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Rassismus bei der Polizei Aussage steht gegen Aussage

Die Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe, in der U-Bahn einen Schwarzen bei einer Ausweiskontrolle bewusstlos geschlagen zu haben. Der Vorfall hat heftige Reaktionen im Internet ausgelöst. Nutzer haben sich für Donnerstag, 20 Uhr, zu einem „Mahnlauf“ verabredet.

07.11.2012 17:53
Von Felix Helbig, Volker Schmidt, Claus-Jürgen Göpfert
Derege Wevelsiep am Tatort. Foto: Christoph Boeckheler

Die Prügel-Vorwürfe gegen vier Frankfurter Polizisten haben teils heftige Reaktionen ausgelöst. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte, ermittelt sie gegen die Beamten des 6. Polizeireviers, die den 41 Jahre alten Derege Wevelsiep am 17. Oktober bei einer Ausweiskontrolle an der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte bewusstlos geschlagen haben sollen. Allerdings sei auch ein Verfahren gegen Wevelsiep eingeleitet worden. Die Beamten beschuldigten ihn der Beleidigung. Er habe sie als „Nazis“ beschimpft.

Wevelsiep hatte den Polizisten in einem Bericht der Frankfurter Rundschau vorgeworfen, ihn und seine Verlobte nach einer Fahrkartenkontrolle in der U-Bahn verprügelt zu haben. Dabei sei zunächst seine Verlobte, obwohl sie einen gültigen Fahrausweis habe vorzeigen können, von Kontrolleuren festgehalten und rassistisch beleidigt worden. Die hinzugerufenen Polizisten hätten anschließend seinen Personalausweis sehen wollen, den er nicht dabei hatte. Daraufhin sei er auf dem Weg zu seiner Wohnung, wo der Ausweis lag, auf offener Straße geschlagen worden. Wevelsiep hatte anschließend drei Tage lang im Krankenhaus gelegen, der ärztliche Befund, der der FR vorliegt, bestätigt eine schwere Gehirnerschütterung und Prellungen am ganzen Körper.

Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) erklärte am Mittwoch, dass die vier Kontrolleure der Verkehrsgesellschaft eine ganz andere Darstellung der Geschehnisse gegeben hätten. Demzufolge wurde die Verlobte Wevelsieps ohne gültigen Fahrausweis in der U-Bahn angetroffen. Sie habe auch keinen Personalausweis bei sich gehabt. Die Frau habe ihrerseits eine Kontrolleurin als „Nazi“ beschimpft.

„Die Mitarbeiterin behält sich vor, Strafanzeige wegen rassistischer Beleidigung zu stellen“, sagte VGF-Sprecher Bernd Conrads. Die Beschäftigten des privaten Berliner Sicherheitsdienstes Dussmann, der im Auftrag der VGF arbeitete, hätten daraufhin routinemäßig die Polizei zu Hilfe gerufen.

Die Polizei bestätigte gegenüber der FR interne Ermittlungen zu den Vorwürfen. Die Beamten stellten den Vorgang allerdings anders dar, erklärte eine Polizeisprecherin. Aufgrund der laufenden Ermittlungen wolle man sich zu dem Fall nicht weiter äußern.

Innenminister Boris Rhein (CDU) soll nach dem Willen von SPD und Grünen am Donnerstag im Innenausschuss des Landtages Auskunft zu den Geschehnissen geben. Auf FR-Anfrage sagte er am Mittwoch, er könne die Situation „nicht beurteilen. Im Augenblick gibt es den Vorwurf. Das ist jetzt Sache der Staatsanwaltschaft. Das müssen wir abwarten“.

Grüne und SPD im Landtag fordern, für Vorwürfe gegen Polizeibeamte eine unabhängige Beschwerdestelle einzurichten. Die Vorwürfe müssten zügig aufgeklärt werden. Wenn sie zuträfen, müssten die Beamten „mit aller Härte bestraft werden“, sagte der Grünen-Innenpolitiker Jürgen Frömmrich.

Auch die SPD im Römer forderte, dass die Geschehnisse rückhaltlos aufgeklärt werden, so SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling. „Wir werden nicht einfach hinnehmen, dass so etwas in der Frankfurter U-Bahn geschehen kann“, sagte Oesterling. Die Grünen bringen den Vorfall am 15. November im Parlament zur Sprache. „Es muss schnell und umfassend aufgeklärt werden“, sagte Fraktionschef Manuel Stock.

Heftige Reaktionen löste der Vorwurf im Internet aus. Auf der Internetseite der FR berichteten zahlreiche Leser von ähnlichen Erfahrungen. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde der Artikel binnen 48 Stunden mehr als 20.000-mal geteilt. Für Donnerstagabend haben sich Nutzer für 20 Uhr zu einem „Mahnlauf“ an der U-Bahn-Station Bornheim-Mitte verabredet.

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