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Eckenheimer Landstraße in Frankfurt Klage auf Schadensersatz

Die Geschäftsleute an der Eckenheimer Landstraße in Frankfurt leiden unter dem Dauerbau an der U-Bahnlinie. Einer will jetzt klagen.

Affan (links) und Alirami Aruci wollen klagen. Foto: christoph boeckheler*

Auch sieben Monate nach dem Beginn sind die Bauarbeiten auf der Eckenheimer Landstraße noch in vollem Gange. Vor dem Getränkemarkt Elbo, Hausnummer 119, riecht es nach Teer. Im Inneren des Geschäfts fällt die Verständigung wegen des Lärms der Baumaschinen schwer. Aber der Mitarbeiter des Getränkemarkts hat ohnehin keine große Lust mehr zu reden. „Ich habe das schon so oft erzählt“, winkt er ab. Etwa von den 60 Prozent Umsatzeinbußen in den vergangenen Monaten. „Ich kann von Glück sagen, dass mich mein Chef hier noch arbeiten lässt.“

Wie groß die Auswirkungen der Dauerbaustelle in der Eckenheimer Landstraße auch danach noch sein werden, lässt sich schwer abschätzen, denn der ein oder andere Stammkunde hat mittlerweile vielleicht einen neuen Getränkemarkt gefunden. In jedem Fall sind sie hier besonders nachhaltig. Denn die meisten Kunden kommen traditionell mit dem Auto, um ihre Getränkekisten abzuholen, doch das war jetzt über Monate nicht möglich. Nach dem Ende der Bauarbeiten fallen dann zudem Parkplätze weg, weil die Bürgersteige verbreitert werden.

Darunter leidet auch ein paar Häuser weiter das Spielwarengeschäft. „Die meisten meiner Kunden kommen wegen der Modell- Eisenbahn“, sagt Inhaber Götz Dersch. Die sperrigen Bausätze und Kisten transportieren sie natürlich mit dem Auto.

Um 70 Prozent, schätzt Dersch, ist sein Umsatz in den Sommermonaten eingebrochen. Zu dieser Zeit war sein Spielwarengeschäft wegen der vielen Absperrungen nur schwer zu erreichen. „Die Wegeführung war ja morgens anders als am Abend.“ Dersch hatte sich überlegt, von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) Schadenersatz zu fordern, mittlerweile aber von einer Klage Abstand genommen. „Das dauert so lange, da gibt es mich gar nicht mehr.“

Auch die Textilreinigung Nordend nebenan hat schwer gelitten. Die Mitarbeiterin deutet auf die teilweise leeren Wäschestangen. „Früher hing hier alles voll.“ Einige der Kleidungsstücke warten schon seit Wochen auf die Abholung. Vor allem muss die Reinigung befürchten, im Laufe der Monate viele Stammkunden an die benachbarte Konkurrenz verloren zu haben.

Diese Sorge teilen auch die Brüder Aruci vom Schuhladen an der Ecke Glauburgstraße. „Anfangs kamen einige Stammkunden noch mit dem Fahrrad, dann kamen sie nicht mehr“, sagt Affan Aruci. Sein Bruder Alirami will eigentlich gar nicht mehr viel sagen. „Ich rege mich nur wieder auf.“ Anders als die anderen Geschäftsleute auf der Eckenheimer Landstraße wollen die Arucis aber Schadenersatzforderungen stellen. „Man soll sich nicht alles gefallen“, findet Alirami Aruci. Den Brüdern geht es vor allem um die Art und Weise, wie die Geschäftsleute behandelt wurden. „Die Baufirmen wussten von Anfang an, dass es länger dauert, da fühlen wir uns ein bisschen verarscht“, klagt Affan Aruci, der betont, dass sie in den vergangenen Monaten mit etwa nur 50 Prozent ihres sonstigen Nettolohns auskommen mussten. „Wenn wir auch gewusst hätten, wie lange das dauert, hätten wir beide mal ein bis zwei Wochen Urlaub gemacht.“ Stattdessen sei ihnen viel versprochen, aber so gut wie nichts davon gehalten worden.

Geschäftslogos auf einer U-Bahn

Die in diesem Zusammenhang so viel gescholtene VGF hat es aber derzeit auch nicht immer ganz leicht. „Einige Geschäftsleute sind mittlerweile so schlecht auf uns zu sprechen, dass sie auf unsere Angebote gar nicht mehr eingehen“, moniert VGF-Sprecher Bernd Conrads. Für den 5. November etwa plant das Verkehrsunternehmen, auf der U5-Strecke alte historische Fahrzeuge einzusetzen. Bei einer ähnlichen Aktion in der Stresemannallee habe das viele Schaulustige angelockt. Die VGF schlug den Geschäftsleuten daher bei Hausbesuchen vor, an diesem Tag die Läden länger aufzulassen. Doch das sei nicht überall gut angekommen, verriet Conrads.

Die VGF hat sich nun aber dazu durchgerungen, die gebeutelten Geschäftsleute mit aktiver Werbung zu unterstützen. Ein moderner Wagen der U5 soll eine Außenbeklebung mit den Logos der Geschäfte auf der Eckenheimer erhalten. „Wer kein eigenes Logo hat, dem helfen wir auch bei der Gestaltung“, verspricht Conrads. Ob die Arucis das von einer Klage abhalten wird, ist noch unklar. Zunächst mal verlangt ihr Rechtsanwalt noch einige Unterlagen. Allzu zuversichtlich ist Affan Aruci allerdings ohnehin nicht: „Es gibt wohl schon BGH-Urteile, wonach ein gesundes Unternehmen eine solche Sonderbelastung aushalten muss.“

Weiter unten auf der Eckenheimer Landstraße an der Haltestelle Musterschule ist die Bäckerei Schaan von den Bauarbeiten besonders gebeutelt. Die Filiale schließt seit Juni bereits um 14 Uhr, an Samstagen und während der gesamten Schulferien hatte der Betrieb komplett zu, da sich außer den benachbarten Schülern kaum jemand hierher verirrt. Wäre das Geschäft nicht Teil einer größeren Kette, hätte die Dauerbaustelle womöglich auch das Aus für die Bäckerei bedeuten können.

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