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Kommunalwahl in Frankfurt „Zu viel Schärfe im Wahlkampf“

Die Medien-Manager und Moderator Bernd Reisig schildert im Interview mit der Frankfurter Rundschau seine Eindrücke vom Wahlkampf in Frankfurt zur bevorstehenden Kommunalwahl.

Immer gut drauf: Bernd Reisig. Foto: Christoph Boeckheler

Bernd Reisig gehört zu den wenigen Menschen, die sowohl mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als auch mit Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) befreundet sind. Im Interview mit der FR erzählt der Medien-Manager und Moderator, der zu seiner Talkshow „Bembel & Gebabbel“ regelmäßig Prominente in die Friedberger Warte einlädt, wie er den Wahlkampf erlebt.

Herr Reisig, für wen schlägt Ihr Herz bei der Kommunalwahl ?
Das kann ich Ihnen so nicht beantworten. Früher hatte ich dieses Schwarz-Weiß-Denken: Alle, die konservativ sind, sind böse und haben kein Herz, und alle, die links sind, sind gute Menschen. Das war dumm, und das habe ich zum Glück abgelegt. In jeder Partei gibt es kluge und nicht so kluge Köpfe.

Dann ist das Kumulieren und Panaschieren für Sie doch ideal, oder? Dabei können Sie einzelne Kandidaten wählen.
Ja, für mich ist das gut. Ich habe Briefwahl gemacht und mir viel Zeit gelassen. Ich finde aber, man sollte das Wahlrecht noch einmal überdenken. Zum einen schreckt der riesige Wahlzettel viele Wähler ab. Und außerdem reichen vermutlich 700 Stimmen, um ins Parlament einzuziehen. In einer Stadt wie Frankfurt sollte nicht irgendjemand ins Stadtparlament einziehen, nur weil er einen großen Freundeskreis hat.

Sie haben früher für mehrere Politiker den Wahlkampf organisiert. Wie erleben Sie die politische Auseinandersetzung in diesen Tagen?
Der Wahlkampf läuft kämpferischer ab als die letzten Jahre. Das gefällt mir gut. Wobei man sich manche Aussagen auch sparen könnte.

Was meinen Sie konkret?
Es ist unnötig, dass der Spitzenkandidat der SPD, Mike Josef, vorher sagt, welche Dezernenten zurücktreten müssten, damit die SPD in Koalitionsverhandlungen einsteigt. Aber Olaf Cunitz und CDU-Chef Uwe Becker sind auch keine Engel. Die teilen auch schön aus. So ist eine Schärfe in den Wahlkampf gekommen, die mir zu persönlich ist und so nicht sein müsste. Zumal auf kommunaler Ebene die Übereinstimmungen der Parteien doch sehr groß sind und es immer auch ein Miteinander nach der Wahl wieder geben muss.

Wirklich? Liegen bei Themen wie Wohnen nicht Welten zwischen SPD und Grünen?
Überhaupt nicht. Alle wissen, dass mehr Wohnungen gebaut werden müssen. Peter Feldmann hat mit diesem Thema unter anderem die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Das fuchst Cunitz und seinen Koalitionspartner, weil man der Ansicht ist, man habe auch vorher genug für den Wohnungsbau getan. Fakt ist aber, dass die Frankfurter das nicht so empfunden haben.

Wie geht diese Wahl aus?
Wahlen sind heutzutage extrem schwer vorherzusagen. Und erst recht Kommunalwahlen. Ich wage aber mal eine Prognose: Für Schwarz-Grün alleine wird es nicht reichen. Mit einem dritten Partner womöglich schon.

Also mit der FDP?
Das ist gut möglich. Ich würde allerdings davor warnen, die SPD zu ignorieren, wenn sie die Wahl als stärkste Partei im Römer gewinnen sollte. Man kann an der stärksten Partei und dem Oberbürgermeister in einer Stadt wie Frankfurt nicht vorbeiregieren.

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