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Rassismus-Vorwurf Kontrolleure sind verschwunden

Die Kontrolleure, die mit Derege Wevelsiep in der Frankfurter U-Bahn-Station Bornheim-Mitte aneinander geraten sind, widersprechen den Aussagen des Frankfurters. Nachdem sie der VGF ein Protokoll der Ereignisse hinterlassen haben, sind sie spurlos verschwunden.

08.11.2012 14:08
Von Claus-Jürgen Göpfert, Felix Helbig
Die VGF hat mit einem anderen privaten Unternehmen einen Kontrakt für die Fahrscheinkontrolle geschlossen. (Symbolbild) Foto: dpa

Sie sind verschwunden. „Wir wissen nicht, wo die sind“, sagt Bernd Conrads, der Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Er meint die vier Kontrolleure, mit denen Derege Wevelsiep am 17. Oktober in der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte aneinandergeriet. Sie stammten vom privaten Sicherheitsunternehmen Dussmann in Berlin, so Conrads. Der Vertrag der VGF mit Dussmann sei am 31. Oktober ausgelaufen. Warum die VGF nicht über Kontaktadressen und Telefonnummern der vier verfügt, erklärt der Sprecher so: „Wir machen das über Dussmann“.

Immerhin hat das Quartett der VGF ein Protokoll der Geschehnisse am 17. Oktober hinterlassen. Während der äthiopisch-stämmige Wevelsiep den Vorwurf erhebt, dass seine Verlobte von den Kontrolleuren rassistisch beleidigt worden sei, erzählen die vier eine ganz andere Geschichte.

Danach sei die Verlobte in der U-Bahn „ohne gültigen Fahrausweis“ angetroffen worden, „in Begleitung“ von vier Männern. „Einer der vier hat dann noch versucht, der Frau einen Fahrschein zuzustecken“, so Conrads. Als die Kontrolleurin einen Personalausweis verlangt habe, sei dieser nicht gezeigt worden. „Vielmehr gibt die Kontrolleurin an, dass sie von der Frau als Nazi beschimpft worden sei“, berichtet der VGF-Sprecher. Die Dussmann-Angestellte behalte sich jetzt vor, „selbst Strafanzeige wegen rassistischer Beleidigung zu stellen“.

Laut Protokoll baten die vier VGF-Kontrolleure um 22.34 Uhr die Polizei um Amtshilfe. Aus Sicht der Verkehrsgesellschaft ein normaler Vorgang. Mittlerweile hat die VGF einen neuen Kontrakt mit einem anderen privaten Unternehmen für die Fahrscheinkontrolle geschlossen. Den Zuschlag nach einer öffentlichen Ausschreibung erhielt der Frankfurter Konzern Wisag. „Der Vertrag mit Dussmann lief am 31. Oktober aus, mit den Vorgängen am 17. Oktober hat das nichts zu tun“, so Conrads. Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagt am Mittwochnachmittag eine umfassende Aufklärung der Vorfälle zu, soweit sie die VGF betreffen. Es sei immer wieder vorgekommen, dass die privaten Sicherheitsunternehmen „nicht den Service erbracht haben, den die Verkehrsgesellschaft Frankfurt sich erwünscht hat“.

In solchen Fällen habe die VGF auch schon Verträge mit Firmen gekündigt. „Es handelt sich oft um gering qualifizierte Mitarbeiter, die auch schlecht bezahlt werden und einem hohen Stresspotenzial ausgesetzt sind“, erklärte der Stadtrat. Wie die Kontrolleure geschult und auf ihren Job vorbereitet werden, konnte Majer noch nicht sagen: Das gehört zu den Fragen, die er klären möchte.

Ein Sprecher von Dussmann sagte, es habe auf Wunsch der VGF ein „Schulungs- und Deeskalationsprogramm“ mit den Mitarbeitern gegeben. Michael zu Löwenstein, Fraktionschef der CDU im Römer, sieht Staatsanwaltschaft wie VGF jetzt bei der Aufklärung der Vorfälle gefordert. „Wenn die Vorwürfe zuträfen, wäre das völlig unakzeptabel.“

Wevelsiep und seine Verlobte stellen den Vorfall so dar, dass sie zunächst beide in der U-Bahn kontrolliert worden waren, woraufhin er seine Monatskarte vorzeigte, auf der sie kostenlos mitfahren durfte. Kurz darauf sei er ausgestiegen und sie erneut kontrolliert worden. Dabei habe sie zunächst versehentlich eine alte Fahrkarte aus dem Portemonnaie gezogen, dann aber erneut die übertragbare Monatskarte vorgezeigt, die er ihr beim Aussteigen überlassen hatte. Die Kontrolleure hätten sie daraufhin der „Schwarzfahrt“ beschuldigt, sie habe mit anderen dunkelhäutigen Fahrgästen, die sich ebenfalls in der Bahn befanden, die Karten herumgetauscht. Wevelsiep und seine Verlobte weisen diesen Vorwurf zurück.

Nach dem erzwungenen Aussteigen in der Station Bornheim- Mitte sei sie dann von einer Kontrolleurin, inzwischen wieder im Beisein Wevelsieps, als Betrügerin bezeichnet worden, anschließend habe die Kontrolleurin gesagt: „Ihr seid hier nicht in Afrika.“ Wevelsiep gibt an, darauf mit dem Hinweis „Wir haben nicht mehr 1942“ reagiert zu haben.

Die Kontrolleurin haben daraufhin gefragt: „Bin ich Nazi?“, woraufhin Wevelsiep entgegnet habe, dass wisse er nicht, „das müssen sie selbst wissen“. Als Nazi habe er weder die Kontrolleurin noch die anschließend hinzugerufenen Polizisten beleidigt.

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