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Demo gegen Rassismus Im Regen gegen Rassismus

Bei einem "demonstrativen Spaziergang gegen Rassismus und Polizeigewalt" ziehen rund 500 Menschen durch Frankfurt. Die Gemüter werden an diesem Abend durch die Erinnerungen an den Fall Wevelsiep und die aktuelle Geschichte des Grünen-Politikers Daniel Mack erhitzt.

Sicherheit wiederhergestellt: Bahn-Mitarbeiter im Einsatz, fotografiert von Daniel Mack.

Bei einem „demonstrativen Spaziergang gegen Rassismus und Polizeigewalt“ sind am Freitagabend rund 500 Menschen durch Bornheim und die Innenstadt gezogen.

Nach ersten Redebeiträgen der Linken-Politikerin Anette Ludwig und der Ökolinx-Stadtverordneten Jutta Ditfurth auf dem Platz um das Uhrtürmchen in Bornheim Mitte „spazierten“ die Demonstranten ab viertel nach acht über Konstabler und Hauptwache zum Hauptbahnhof – trotz strömenden Regens. Im Laufe der Demonstration sprachen weitere Redner – unter anderem vom Frankfurter Asta, von der Antifa und vom Förderverein Roma.

Vor genau einem Jahr war am gleichen Ort schon einmal ein Protestzug gegen Rassismus und Polizeigewalt gestartet. Den Anlass gab damals ein Bericht der Frankfurter Rundschau über Derege Wevelsiep, der von einer Gruppe Polizisten krankenhausreif geprügelt worden war.

Auch an diese Gewalttat – für die bislang niemand zur Verantwortung gezogen wurde – erinnerten die Redner am Freitag. Doch was die Gemüter aktuell fast noch mehr bewegte, war die Geschichte des Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Mack, der am Frankfurter Hauptbahnhof beobachtet hatte, wie vier Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn einen jungen Schwarzen mit Schlagstöcken traktierten.

Als er sich in die Situation einmischte, so berichtete Mack auf seinem Twitter-Account, beschimpfte ihn eine der Sicherheitsmitarbeiterinnen mit den Worten „Hau ab, du Nigger!“

„Das war für mich persönlich der Auslöser, diese Demo anzumelden“, sagte der junge Mann, der auf Facebook dazu eingeladen hatte. „Solche Geschehnisse nehmen einfach kein Ende, sie passieren immer wieder.“

Seinen Namen wollte er nicht nennen, schließlich habe er lediglich „bürokratische Bedingungen erfüllt“ – und damit den Rahmen geschaffen, für eine „aktive politische und kulturelle Stadtgesellschaft“. Auch wollte er die Demonstration nicht von einzelnen Parteien oder Gruppierungen „vereinnahmt“ sehen.

Ähnlich sahen es einige Schülerinnen des Helmholtzgymnasiums, die zum Protestzug gekommen waren, „weil wir es nicht okay finden, wie Polizei und Sicherheitsleute zum Teil mit Menschen umgehen“, sagte die 16-Jährige Vera.

Ihre Freundin Freya pflichtete ihr bei: „Ja, und weil Rassismus immer noch ein Thema ist.“ Die Dritte im Bunde, Frauke, berichtete, dass „einige Lehrer immer noch Ausländer anders behandeln: Oft auch nur unterschwellig – zum Beispiel, wenn es heißt ‚Oh, du sprichst aber gut deutsch‘“.

Doch die drei sind nicht nur gegen Rassismus, sondern gegen jede Gewalt: „Uns ist wichtig, dass Protest friedlich ist.“ Es ärgere sie, wenn Gruppen wie „der Schwarze Block“ Demos vereinnahmten. Gegen 22.15 Uhr wurde die Demonstration vom Veranstalter für beendet erklärt.

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