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Fall Wevelsiep Rassismus Wevelsieps Verlobte widerspricht Dezernat

Derege Wevelsieps Verlobte widerspricht dem Verkehrsdezernat: sie habe bei der Kontrolle eine gültige Fahrkarte vorgelegt. Sie fordert eine Richtigstellung und Entschuldigung - und behält sich "angemessene juristische Schritte" gegen Stadtrat Stefan Majer vor.

27.11.2012 16:33
Felix Helbig
Derege Wevelsiep am Tatort. Foto: Christoph Boeckheler

Die Vorwürfe im Fall des während einer Polizeikontrolle verletzten Deutsch-Äthiopiers Derege Wevelsiep weiten sich aus. In einem Brief an das Verkehrsdezernat widerspricht Wevelsieps Verlobte Misale Solomon der Darstellung von Stadtrat Stefan Majer (Grüne), sie sei in der U-Bahn mit einer ungültigen Fahrkarte erwischt worden. Das sei eine „falsche Anschuldigung“. Tatsächlich habe sie den Kontrolleuren zunächst eine abgelaufene Karte gezeigt, ihren Irrtum aber bemerkt und einen gültigen Fahrausweis vorgelegt. Im Dezernat hieß es, man könne diese Behauptung „nicht nachvollziehen“.

Die Kontrolle in der U4 war am 17. Oktober einem Polizeieinsatz in der Station Bornheim-Mitte vorausgegangen, an dessen Ende Derege Wevelsiep drei Tage im Krankenhaus lag. Wevelsiep gibt an, von Polizisten bewusstlos geschlagen worden zu sein, weil er sich zur Feststellung seiner Identität auf dem Weg zu seiner Wohnung nicht hatte fesseln lassen wollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Die Frankfurter Polizei hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Wevelsieps Verlobte schildert den Vorfall wie auch schon Wevelsiep selbst in seinem ersten Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Demnach hatten die Kontrolleure sie trotz gültiger Fahrkarte aufgefordert, die U-Bahn zu verlassen. In der Station sei die rassistische Beleidigung „Ihr seid hier nicht in Afrika“ gefallen, ehe die Polizei hinzukam. Die Kontrolleure bestreiten das. Sie haben ihrerseits Anzeige wegen Beleidigung erstattet.

Verlobte fordert Entschuldigung

Misale Solomon teilt dem Verkehrsdezernat nun mit, sie könne für die Zahlung fraglicher Monatskarte sogar einen Abbuchungsbeleg vorlegen. Die Darstellung Majers im Stadtparlament, wonach sie ohne Fahrkarte gefahren sei, untergrabe ihre Glaubwürdigkeit und im Zusammenhang mit den weiteren Ereignissen auch die ihres Verlobten. Sie fordere eine Richtigstellung und eine Entschuldigung. Andernfalls behalte sie sich „angemessene juristische Schritte“ gegen den Dezernenten vor.

Im Verkehrsdezernat hieß es am Dienstag, der Stadtrat habe sich bei seinen Äußerungen „auf das bezogen, was die Verkehrsgesellschaft respektive ihr Sicherheitsdienstleiter vorgelegt hat“, wie Majers Referent Heiko Kleinsteuber sagte: „Wir bleiben dabei: Sie war nicht im Besitz einer gültigen Fahrkarte.“

In einem weiteren Brief an die Verkehrsgesellschaft VGF teilt Solomon mit, sie habe die gültige und bei der Kontrolle vorgelegte Monatskarte der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch von der VGF verlangt sie Rücknahme der „unbewiesenen Behauptung“, sie sei ohne gültigen Fahrausweis angetroffen worden. Zudem habe die VGF behauptet, dass vier bis fünf weitere Personen auf ihrer Monatskarte mitgefahren seien. Eine gültige Karte sei damit offenbar „als vorhanden anerkannt“ worden. Das habe inzwischen wohl auch die VGF festgestellt.

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