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Drogenkonsum von Jugendlichen Weniger Alkohol und Nikotin, mehr Cannabis

Die Stadt Frankfurt stellt eine aktuelle Studie über den Drogenkonsum von Jugendlichen vor. Alkohol und Nikotin finden weniger Zuspruch bei Jugendlichen. Der Konsum von Cannabis dagegen legt deutlich zu.

Abiturienten feiern im Grüneburgpark in Frankfurt den Abschluss der schriftlichen Abiturprüfungen. Foto: dpa

Weniger Alkohol und Nikotin, mehr Cannabis –so lassen sich die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung über den Drogenkonsum der Frankfurter Schülerinnen und Schüler zusammenfassen, die am Montag vorgestellt wurden. Dabei wurde auch festgestellt: Noch nie gab es seit Beginn dieser jährlichen Studien des Centre for Drug Research der Goethe-Universität im Jahr 2002 so viele junge Leute, die abstinent leben und noch nie eine Droge, weder eine legale noch eine illegale, konsumiert haben.

Zwölf Prozent der befragten Jugendlichen haben eigenen Angaben zufolge weder an einem Glas Bier genippt noch einen Joint durchgezogen. Sie scheinen offenbar kein Interesse daran zu haben, ihre Wahrnehmung zu manipulieren, und wollen einen kühlen Kopf bewahren. „Das sind drei Mal so viele wie bei der ersten Befragung“, erläuterte Regina Ernst, die Leiterin des städtischen Drogenreferats. Umgekehrt hat aber auch der sogenannte riskante Konsum von Drogen zugenommen. „Die Pole werden deutlicher“, sagte Ernst. Die vorgestellte MoSyD-Studie bestätige einmal mehr, dass es immer Jugendliche geben werde, die Drogen ausprobieren. Um so wichtiger sei es, über die Risiken aufzuklären und einen chronischen Drogengebrauch zu verhindern.

Obwohl der Konsum von Cannabis deutlich zulegte, bleibt Alkohol die Nummer eins. Nach ihrer „Lieblingsdroge“ befragt, nannten ihn 17 Prozent der Befragten – vor knapp zehn Jahren bekannten sich noch 29 Prozent der Jugendlichen zum Alkohol. Elf Prozent votierten jetzt für Cannabis, das schon voriges Jahr die Beliebtheit von Zigaretten und Shishas überrundet hatte.

Auch über die Häufigkeit des Konsums gibt die Studie Aufschluss: 57 Prozent haben noch nie gekifft, 20 Prozent es mal irgendwann ausprobiert, zwölf Prozent wurden als „Gelegenheitskonsumenten“ eingestuft. Einmal in der Woche greifen drei Prozent zum Joint, vier Prozent mehrmals und weitere vier Prozent konsumieren täglich.

Harte Drogen spielen bei den Frankfurter Jugendlichen keine Rolle – mit einer Ausnahme: Ecstasy, das als „klassische Partydroge“ von sieben Prozent der Jugendlichen schon einmal geschluckt wurde, wie Bernd Werse, der Verfasser der „MonitoringSystem Drogentrends“ (MoSyD) erläuterte.

Als besonders erfreulich betonten die Experten, dass das Alter beim ersten Konsum im Vergleich zu 2002 deutlich zugelegt hat. Wenn sie zur ersten Zigarette und zum ersten Glas Wein greifen, sind die Jugendlichen im Schnitt nicht mehr knapp 13, sondern fast 14 Jahre alt. Bei Cannabis hat sich die Altersgrenze von 14,5 auf 14,9 Jahre verschoben. Je später jemand mit Drogen in Kontakt kommt, desto besser, sagen die Experten. Denn zum einen seien die gesundheitlichen Gefahren in jungen Jahren am größten, zum anderen könnten sich ältere Jugendliche besser mit den Risiken des Konsums auseinandersetzen, wie der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) meinte.

Die Neugierde ist mit 61 Prozent der mit Abstand am weitesten verbreitete Grund, warum Jugendliche zu Drogen greifen, gefolgt von dem Wunsch, sich körperlich gut zu fühlen (38 Prozent) und den Alltag zu vergessen und „einfach abzuschalten“ (36 Prozent).

Für MoSyD wurden rund 1500 Schülerinnen und Schüler befragt, die meisten waren 15 bis 18 Jahre alt. Während der Befragung wurden die Lehrerinnen und Lehrer gebeten, den Klassenraum zu verlassen, um den „Autoritätsfaktor“ auszuschalten, wie Bernd Werse erläuterte.

Mit MoSyD können Drogentrends seit Jahren rechtzeitig erkannt werden. Die Studie sei ein „zentrales Mittel“ für Drogenpolitik, Prävention und Jugendschutz, sagte Majer. Sie sei in Deutschland einzigartig und werde gern von der Bundesdrogenbeauftragten und der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle als Datenquelle genutzt.

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