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Kommunalwahl in Frankfurt Die Chance, bekannter zu werden

Die Partei der Neuen Liberalen ist so klein, dass der Bundesparteivorsitzende Christian Bethke beim Wahlkampf in Frankfurt selbst plakatiert. Er erhofft sich am 6. März mindestens die Stimmen von 2000 Wählern. die könnten für einen Sitz im Stadtparlament reichen.

Bei der Arbeit: Christian Bethke und Peter Wendtland (von links) Foto: Andreas Arnold

Wenn Christian Bethke in diesen Tagen Leute anspricht, die an seinem Infostand vorbeikommen und ihnen eine Broschüre in die Hand drücken will, wehren sie erst einmal ab: „Nee, mit der FDP wollen wir nichts zu tun haben“, sagen sie dann. „Wir werden oft krumm angesehen“, sagt er, „wenn wir aber antworten, dass wir auch nichts mit der FDP zu tun haben wollen, sind die Leute meist neugierig.“ Christian Bethke ist Spitzenkandidat der Neuen Liberalen (NL), einer Partei, die Ende 2014 in Hamburg gegründet wurde.

Bundesvorsitzender ist er auch, doch im Frankfurter Wahlkampf zählt das nicht. Sie sind noch nicht so viele, dass sich einer beim Plakatieren oder Werben ausklinken könnte. „Jeder muss alles machen, schleppen, entwerfen, verteilen.“ Bethke hat seine Arbeitszeit – er ist Grafiker in der Finanzbranche – verkürzt, sodass er sich ganz dem Wahlkampf widmen kann. „Von 17 bis 20 Uhr ist eine wertvolle Zeit für uns, da müssen wir auf die Straße“, sagt er.

Auch wenn er weiß, dass Plakate niemanden zu einer Wahlentscheidung verleiten: „Wir sehen den Wahlkampf in erster Linie als Chance, bekannter zu werden“, sagt Bethke, der im Nordend lebt. Die Truppe hat wenig Erfahrung, jeden Tag überlegen sie neu, was sie machen können. „Wir werden nicht zu Podien und anderen Veranstaltungen eingeladen, nicht in den Medien gehört, wir müssen uns eine eigene Agenda schaffen“, so Bethke, „manchmal denke ich: ,Hey, wir hätten zu diesem Lokalthema auch einen guten Gedankenansatz‘, aber wir werden eben nicht gefragt.“ Deshalb lädt seine Partei nun etwa zu einer liberalen Stadtführung am Wochenende ein.

Liberal, das heißt für die NL Freiheit des Individuums. „Wir wollen die persönliche Freiheit schützen, Mensch statt Markt“, sagt er. Die Leute fänden das interessant, sagt Bethke. Dennoch sei wichtig, zuzuhören und herauszufinden, was die Leute bewegt. „Auf der Berger Straße wurden wir viel auf das geplante Innovationsquartier angesprochen“, sagt Bethke, „alle sind einer Meinung: Das geht gar nicht.“ Viele hätten zudem Angst vor der Gentrifizierung und hohen Mieten.

Bei den Piraten dabei

Bethke wurde 2009 im Zuge der Finanzkrise arbeitslos. Zu der Zeit kamen die Piraten auf, er interessierte und engagierte sich, bei der Kommunalwahl 2011 kandidierte er. Bis zu seiner Wahl zum Bundesparteivorsitzenden der Neuen Liberalen war er noch Mitglied. Nun gilt die volle Konzentration dem Einzug in die Stadtverordnetenversammlung.

Bei den Piraten hat er gesehen, wie schnell der Erfolg kommen kann. „2000 Wähler könnten für einen Sitz reichen, das sollte doch machbar sein“, sagt der gebürtige Frankfurter. Nach sieben Jahren in der außerparlamentarischen Politik will er nun endlich richtig politisch arbeiten. „Ich glaube, im Parlament bin ich besser als auf der Straße.“

Dafür muss der 37-Jährige seinen inneren Schweinehund überwinden, wie er sagt. Flyer verteilen, Plakate aufhängen, alles auf eigene Kosten. Es gibt Angenehmeres in einem Politikerleben. Die schlimmste Wahlkampf-Aufgabe, so findet Bethke, die kommt erst noch. Nach der Wahl. Dann müssen die Plakate wieder abgehängt werden. „Aber wer räumt schon gerne auf – unabhängig davon, ob es mit einem Sitz klappt oder nicht.“

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