist der Verein Nestwärme. „Wir suchen Zeitschenker“, erzählt Irina Feuerstein von Nestwärme. Konkret sind das Ehrenamtliche, die sich Zeit nehmen, um Familien mit einem behinderten Kind zu entlasten. „Je nach Bedürfnis der Familie geht man mit dem behinderten Kind spazieren oder schwimmen, kümmert sich ums Geschwisterkind oder erledigt Einkäufe für die Familie. Die Zeit, die man geben mag, kann man sich flexibel einteilen“, betont Feuerstein.

Seit 2007 wird die Ehrenamtsmesse veranstaltet. In diesem Jahr präsentierten sich bei der zwölften Ausgabe an 40 Messeständen knapp 50 Vereine, Organisationen und Initiativen in den Römerhallen. Schwerpunktthema ist an diesem Samstag „Familie und Generationen“. Aber es gibt noch viel mehr: vom Tierrettungsnotdienst bis zum Unterstützen von Wissenschaftlern der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung bei der Arbeit.

Dringend auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern ist Liane Himmighoffen. Sie selbst engagiert sich beim „Treffpunkt“ – ein Angebot für „Randgruppen“, wie sie sagt. Manche seien Hartz-IV-Empfänger bis hin zu welchen, die auf der Straße lebten. Sie seien nicht nur arm, sondern eben auch oft einsam. „In dem Café in Bornheim schmieren wir ihnen Brote, kochen Kaffee, spielen mit ihnen Scrabble oder unterhalten uns einfach mit ihnen“, erzählt Himmighoffen. Das Angebot ist immer dienstags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr.

Auf der Suche nach einem Ehrenamt ist Heide Janke. 43 Jahre lang war sie Sportlehrerin. „Und jetzt nach einen halben Jahr in Rente, nachdem ich alle meine Freunde besucht habe, suche ich nach einem Ehrenamt, das mich herausfordert.“ Sie steht am Stand vom Frankfurter Netzwerk „Aktiv bis 100“ - Bewegungsgruppen für hochaltrige Menschen. Projektkoordinator Helmut Kalbskopf findet, sie wäre perfekt. Janke selbst ist sich da zunächst nicht ganz so sicher. „Ich habe immer nur mit Kindern gearbeitet, bei älteren Leuten muss man auch ihre Krankheiten berücksichtigen.“Er beruhigt sie. Und sagt, dass sie Aufbaukurse erhalte. „Es geht nicht um sportliche Senioren, sondern um Menschen, die vorher im Leben nie Sport gemacht haben. Sie sollen in ihrer Mobilität und Eigenständigkeit gestärkt werden, und es fördert soziale Kontakte.“

Lesepaten für Kinder

Noch keine Idee, was sie genau machen möchte, hat eine 36-jährige Biologin. „Werktags bin ich eingespannt, aber am Wochenende habe ich noch ein paar Stündchen Zeit, die ich sinnvoll nutzen will. Was mit Tieren oder Menschen wäre toll.“ Die Frankfurter Lesepaten wäre etwas mit Menschen. Ein Projekt der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen. Aber dafür muss man vormittags in der Woche Zeit haben. „Wir gehen an die Grundschulen und helfen Kindern, dass sie nicht nur den Text runterlesen können, sondern auch tatsächlich verstehen, was sie da lesen. Viele habe da gar keine Ahnung, weil zu Hause nicht gelesen wird“, erzählt Edith Ibscher. Die Lesepaten kümmerten sich einzeln um die Kinder, widmeten ihnen Zeit, und „sind so sehr beliebt“.

Ein sehr außergewöhnliches Projekt bietet der Verein Yehudin Menuhin Live Music Now. „Wir organisieren 220 Konzerte im Jahr für Menschen, die in Krankenhäusern, Behindertenstätten, Brennpunktschulen oder im Gefängnis sind“, erzählt Heike Diehl, die selbst als Konzertorganisatorin ehrenamtlich arbeitet. „Wir vermitteln zwischen den Musikern, das sind unsere Stipendiaten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, und den sozialen Einrichtungen. Koordinieren die Termine.“ Ein Herr, der im Gefängnis sitzt, war so gerührt von dem Konzert, dass er ihrer Kollegin aus Dankbarkeit einen Notenschlüssel aus Metall nachgebaut und geschenkt hat.

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