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Eckenheimer Landstraße Geschäfte beklagen Einbußen

Die gesperrte Eckenheimer Landstraße ärgert die Gewerbetreibende. Sie beklagen Einbußen. Zudem missfällt einigen die Informationspolitik.

Der Umbau der U-Bahn-Stationen Musterschule und Glauburgstraße beginnt. Foto: Alex Kraus

Thomas Schwab trägt häufig Kisten, nur heute nicht, denn sein Getränkemarkt ist geschlossen. „Bisher hatte ich null Umsatz“, sagt der Inhaber des Abholmarkts Elbo. Der Grund? Er deutet auf die Eckenheimer Landstraße, die zur Riesen-Baustelle geworden ist.
Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) baut die U-Bahn-Stationen Musterschule und Glauburgstraße um. Baken und Schranken versperren die Straße. „Hier kommt keiner mehr mit dem Auto durch.“

Sein Hauptgeschäft, sagt Schwab, mache er nicht mit Kunden aus Laufnähe, sondern mit Abholern, die mit dem Auto kommen. Die blieben nun aus. Fünf Monate lang, befürchtet er. So lange, wie die Eckenheimer Landstraße zwischen Oeder Weg und Anlagenring gesperrt sein wird. Das treibt ihn um: „Warum konnte die VGF nicht erst die eine Seite der Straße sperren und dann im nächsten Schritt die andere?“ Für Gewerbetreibende wie ihn sei das Durchfahrtsverbot „eine harte Nummer“.

Abgesehen von Baufahrzeugen ist es auf der Eckenheimer Landstraße am Dienstag ruhig. Noch wird der Asphalt nicht aufgerissen. Passanten laufen über die Straße, kein Auto, das stört. Keine Schüler, die toben. Osterferien.

Handzettel vor gut einer Woche

„Nichts los heute“, sagt Götz Dersch, Inhaber des Spielwarengeschäfts Dersch, der seinen Laden geschlossen hat und sich die abgesperrte Eckenheimer anschaut. Er fühle sich „schlecht informiert“ und von den Entscheidungen „ausgeschlossen“. Erst vor gut einer Woche habe ein Handzettel über den Umbau im Briefkasten gelegen. Was er von der Sperrung halte, habe ihn niemand gefragt. „Ich bin ins offene Messer geschickt worden.“

„Dürftig“ nennt Susanne Pleines vom Papiergeschäft Perlenfischer die Information, die sie bekommen hat. „Die Flyer lagen vor der Eingangstür, nicht mal im Briefkasten.“ Am ersten Tag der Sperrung sei im Laden „weniger los“ gewesen. Was nicht so schlimm sei. Die meisten Kunden kauften über die Website ein.

„So schrecklich, so furchtbar“ findet eine Anwohnerin, die anonym bleiben will, die Baustelle. Jetzt kämen die Baustellenfahrzeuge durch die Adlerflychtstraße, wo sie wohne. „Lärm, Dreck, Abgase, das stört mich unglaublich“, sagt die 80-Jährige. Verständnis für den barrierefreien Umbau hat sie nicht. „Hat doch bisher auch alles gut funktioniert.“ Ob sie U-Bahn fahre? „Nein, ich mache alles zu Fuß und mit dem Rad“, sagt die rüstige Frau.

Mit dem Kinderwagen sei er „immer brav zur Konstablerwache gelaufen“, sagt der Anwohner Sebastian Krieg. Über die Klappstufen bekomme man den Kinderwagen sowieso nicht in die U5, sagt der Familienvater. „In der Summe“ finde er den Umbau „gut“. Auch wenn er sich frage, wie sich die seitlich versetzten Bahnsteige „städtebaulich“ in den Straßenraum einfügen würden.

„Es wird höchste Zeit, dass etwas passiert“, findet Klaus Meyer. Der Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenbunds in Hessen ist selbst blind und hat die Aus- und Einstiege über die steilen Stufen in die U5 immer „als mittlere Katastrophe“ empfunden. Die neuen Bahnsteige, die 80 Zentimeter hoch sein werden, an den Seiten 20 Zentimeter niedriger, begrüßt er. „Eine 20 Zentimeter hohe Stufe zu überwinden ist für Blinde mit Stock kein Problem.“ Die nächsten Monate würden für Fahrgäste, blind oder nicht, aber sicher „beschwerlich“.

„Für unsere Mieter wird die Bauphase problematisch“, sagt eine Mitarbeiterin der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Die Stiftung hilft Betroffenen dabei, sich um Alltag zurechtzufinden, und vermietet 46 Wohnungen in der Adlerflycht- und Glauburgstraße an Blinde und Sehbehinderte. Die müssen sich nun mit ihrem Langstock von der Eckenheimer zur Friedberger Landstraße vortasten. Von dort aus, in 500 Meter Distanz, fahren die Ersatzbusse ab. Wie gut der Ersatzverkehr klappt, wird sich erst nach den Osterferien zeigen: Wenn Schüler morgens in die Muster- und Lichtigfeld-Schule wollen und mittags nach Hause.

Vielleicht verkauft Thomas Schwab dann das eine oder andere Getränk mehr. Am Dienstag schließt er seinen Laden co h noch mal auf. Drei Flaschen gehen über die Theke.

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