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Drogenabhängige in Frankfurt Unterwegs mit Einwegkameras

Die Heussenstamm-Stiftung zeigt in der Braubachstraße eine Ausstellung mit Fotografien von Drogenabhängigen. Meike Fischer hat den Workshop im Eastside geleitet.

Foto: Meike Fischer

Die Idee ist ebenso einfach wie genial: Jeder Teilnehmer bekommt eine Einwegkamera für fünf, sechs Euro in die Hand gedrückt und zieht los, bis die 24 Aufnahmen voll sind. Und das jede Woche, erläutert die Fotografin Meike Fischer, die den Fotoworkshop im Eastside geleitet hat, im Gespräch mit der FR. Das Eastside ist Europas größte niedrigschwellige Einrichtung für Drogenkonsumenten. Es ist weit außerhalb der City in dem ehemaligen Gaswerk Ost des bekannten Architekten Peter Behrens untergebracht. „Ein Kosmos für sich“, wie Fischer sagt, die sich über Monate mit den Menschen, die hier gestrandet sind, beschäftigt hat.

„Man könnte dort sein ganzes Leben verbringen“, sagt die Fotografin: Essen, Schlafen, Arbeiten, und auch Drogen kann man sich hier beschaffen – obwohl der Betreiber der Einrichtung, die Integrative Drogenhilfe, das Dealen strengstens verboten hat. Neben dem Druckraum gibt es Aufenthaltsräume und Werkstätten. Viele Drogenabhängige pendeln tagsüber in die Stadt. Das Leben auf der Straße kennen die meisten gut.

Marcus, Erich, Christian und Petra gehören zu den neun Eastside-Bewohnern, die sich auf das Wagnis eingelassen haben: Mit der Kamera hinaus in die Stadt oder auch auf dem Gelände des Eastside bleiben. Sich auseinandersetzen mit der Umgebung, eine Perspektive suchen, den Auslöser drücken, das Foto anschauen, darüber reden oder es schweigend betrachten. Auf alle Fälle ist etwas Neues entstanden.

Gleichzeitig hat sich Meike Fischer auch immer wieder auf eigene Faust im Eastside umgesehen und eine Fotodokumentation über die Einrichtung zusammengestellt. Diese Dokumentation und eine Auswahl der Bilder, die mit den Einwegkameras entstanden sind, ist jetzt in den Räumen der Heussenstamm-Stiftung im Herzen der Frankfurter Innenstadt, in der Braubachstraße gegenüber des Frankfurter Römers, zu sehen.

Die Geschäftsführerin der Stiftung, Dagmar Priepke, die gemeinsam mit Fischer den Katalog zur Ausstellung herausgegeben hat, erläutert die Zielsetzung der über hundert Jahre alten Stiftung. Man wolle zum einen Frankfurter Künstler fördern und sich zum anderen auch sozial engagieren. Seit 2011 gibt es das „Projekt Eastside“: Verschiedene Künstlerinnen bieten Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Im Anschluss wird dann im Eastside selbst eine Ausstellung gezeigt. „Wir haben rund 2000 Kunst- und Kulturinteressierte in der Kartei“, so Priepke. Zu den Ausstellungen im Osten der Stadt seien jeweils „50 bis 100 Leute ins Eastside gepilgert“.

Die Räume der Heussenstamm-Stiftung in der Braubachstraße sind weitläufig und hell und bilden damit einen ganz anderer Rahmen als die Lokalitäten im Eastside. Geschäftsführerin Priepke hat in den Bildern immer wieder die Sehnsucht nach einem heilen Leben entdeckt. Da sitzt der Teddy auf dem ordentlich gemachten Bett, eine verdorrte Rose liegt auf der Heizung. Es wird ein wunderschöner Abendhimmel gezeigt. Ein Schwan zieht auf dem Gewässer schweigend seine Bahn. Stillleben ganz eigener Art sind entstanden, etwa das Brötchen auf dem Aschenbecher und direkt daneben die Tasse Kaffee auf der Bank. Das eigene Elend und das der Mitbewohner wurde kaum thematisiert.

Die Bilder von Meike Fischer zeichnen sich durch eine große Nähe und emotionale Zuwendung aus. So erfährt der Besucher, wie unterschiedlich es im Wohnbereich zugeht. Hier herrscht Ordnung, dort Chaos. Zerwühlte Betten sehen aus, als seien sie erst eben verlassen worden und noch warm.

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