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Ehepaar Gingold Erinnerung an Antifaschisten

Eine Initiative will die Erinnerung an das Ehepaar Gingold aufrecht erhalten. Sie werben dafür, in Frankfurt eine Straße, einen Platz oder eine öffentliche Einrichtung nach dem Ehepaar zu benennen.

Peter Gingold (rechts) im April 2001 auf einer Demo gegen Rechts an der Hauptwache. Foto: Falk Orth

Vor knapp drei Monaten wäre Peter Gingold Hundert Jahre alt geworden. Er starb zehn Jahre zuvor, im Oktober 2006. Kommunist, Résistance-Kämpfer, Naturfreund, Radfahrer – all das war Gingold. Vor allem aber war er eins: Antifaschist. Bis zuletzt mahnte er immer und immer wieder, dass das, was nach 1933 in Deutschland geschah, nie wieder sein dürfe, dass die Menschen rechtzeitig den Mund aufmachen müssten.

Seit dem Jahr 2010 erinnert eine Initiative regelmäßig an ihn und seine Frau Ettie. Die Initiative fordert, eine Straße, einen Platz oder eine öffentliche Einrichtung nach dem Ehepaar zu benennen. Am Montagabend stellte sie ihr Anliegen dem Ortsbeirat 2 vor. Peter Christian Walther, Sprecher der Initiative und langjähriger Freund der Gingolds, war in den Saal der katholischen Gemeinde St. Ignatius im Westend gekommen. Mitglieder des Ortsbeirates hatten sich das so gewünscht – auch wenn die Gingolds nicht im Ortsbezirk sondern in Niederrad wohnten.

Ein „Demokratielehrer“ sei Peter Gingold gewesen, sagte Walther. Dass er auch Kommunist war, betonte Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) nachdrücklich – ohne sich jedoch gegen Gingold als Namenspatronen auszusprechen. Lautstark meldete sich daraufhin Lelle Boendgen-Franz von der Aktionsgemeinschaft Westend zu Wort: Gingold habe „Bewunderung und Achtung verdient, egal welcher Partei er angehörte“. Mehrere Ortsbeiratsmitglieder sahen das ähnlich. Walther betonte, es gehe ihm um eine Ehrung Gingolds als „Widerstandskämpfer und Zeitzeugen“.

Als Zeitzeuge aufgetreten

Im Jahr 1931, mit 15 Jahren, trat Gingold in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands ein, zwei Jahre später verhafteten ihn die Nazis und forderten ihn auf, Deutschland zu verlassen. Gingold ging nach Frankreich und arbeitete dort im antifaschistischen Widerstand. Dort lernte er seine spätere Frau Ettie Stein-Haller kennen. Während des Krieges verhaftete die Gestapo den Résistance-Kämpfer. Doch Gingold gelang die Flucht. Er kämpfte daraufhin weiter gegen das NS-Regime – und überlebte. Im August 1945 kehrte er nach Frankfurt zurück. Bis zu seinem Tode trat Gingold als Zeitzeuge bei unzähligen Veranstaltungen auf. Und er blieb ein Dreivierteljahrhundert Kommunist.

In seinen 2009 veröffentlichten Lebenserinnerungen betont er, 1933 hätte verhindert werden können, wenn die Gegner der Nazis gemeinsam gehandelt hätten. Jedoch gäbe es für sie eine Entschuldigung: „Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist.“ Das sei heute anders: „Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern!“

Ob eine Straße, ein Platz oder eine öffentliche Einrichtung im Ortsbezirk 2 den Namen Gingold erhalten wird, blieb am Montagabend unklar. Walther will auch in Niederrad dafür werben.

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