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Frankfurt - Niederrad „Man wird zu einer Anlaufstelle“

Die „Eintracht gegen Fluglärm“ und die „Bürgerinitiative Niederrad“ sind Instanzen in Niederrad. Sie kämpfen gemeinsam gegen den Fluglärm, der die Bewohner des Frankfurter Stadtteils plagt. Wenn sie rufen, dann kommen die Niederräder.

Jürgen Lamprecht, Helmut Mader und Jochen Krauß (von links) kämpfen – auch für ihre Mitbürger – gegen den Fluglärm. Foto: Monika Müller

Die „Eintracht gegen Fluglärm“ und die „Bürgerinitiative Niederrad“ sind Instanzen in Niederrad. Sie kämpfen gemeinsam gegen den Fluglärm, der die Bewohner des Frankfurter Stadtteils plagt. Wenn sie rufen, dann kommen die Niederräder.

Wie arbeiten die beiden Initiativen zusammen?

Mader: Im Grunde haben sich die beiden Bewegungen miteinander verheiratet. Wir sind alle gleichermaßen als Menschen betroffen, unsere Familien leiden darunter, dass man nicht auf der Terrasse sitzen kann; wir leiden darunter, dass die Kinder unausgeschlafen in die Schule gehen. Das hat sich so verschmolzen, weil wir einfach gemeinsame Ziele verfolgen.
Lamprecht: Als am Anfang die Eintracht gegen Fluglärm aufgetreten ist, war von unserer Seite natürlich Skepsis da. Aber schnell wurde klar, dass diese BI genauso berechtigt ist. Wir ziehen wirklich alle an einem Strang. Und der Versuch, auch von politischer Seite, zu sagen „Das sind die Neubetroffenen und das die alten Kämpfer“ funktioniert hier in Niederrad nicht. Wir habe das gleiche Ziel und das funktioniert gut.

Die Forderungen beider Initiativen sind also exakt die gleichen?

Lamprecht: Absolut.

Krauß: Wir könnten auch fusionieren, aber bis das geschehen ist, würden wir uns erst einmal nur mit uns selbst beschäftigen. So wie es jetzt läuft, hat es sich einfach bewährt. Wir haben am Wäldchestag über all vier Tage einen Stand gehabt und den rund um die Uhr im wechselnden Schichtdienst besetzt.

Wie viele Aktive haben die beiden BIs, kann man das messen?

Mader: Da wir nicht konstituiert sind, kann man das nur über die Mailinglisten prüfen, in die sich die Bürger eintragen. Das sind bei uns zwischen 400 und 500 Leute.
Lamprecht: Das ist bei uns auch so, da gibt es sicher auch Überschneidungen, da können wir jetzt auch keine 800 draus machen, es dürften so 600 sein.
Inwieweit sind die BIs im Stadtteil angekommen?

Krauß: Wir sind eine feste Institution. Wenn wir eine gemeinsame Veranstaltung machen, dann kommen 400 bis 500 Leute. Die Bürger wissen einfach: Die BIs kümmern sich drum, sie können da mit ihren Sorgen hinkommen. Die beiden BIs sind anerkannt und das, obwohl Niederrad ein Stadtteil ist, in dem ganz viele Leute am Flughafen arbeiten. Wir werden aber von den Leuten, die am Flughafen arbeiten, nicht angefeindet, sondern im Gegenteil, das Feedback ist eher: „Unsere Sorgen sind bei euch aufgehoben, ihr kümmert euch und bearbeitet das Thema.“

Bekommen Sie von außen den Vorwurf gemacht, den Standort des Frankfurter Flughafens zerstören zu wollen?

Mader: Wir haben nichts gegen die Leute, die am Flughafen arbeiten. Wir wollen auch, dass sie ihre Arbeitsplätze behalten. Wir haben aber etwas dagegen, dass von Seiten der Fraport und der Politik die Mär verbreitet wird, dass durch die neue Landebahn Hunderttausende Arbeitsplätze dazukämen. Von den ganz großen Zahlen ist man nach dem Baubeginn abgerückt. Bei der Eröffnung hat man der Kanzlerin erzählt, es gäbe 25 000 weitere Arbeitsplätze, aber inzwischen spricht man von 5000 bis 10 000, in Wahrheit sind 2012 nur 76 dazugekommen. Der Rest sind Betriebsverlegungen. Das Arbeitsplatzthema ist reine politische Propaganda.

Inwieweit sind die Bürgerinitiativen eine Instanz für Bürger außerhalb des Protests geworden?

Krauß: Man beschäftigt sich mit dem Thema, mit den technischen Details, man merkt auch, dass bei Behörden und Institutionen erstaunlicher Dilettantismus herrscht. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr wird man auch zum Experten und für die Betroffenen auch Anlaufstelle.

Ersetzen Sie damit eine städtische Anlaufstelle?

Mader: Ja, wobei das bei uns aber bisweilen auch zur Verzagtheit führt, weil wir die endgültige Hilfe ja nicht anbieten können. Wir sind da reingeschlittert, ich habe das Engagement nicht gesucht. Aber es gibt einfach Situationen, da kann man nicht schweigen. Und wenn man nicht schweigt, dann steht man schon vorne.

Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der Bürgerinitiative ein, etwas zu verändern?

Krauß: Unser Verdienst ist es, dass das Thema „Fluglärm“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, es ist kein Randthema. Lärm ist Umweltbelastung Nummer 1. Und wir werden keine Ruhe geben, solange es keine Ruhe gibt, das zeigen die anhaltenden Montagsdemos am Flughafen.

Lamprecht: Es ist wichtig, dass der Druck weiter aufrecht erhalten wird. Wir haben was erreicht; wir schreiben auf unsere Fahnen, dass der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann heißt.

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