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Dr. Hoch’s Konservatorium Dr. Hoch’s Talentschmiede

Das heute im Frankfurter Ostend angesiedelte Dr. Hoch’s Konservatorium spielt eine große Rolle in dem Buch „Frankfurt verboten“, das im Mittelpunkt des Lesefests „Frankfurt liest ein Buch“ steht.

12.04.2016 19:34
Sonja Stöhr
Das Konservatorium nach den Bombenangriffen von 1943. Foto: IFS/ Max Göllner

Clara Schumann war eine seiner bekanntesten Dozentinnen, Otto Klemperer und Margarete Dessoff zählten zu seinen Schülern. „Dr. Hoch’s Konservatorium“ galt bereits kurz nach seiner Gründung 1878 als eine Musikschule von Weltruf, was nicht zuletzt an Lehrern wie dem Komponisten Engelbert Humperdinck lag. Ihm und Clara Schumann sind heute die beiden Musiksäle in der Sonnemannstraße 16 im Ostend gewidmet, wo die Musikakademie seit 2005 ihren Sitz hat.

Stifter des Konservatoriums war der 1815 in Frankfurt geborene Rechtsanwalt Joseph Hoch, der Sohn des Schöffen, Senators und Älteren Bürgermeisters der Stadt Johann Hoch. Die angesehene Familie verarmte zunächst, doch dann legten Erbschaften den Grundstein für Hochs Reichtum. Da seine Ehe mit der Marburgerin Ottilie Freiin von Sodenstern kinderlos blieb, sollte sein Vermögen von rund 900 000 Goldmark in eine Stiftung – wie sie auch andere Frankfurter Familien gründeten – fließen. In seinem 1857 verfassten Testament legte er fest, dass das Geld der Stiftung der Förderung von „unvermögenden musikalischen Talenten“ zugute kommen solle. Einzige Voraussetzung: der Name „Dr. Hoch’s Konservatorium“ dürfe niemals geändert werden. Vier Jahre nach dem Tod des Musikliebhabers konnten die ersten Schüler ihre Ausbildung in „allen Zweigen der Tonkunst“ an der neugegründeten Akademie aufnehmen.

Zunächst residierte das Konservatorium zehn Jahre lang im Saalhof, ehe das Gebäude in der Eschersheimer Landstraße 4 bezogen wurde. Außerhalb Frankfurts wurde das Institutsgebäude am Eschenheimer Tor dadurch bekannt, dass ab den 1990er Jahren ein Aufriss den 100-DM-Schein zierte.

Das Haus spielt als Handlungsort in „Frankfurt verboten“ eine besondere Rolle. Während Schüler wie die Protagonistin Elise Hermann klassische Instrumente spielen lernten, gab es hier auch Anklänge an die Moderne. 1928 wurde unter der Leitung des ungarisch-britischen Komponisten Mátyás Seiber die erste akademische Jazz-Klasse ins Leben gerufen.

Mit der Gründung der Staatlichen Hochschule für Musik 1938 wurde das Konservatorium zur Vorschule degradiert, nachdem die Stiftung ein Jahr zuvor die Errichtung der Hochschule mit der Stadt Frankfurt vereinbart hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus während eines Luftangriffs zerstört, so dass Schüler und Dozenten ins Passavant-Gontard’sche Palais umziehen mussten, das kurze Zeit darauf ebenfalls zerstört wurde.

Nach dem Krieg wurden das ehemalige Volksbildungsheim von 1951 bis 1988 und das Philantropin von 1986 bis 2004 als Bildungsstätte genutzt. Heute lernen knapp 1000 Schüler und Studenten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene am Konservatorium im Ostend, wo sie, teilweise kostenlos, von 83 Dozenten in Gesang, Klavier, Violine und weiteren Instrumenten geschult werden – ganz im Sinn des Stifters.

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