Lade Inhalte...

Frankfurt-Gutleutviertel Kultur von unten

Das Milchsackgelände im Gutleutviertel hat sich zu einem Aushängeschild des Frankfurter Stadtteils entwickelt. Einer der ersten Milchsackmieter ist Clubmacher Klaus Bossert mit seinem Tanzhaus.

Clubmacher Klaus Bossert auf dem Milchsackgelände. Foto: Christoph Boeckheler

Klaus Bossert wohnt im Nordend. Seine Arbeitsstätte hingegen liegt im Gutleut und darum ist er froh. „Hier gibt es nicht diesen Anspruch auf eine heile Wohngegend“, sagt Bossert und lacht verschmitzt. Auf seinem T-Shirt steht: „The only good system is a soundsystem!“

Bossert ist „hier der zweite Mann am Platz“. So formuliert er es. „Hier“ meint das Tanzhaus West. Seit gut zehn Jahren ist der studierte Soziologe die rechte Hand vom Inhaber Matthias Morgenstern. Dieser hatte, es muss so ungefähr im Jahr 1997 gewesen sein, so genau weiß Bossert das nicht mehr, die Idee, mit dem Tanzhaus-Vorgänger „Space Place“ an einen dauerhaften Standort zu ziehen.

Zuvor war das subkulturelle Partyprojekt irrlichternd durch die Stadt gezogen. Irgendwann fragte Morgenstern den Besitzer des Milchsackgeländes, ob er nicht dort mit seiner Tanzstätte Quartier beziehen könne. Peter Peters, der Enkel von Carl Milchsack, der hier 1929 seine Fabrik für Druckfarben gegründet hatte, konnte am Anfang zwar nicht allzu viel mit Morgensterns Vorschlag anfangen, erzählt Bossert. Er ließ sich aber überzeugen, die Fabrik lief da schon längst nicht mehr richtig gut. 1999 wurde sie endgültig abgewickelt, und Morgenstern erhielt einen Mietvertrag. Heute rühmt sich Peters in einem Imagefilm vom städtischen Presse- und Informationsamt für sein „weltweit einmaliges Gelände“, auf dem es Platz gebe für „Kultur von unten, die kein Geld kostet“. Bossert sagt: „Man hat sich arrangiert.“ Wegziehen mit dem Club will er aber auf gar keinen Fall, vielmehr überlegt der 36-Jährige, ob er nicht auch seinen Wohnort in den Frankfurter Westen verlegen soll. „Das Gutleut ist ein sehr zerklüftetes Viertel. Ich mag diesen rauen Charme.“

Natürlich käme es auf dem Areal immer mal wieder zu Konflikten. Zumal immer mehr Leute zu den Partys im Gutleut kommen, seitdem das Cocoon, das Monza und das U-60311 schließen mussten. So müsse man aus Platzgründen heute mehr Leute an der Tür abweisen. „Wenn man Partys macht, lässt es sich nun einmal nicht verhindern, dass irgendwer mitten in der Nacht zum Spaß bei den Nachbarn klingelt.“ Bei den meisten macht das nichts, aber im Vorderhaus des Geländes befinden sich Mietswohnungen.

Die übrigen Milchsackmieter, das Theater Landungsbrücken, Künstlerateliers, eine Bildhauerwerkstatt, eine soziale Jugendwerkstatt und ein Kfz-Betrieb, stören sich nicht an dem Feiervolk. Thomas Piasecki führt die Autowerkstatt und erklärt, dass er gut mit seinen bunten Nachbarn lebe. Bossert findet die Mischung „faszinös“ und denkt, dass so etwas im Nordend nicht möglich wäre.

Mehr Infos im Internet unter www.tanzhaus-west.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen