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Nieder-Erlenbach im Fokus Ideal für junge Familien

Wer gerne ruhg lebt und frische Luft schätzt, ist in Nieder-Erlenbach sicherlich richtig. Auch regionale Produkte vor der Haustür und kurze Wege zeichnen den Frankfurter Stadtteil aus.

Idyllisches Nieder-Erlenbach: Fachwerkhäuser und das Lersner’sche Schloss im Hintergrund. Foto: Christoph Boeckheler

Auf den Äckern neben der Landstraße grasen Kühe. Bauern ernten Kohl. In den Hofläden kaufen die Menschen frisches Gemüse und Obst. Und der Busfahrer grüßt fast jeden Passanten. Wer mit dem Kleinbus der Linie 25 nach Nieder-Erlenbach fährt, merkt schnell, dass Frankfurt im nördlichsten Zipfel wenig Weltstädtisches hat. Dafür ganz viel Dörfliches.

Kleine Ein- bis Zweifamilienhäuser, umgebaute Gutshöfe, schmucke Fachwerkhäuser säumen den Erlenbacher Stadtweg, der zum alten Ortskern führt. Dort steht, in brauner Wind- und Wetterjacke und mit schwarzen Eintrachthandschuhen, Matthias Mehl vor dem Rathaus. Das Gebäude mit dem bogenförmigen Eingang ist für den Vorsteher des Ortsbeirats 13 charakteristisch für den dörflichen Stadtteil. Hier hängt die Steintafel, die über den Nieder-Erlenbacher Schuh, einer historischen Maßeinheit, informiert, hier stellte früher die Feuerwehr ihr Löschfahrzeug unter.

Mittlerweile sind die Brandschützer umgezogen. Erst an die Obermühle, dann an die Kurmarkstraße. Auf dem alten Gelände stehen jetzt moderne Wohnhäuser. Ebenso am Lersner’schen Schloss. „In den letzten 40 Jahren hat sich Nieder-Erlenbach von den Einwohnern fast verdoppelt“, stellt Mehl fest, der unweit des Schlosses aufgewachsen ist.

Mehl geht Richtung städtischer Kita. Vor allem junge Familien lassen sich im Stadtteil nieder, sagt er. Sie ziehen erst in Mehrfamilien, später in Reihenhäuser, die am Ortsrand entstehen. Von dem Zuzug profitieren vor allem die Vereine. So kann sich die Sängervereinigung, die in diesem Jahr 140. Bestehen feiert, vor Zulauf nicht retten. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Robert Brückmann vom Vorstand. Rund 130 Mitglieder singen im Frauen-, Männer- und im Kinderchor mit – darunter viele Neubürger.

Wie Karoline. Die Vierjährige zog vor einem Jahr mit ihren Eltern von Bad Vilbel ins Neubauviertel, das an der Kurmarkstraße gerade fertig wurde. Ihre Mutter Martina Steinmetz kennt Nieder-Erlenbach seit ihrer Kindheit. „Ich fühle mich hier zwar nicht als Frankfurterin“, sagt die 33-Jährige, die gerade ihre Tochter aus dem Kindergarten abholt. Wie alle Nieder-Erlenbacher hat sie die Vorwahl der Nachbarstadt Bad Vilbel. Aber immerhin sei ihr die Umgebung nicht fremd.

„Hier wird einem viel geboten“, findet sie. Eine intakte Vereinsstruktur, viel Anschluss zu Familien in der Nachbarschaft, zwei große Supermärkte in Laufnähe, und mit dem Auto sei sie schnell in Frankfurt oder Bad Homburg.

Schnell war auch der Betreuungsplatz für Karoline gefunden. Als Folge des enormen Zuwachses junger Familien wurden die bestehende Kita und die Grundschule um Container und Neubauten erweitert, öffneten allein auf der Straße Alt-Erlenbach in drei leerstehenden Läden Krabbelstuben und Kitas. „Unsere Betreuungsprobleme haben wir auf unabsehbare Zeit gelöst“, sagt Mehl und zeigt stolz auf die frisch eröffnete Kita Mühleninsel, die fünf Gruppen beherbergt.

Nieder-Erlenbach sei ideal für junge Familien, findet der Ortsvorsteher, der selbst zwei Kinder hat. Die Ruhe, die frische Luft, die regionalen Produkte vor der Haustür, die kurzen Wege zur Kita, in den alten Ortskern oder in die freien Felder ringsum – all das mache Nieder-Erlenbach aus und müsse deshalb geschützt werden, betont der CDU-Politiker.

Etwa vor einer „Trabantenstadt“, wie er die Pläne nennt, die OB Feldmann und seine SPD-Römer-Fraktion im April vorgetragen haben. Auf einer 240 Hektar großen Fläche zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach wollten sie bis zu 15 000 Frankfurter ansiedeln. „Das ist keine vernünftige Erweiterung“, schimpft Matthias Mehl, der sich wie viele Politiker, unter anderem die örtliche Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti (SPD), gegen das Vorhaben aussprach.

„Das Dörfliche verschwindet doch komplett hinter so einem isolierten Stadtkörper, den man uns hierher stellt“, sagt er und zeigt auf die Felder. Man müsse wissen, was man wolle. „Wenn die Luft flirren und Panik vor der Haustür herrschen muss, dann ist man hier verkehrt.“ Die Stadt sollte eher auf bestehenden Flächen, etwa durch Nachverdichtung wachsen, statt neue zu bebauen. Das würde er auch einem CDU-Oberbürgermeister sagen, käme dieser mit solchen Plänen, schließlich argumentiere er auch aus Sicht des Kreislandwirts, dem die Äcker am Herzen liegen.

„Wir wachsen ja auch so weiter“, sagt Mehl. Etwa am Westrand Nieder-Erlenbachs, wo künftig auf 4,8 Hektar Häuser gebaut werden dürfen. Oder am neuen Friedhof, wo weitere acht Hektar im Flächennutzungsplan ausgewiesen sind. Eben durch behutsame „Ortsrand-Arrondierung“ wie er den Bau kleinerer Wohnprojekte am Rande des Stadtteils bezeichnet. Das werde auch in 30 Jahren so sein. „Wenn man in der Region wachsen muss, dann nicht auf der letzten freien Ecke. Sonst gibt es die nicht mehr.“

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