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Drogenstudie Kaum Heroin im Heroin

Das Institut Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg untersucht die Bestandteile von Drogen, die in Frankfurt konsumiert werden. Das Heroin, das in Frankfurt verkauft wird, ist besonders minderwertig.

Drogensüchtige
Spritzbestecke erhalten die Drogenkonsumenten in den Druckräumen. Das Heroin, das sie spritzen, ist oft minderwertig Foto: dpa

Seit August vergangenen Jahres werden einmal im Monat in den drei Frankfurter Konsumräumen Verpackungsmaterialien gesammelt und in das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg geschickt. Bis Dezember 2017 wurden dort 468 sogenannte Anhaftungen auf ihre Bestandteile analysiert. Eines der Ergebnisse, die Professor Volker Auwärter am Montag vorstellte: Das Heroin, das in Frankfurt verkauft wird, ist besonders minderwertig – nur neun Prozent des Opiats waren im Durchschnitt in den Proben enthalten. Die Dealer hatten die Drogen mit Paracetamol, einem leicht erhältlichen Schmerzmittel, und Coffein gestreckt.

Als „Substanz-Monitoring“ firmiert das bundesweit einmalige Projekt, das Aufschluss geben soll, was in den Drogen drin ist. Cracksteine etwa bestehen tatsächlich zu 70 Prozent aus Kokain; das entspreche dem Bundesdurchschnitt, sagte Auwärter. Beim Heroin liege der bei rund 20 Prozent.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) verspricht sich davon eine Art „Frühwarnsystem“. Noch konnten laut Auwärter keine gefährlichen Beimischungen etwa durch sogenannte Legal Highs gefunden werden – anders in Bayern. Legal Highs können zu einem sehr aggressiven Verhalten führen. Der Professor mochte nicht ausschließen, dass diese auch in Frankfurt noch auftreten werden, man stehe erst am Anfang. Künftig sollen mit einer neuen Infrarottechnik die Proben auch auf anorganische Bestandteile wie Talkum untersucht werden, das kleine Embolien in der Lunge auslösen könne.

 Immerhin ist durch das Projekt jetzt belegt, dass in Frankfurt doppelt so viel Heroin konsumiert wird wie Crack beziehungsweise Kokain. Und es wurde mit zwei Mythen aufgeräumt, die immer wieder mal in der Szene herumgeistern: In keiner der Heroinproben wurde Strychnin oder ein anderes gefährliches Gift gefunden. Und in keinem der Crackstein-Reste entdeckten die Mediziner Amphetaminderivate wie Crystal Meth, Ritalin oder Legal Highs.

Die Leiterin des städtischen Drogenreferats, Regina Ernst, wies darauf hin, dass es eine „lange Diskussion“ über die Frage gegeben habe: „Dürfen wir das überhaupt?“ – die Untersuchung von Drogen in Konsumräumen ist prinzipiell verboten. Durch das Substanz-Monitoring wissen jetzt aber nicht nur die Sozialarbeiter in den Konsumräumen, welche Drogen im Umlauf sind. Auch die Klienten können sich ein Bild darüber verschaffen. Die Ergebnisse werden regelmäßig ausgehängt, berichtete die Geschäftsführerin des Vereins Integrative Drogenhilfe, Gabi Becker. Bei den Klienten bestehe großes Interesse an diesem Projekt. Es biete eine gute Gelegenheit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Allerdings gab es bei den Proben große Schwankungen, was die Zusammensetzung betrifft: Bei Heroin von einem bis 58 Prozent, bei Kokain sogar von einem bis 100 Prozent. Nur ein direktes Drug-Checking könne hier Aufschluss über die tatsächliche Beschaffenheit des Stoffes bringen.

Stadtrat Majer erklärte in diesem Zusammenhang, dass sich die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden genau darum bemühe, dass es aber „rechtliche Schwierigkeiten“ gebe, die „noch nicht gelöst“ seien. Es gehe darum, den suchtkranken Menschen zu helfen. Er würde sich freuen, wenn andere Städte dem Frankfurter Beispiel folgten würden, um die Ergebnisse vergleichen zu können.

Die Kosten für das zunächst auf ein Jahr befristete Projekt belaufen sich nach Angaben von Regina Ernst auf rund 40 000 Euro.

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