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Polizeigewalt Rassismus Gerichtsprozesse nicht in Sicht

Im Fall des Frankfurters Derege Wevelsiep wurde ein Polizist angeklagt. In zwei weiteren Fällen um Gewaltausübung hessischer Polizisten in Wiesbaden und Offenbach ist nicht absehbar, ob und wann es zu einem Gerichtsverfahren kommen wird.

Derek Overton wirft der Polizei vor, ihn aus rassistischen Gründen zusammengeschlagen zu haben. Foto: Michael Schick

In zwei aufsehenerregenden Fällen, in denen hessischen Polizisten in der letzten Zeit öffentlich ungerechtfertigte Gewalt vorgeworfen wurde, ist nach wie vor nicht absehbar, ob und wann es zu einem Gerichtsverfahren kommen wird.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenbach der Frankfurter Rundschau sagte, dauern die Ermittlungen im Fall einer aus dem Ruder gelaufenen Polizeikontrolle weiter an. In der Nacht zum 17. Juli vergangenen Jahres hatten Polizeibeamte, die auf der Suche nach Einbrechern waren, in der Offenbacher Eberhard-von-Rochow-Straße eine Gruppe junger Männer mit türkischem und marokkanischem Migrationshintergrund angehalten. Im Laufe der Personalienkontrolle war es zu Rangeleien gekommen, mehrere junge Männer waren dabei durch Schläge und Pfefferspray verletzt worden. Ein 20-Jähriger erlitt eine Platzwunde am Kopf und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Wechsel bei der Behörde

Von wem damals die Gewalt ausging, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die jungen Männer hatten ausgesagt, die Aggression sei von den Beamten ausgegangen. Die Polizei hatte dagegen angegeben, die Gruppe habe sich aktiv und auch körperlich der Kontrolle widersetzt. Seitdem wird sowohl gegen die jungen Männer als auch gegen die Beamten ermittelt. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, gebe es unter anderem deshalb eine Verzögerung im Verfahren, weil der Fall mittlerweile von einer anderen Abteilung bearbeitet werde. Wann eine eventuelle Anklage erhoben werde, sei noch nicht abzusehen.

Auch im Fall des US-Amerikaners Derek Overton dauern die Ermittlungen fast zwei Jahre nach den fraglichen Vorfällen weiter an: Am 31. Mai 2012 wurde der heute 55-jährige Overton im 1. Wiesbadener Polizeirevier von Polizisten mit Schlägen, Tritten und Pfefferspray traktiert. Overton gibt an, die Beamten seien grundlos auf ihn losgegangen, sie hätten ihn außerdem bereits zuvor aus rassistischen Gründen ignoriert, als er in einem Supermarkt mit den dortigen Angestellten in Streit geraten war. Die Beamten dagegen haben ausgesagt, Overton habe das Revier trotz mehrfacher Aufforderung nicht verlassen und dann angefangen zu randalieren. Schon zuvor habe er zwei Polizisten als „scheiß Deutsche“ beschimpft.

Fast zwei Jahre Ermittlungen

Der kräftige Overton habe letztlich nur mit vereinten Kräften mehrerer Beamter gebändigt werden können, so die Polizisten. Eine Augenzeugin der Prügelei stützt eher Overtons Version – sie hat ausgesagt, Overton sei zuvor weder ausfällig noch sichtbar aggressiv gewesen.

Ein Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft sagte der FR, die Ermittlungen in dem Fall seien immer noch nicht abgeschlossen – in einigen Wochen könnte es allerdings so weit sein.

Die Ermittlungen in einem weiteren Frankfurter Fall sind dagegen schon lange eingestellt: Mounir Ackermann hatte behauptet, im Anschluss an eine Verkehrskontrolle von Frankfurter Polizisten verprügelt worden zu sein. Da es allerdings keine Augenzeugen gab, die diese Aussage hätten bestätigen können, hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Mai vergangenen Jahres beschlossen, das Verfahren zu den Akten zu legen.

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