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Rassismus Fall Wevelsiep wird neu aufgerollt

Der Fall sorgte für viel Aufsehen: Ein Oberkommissar wurde im vergangenen Jahr verurteilt, weil er einen deutsch-äthiopischen Ingenieur mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll. Jetzt wird der Fall Wevelsiep neu aufgerollt.

Der Fall Derege Wevelsiep wird im Dezember neu aufgerollt.

Ab dem 4. Dezember wird vor dem Frankfurter Landgericht der Fall Wevelsiep neu aufgerollt. Wie ein Sprecher des Gerichts der Frankfurter Rundschau bestätigte, hat die zehnte Strafkammer in dem Prozess zunächst drei Sitzungstermine anberaumt.

Das Verfahren, in dem es auch eine erneute Beweisaufnahme geben wird, ist nötig, weil der Angeklagte Matthew S. Ende vergangenen Jahres Berufung gegen das Urteil der ersten Instanz eingelegt hat. Der heute 34-jährige Polizist war im vergangenen November vor dem Frankfurter Amtsgericht wegen Körperverletzung im Amt und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen und insgesamt 8400 Euro verurteilt worden.

Der vorsitzende Richter hatte es damals als erwiesen angesehen, dass der Oberkommissar S. den deutsch-äthiopischen Ingenieur Derege Wevelsiep am 17. Oktober 2012 im Anschluss an eine eskalierte Fahrkartenkontrolle an der U-Bahn-Station Bornheim Mitte mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm eine Platzwunde an der Stirn zugefügt habe.

In seiner Urteilsbegründung hatte der Richter betont, dass er weder Matthew S. noch Wevelsiep ihre Schilderungen des fraglichen Abends vollständig abnehme. Er sei aber davon überzeugt, dass S. Wevelsiep geschlagen habe – dies passe am besten zu dessen ärztlich attestierten Verletzungen. Der Angeklagte und drei seiner Kollegen, die als Zeugen vor Gericht ausgesagt hatten, hatten dagegen jede Gewalt gegen Wevelsiep geleugnet.

S. selbst hatte vor Gericht angegeben, der Deutsch-Äthiopier sei vermutlich mit dem Kopf gegen einen Streifenwagen gestoßen und habe sich dabei verletzt. Die Aussagen der übrigen Polizisten hatten sich zum Teil erheblich widersprochen.

Zu der Eskalation, über die zuerst die FR berichtet hatte und die eine bundesweite Debatte über Rassismus bei der Polizei ausgelöst hatte, war es gekommen, weil Wevelsiep seiner Verlobten seine übertragbare Monatskarte überlassen hatte. Fahrkartenkontrolleure hatten das Ticket bemängelt, seine Verlobte hatte Wevelsiep angerufen, zwischen den Kontrolleuren und dem Ingenieur war es zum Streit gekommen. Eine der Kontrolleurinnen hatte dabei zu Wevelsiep und seiner Verlobten gesagt: „Ihr seid hier nicht in Afrika.“

Die alarmierte Polizei hatte Wevelsiep schließlich mitgenommen, weil dieser keinen Ausweis bei sich hatte. Dabei soll es auch zu den Schlägen gekommen sein. Der gesamte Ablauf wird nun erneut vor Gericht verhandelt.

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