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Frankfurter Innenstadt Dauerbaustelle City

Die Frankfurter Innenstadt ist geprägt von ihren vielseitigen Vierteln. Machen Sie mit uns einen Rundgang durch das Stadtzentrum Frankfurts.

Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter. Foto: Michael Schick

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Ein Mittag im April auf dem Römerberg: Auf den verstreuten Bänken sitzen Schülergruppen aus dem Ausland in der Sonne, aus den Restaurants trägt der Wind Küchendüfte durch die Luft, im Eiscafé gegenüber sitzen ein paar Gäste vor den Palmen der Terrasse, während die Domglocken läuten. Und mitten durch die Szenerie geht der ohrenbetäubende Lärm eines Bohrers, der sich vor dem Historischen Museum in den Boden frisst.

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Im vergangenen Jahr wurde der Anbau des Museums abgerissen, nun entsteht an der Stelle bis 2014 ein Neubau, der sich an das völlig überarbeitete Ensemble der fünf Altbauten anschließt. Auf der anderen Seite des Römerbergs, liegt die zweite Großbaustelle: In der klaffenden Lücke zwischen Steinernem Haus und Haus am Dom, wo einst das Technische Rathaus stand, soll in den kommenden Jahren ein Stück Altstadt wiederauferstehen. Mit den Baustellen leben müssen Anwohner und Gewerbetreibende. Letztere klagen über Umsatzeinbußen und hoffen, dass die Neubebauung die Altstadt wieder belebt.

Frankfurt tut sich schwer mit der Altstadt

Die Altstadt: Frankfurt tut sich seit Jahrzehnten schwer mit dem Thema. Seit dem zweiten Weltkrieg gibt es sie eigentlich nicht mehr, von den alten Fachwerkhäusern ist nur noch das Haus Wertheym übrig geblieben. Die sechs Fachwerkhäuser der „Ostzeile“ sind Rekonstruktionen und stammen aus den 1980er Jahren. Auch wenn nach jahrelangen Debatten endlich feststeht, dass auf dem Gelände des technischen Rathauses sieben weitere historische Gebäude rekonstruiert werden und entlang des Krönungswegs moderne Häuser entstehen sollen, ist noch nicht klar, was sich dort ansiedeln soll. Neben Geschäften könnten auch Museen oder die evangelische St. Paulsgemeinde das Gelände nutzen.


Der eigentliche Mittelpunkt der Stadt liegt nördlich von Römerberg und Paulsplatz: Es ist die Hauptwache, an der das Leben tobt, der Verkehrsknotenpunkt für den Schienennahverkehr, von dem aus die Einkaufsmeile Zeil zur Konstablerwache führt und die eigentliche Achse bildet, um die sich alles dreht. Seit die Hauptwache im Februar 2009 für Autos gesperrt worden ist, hat sie sich in eine Art Platz verwandelt. Mehrmals im Jahr stehen zwischen Kaufhof und Katharinenkirche Bühnen und Fressbuden wenn nicht gerade eine Demonstration stattfindet. Ansonsten halten hier nicht nur die Berufstrinker stets die Stellung, auch Normalbürger nutzen die Stufen zum Verweilen.

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Schon lange ist im Gespräch, die Hauptwache noch mehr nach einem Platz aussehen zu lassen. Die Abgänge zur B-Ebene der S- und U-Bahnstation, die einen großen Schlund bilden, sollten geschlossen werden. „Deckel auf die Hauptwache“, hieß das Projekt, ein Entwurf liegt seit dem Jahr 2000 vor, es war sogar die Rede davon, den ehemaligen Schillerplatz wiedererstehen zu lassen – samt dem Denkmal aus der Taunusanlage, einen Steinwurf von Dichterkollegen Goethe entfernt. Doch seit vergangenem August liegt das Projekt vorerst auf Eis. Die Stadt muss sparen. Dafür soll in diesem Jahr die B-Ebene der Konstablerwache umgebaut werden.

An der Zeil wurde nicht gespart

Ganz und gar nicht gespart wurde hingegen an der Zeil, die von 2008 bis 2010 erneuert worden ist. Neue Gehwegplatten, Laternen und Bänke, sowie weniger Bäume, mehr Fahrradständer und vier neue Pavillons für Gastronomie sollen die ansonsten architektonisch eher durchwachsene Einkaufsmeile aufwerten. Doch auch an den Rändern der Zeil hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Einige Geschäfte wie Kaufhof und Esprit haben ihre Fassaden modernisiert, das Bienenkorbhaus wurde erneuert, das ehemalige Hako-Haus wird derzeit umgebaut. Ebenso sieht die Zeilgalerie zumindest von außen ansprechender aus als zuvor.


Blickfänger ist seit Februar 2009 das neueste und größte Einkaufszentrum „MyZeil“, mit seiner organisch-trichterförmigen Glasfassade, die ihre Wirkung besonders entfaltet, wenn es dunkel ist. Ansonsten ist das Gebäude so umstritten wie sein Name, frequentiert wird es trotzdem stark. Im Erdgeschoss stehen die Jugendlichen bei „Hollister“ Schlange, eine riesige Rolltreppe führt zu „Saturn“, dem zweiten Publikumsmagneten. Doch noch immer stehen Ladenflächen leer, zu hoch sind wohl die Mieten – wie ohnehin auf dem Rest der Zeil.
Das Einkaufszentrum ist Teil des Großprojekts „Palais Quartier“, das lange unter dem Namen „Frankfurt Hoch Vier“ firmierte. Dazu gehören ein Hotel- und ein Bürogebäude sowie eine Rekonstruktion des ehemaligen Thurn-und-Taxis-Palais, in dem früher noch der Deutsche Bundestag seinen Sitz hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gelände um den Kaufhof herum für Post, Telekom und für die Frankfurter Rundschau, bis es an einen niederländischen Investor verkauft wurde. Abriss- und Bauarbeiten verzögerten sich, mehrmals wurde der Eröffnungstermin verschoben. Nachdem das „MyZeil“ eröffnet war, dauerte es noch über zwei Jahre, bis auch die anderen drei Gebäude fertig wurden.

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Noch schwieriger als beim Einkaufszentrum gestaltet sich die Vermietung der übrigen Flächen des Komplexes. Erst im vergangenen September eröffnete die Luxushotelkette „Jumeirah“ ihre Filiale. Der Eingang zwischen Kaufhof-Rückseite und Palais mutet allerdings alles andere als prächtig an, gleicht eher einem Hinterhof. Noch zäher gehen die Büros im „Nextower“ weg, der immer noch zum Großteil leer steht. Eine größere Tristesse herrscht neben dem Thurn-und-Taxis-Platz auf dem ehemaligen Gelände des Rundschau-Hauses. Jahrelang versperrt ein Bretterzaun die Sicht auf eine Dauerbrache.

"Betonwüste" Goetheplatz

Als ebenso wenig einladend empfinden viele auch den Goetheplatz, dessen Umgestaltung im Jahr 2009 beendet worden ist. Dort stehen zwar ein paar Bäumchen, die in Reih und Glied das restaurierte Denkmal des Größten Frankfurter Sohns flankieren, der Platz wird trotzdem als „Betonwüste“ empfunden. Zusammen mit dem sich anschließenden Rossmarkt und dem Rathenauplatz bildet er eine unförmige Fläche, der nur dann Aufenthaltsqualität zukommt, wenn es mehrmals im Jahr mit Großereignissen bespielt wird – vom Public Viewing bis hin zum Grüne-Soße-Festival.

Doch die Innenstadt hat noch mehr zu bieten: Eine hohe Dichte an Museen, Kinos und Theatern, eine Reihe neuer Clubs, auch ein Teil des Bankenviertels liegt hier – und natürlich wohnen zwischen all dem auch ein paar Menschen; künftig sollen es mehr werden. Auf der dritten großen Baustelle, dem ehemaligen Degussa-Areal, entstehen von den 108.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche 21.000 Quadratmeter für Wohnungen. Der Rest ist für Gastronomie, Läden – und Büros. Noch mehr Büros wird es im Taunusturm geben, der derzeit in der gleichnamigen Anlage gebaut wird. Daneben soll ein zweiter Turm zum Wohnen sein.
Damit auch gutbetuchte Gäste aus Nah- und Fernost sich beim Übernachten in Frankfurt wohlfühlen, soll an der Alten Oper nun ein Luxushotel entstehen: Das 110 Millionen Euro teure „Sofitel Frankfurt Opera“. Dafür mussten 23 Bäume der Liesel-Christ-Anlage fallen. Ein Stück weniger Grün in den Wallanlagen, der einstigen Frankfurter Stadtgrenze, die heute die Innenstadt markiert. Früher lebten dort die Junkies, heute sind es die Occupy-Camper – und die Kaninchen.

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