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DFB-Akademie Wir suchen keine Konfrontation

Carl-Philip zu Solms-Wildenfels, Schatzmeister des Rennclubs, will die Rennbahn in Niederrad nicht aufgeben. Im FR-Interview spricht er über die Taktik des Rennklubs vor Gericht.

Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels
Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels kämpft für die Rennbahn. Foto: peter-juelich.com

Herr zu Solms-Wildenfels, die Stadtverordneten haben beschlossen, dass das Gelände der Rennbahn künftig anders genutzt werden soll, ein Bürgerentscheid dagegen ist gescheitert. Dennoch räumen Sie die Rennbahn nicht, sondern führen Prozesse. Ignorieren Sie demokratische Entscheidungen, wie Ihnen die Stadtregierung vorwirft?
Nein. Was den Beschluss der Stadtverordneten angeht, halte ich es mit Bertold Brecht: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Und den Bürgerentscheid haben nicht wir als Vorstand des Rennklubs organisiert. Das war eine Bürgerinitiative. Klar haben wir die unterstützt. Aber wir haben nie gesagt, das Ergebnis sei für uns bindend. Das könnten wir gar nicht, denn es gibt das einstimmige Votum der Rennklub-Mitglieder, dass der Vorstand alles tut, um das Gelände zu retten. Daran sind wir gebunden, deshalb müssen wir prozessieren.

Aber Sie akzeptieren schon, dass das Gelände der Stadt gehört und sie ein Recht darauf hat, es in ihrem Sinne zu nutzen?
Ja. Aber dann darf die Stadt nicht solche Verträge abschließen. Vor sieben Jahren hat die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth gesagt, es müsse alles getan werden, um die Rennbahn zu sichern. Dieser Anspruch liegt den Verträgen zugrunde. Und das Konzept ging auf, der Rennklub steht finanziell gut da.

Die Stadt hofft darauf, dass die Auseinandersetzung mit Ihnen bei der Verhandlung am 5. Mai ein Ende findet und das Gelände danach geräumt werden kann.
Das ist wahrscheinlich illusorisch. Das Oberlandesgericht wird am 5. Mai vermutlich noch kein Urteil fällen, sondern mit der Beweisaufnahme beginnen. Darauf lässt zumindest der Anfang Februar erlassene Beschluss deuten. Vor dem Landgericht gab es leider keine Beweisaufnahme, deshalb haben wir dort verloren. Nun wird es uns gelingen, den Gesamtzusammenhang der Verträge richtig darzustellen. Es ging immer darum, den Rennbetrieb zu sichern. Davon werden wir die Richter überzeugen.

Und wenn Sie verlieren?
Das kann sein, glaube ich aber nicht. Aber wir planen schon die nächsten Schritte. Etwa das Normenkontrollverfahren gegen den Bebauungsplan. Die DFB-Akademie wird zu einer erheblichen Verkehrsbelastung in der Nachbarschaft führen. Das wurde überhaupt nicht beachtet.

Mal strengen Sie ein neues Verfahren an, mal stellen Sie Befangenheitsanträge – spielen Sie auf Zeit, in der Hoffnung, dass der DFB demnächst aus dem Projekt aussteigt?
Der Vorwurf ist an den Haaren herbeigezogen. Wir leiden doch selbst unter der Ungewissheit. Im Übrigen wollen wir, dass der DFB seine Akademie in Frankfurt baut. Von mir aus auch auf der Rennbahn. Aber dann müssen wir das Gelände gemeinsam nutzen. Das ist möglich.

Selbst wenn – Stadt und DFB wollen eine solche Lösung nicht.
Das letzte Wort haben aber die Gerichte. Nur wenn die letztinstanzlich sagen, dass wir räumen müssen, gehen wir. Aber wir suchen nicht die Konfrontation. Der Beschluss des Oberlandesgerichts, den Räumungstitel aufzuheben, gibt allen Beteiligten die Chance, miteinander zu sprechen. Wir wollen die Koexistenz von DFB und Pferdesport. Natürlich gibt es Skepsis uns gegenüber. Das verstehe ich. Das hat viel mit der Geschichte des Rennklubs in den vergangenen Jahren zu tun. Diese Skepsis könnten wir aber ausräumen. Nur dazu müsste die Stadt mit uns reden. Dazu ist sie leider nicht bereit.

 

Interview: Georg Leppert

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