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Kommunalwahl Frankfurt Jutta Ditfurth, die Radikalökologin

Jutta Ditfurth, einst Bundesvorstandssprecherin bei den Grünen, tritt mit der Gruppe ÖkoLinX bei der Kommunalwahl in Frankfurt an. Die Radikalökologin ist ihren Zielen stets treu geblieben.

Präsent: Jutta Ditfurth. Foto: Christoph Boeckheler

Es ist ein Projekt so recht nach ihrem Herzen. Am Donnerstag vor der Kommunalwahl tritt Jutta Ditfurth in der Naxoshalle im Theater Willy Praml auf. Ein Wahlkampfauftritt der etwas anderen Art. Die 64-jährige Autorin hält einen Vortrag über ein Buch, das einmal als Ikone der antifaschistischen Literatur galt: „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers. Es schildert die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager. Doch nur einer, Georg Heisler, entkommt dauerhaft. Er schlägt sich bis nach Frankfurt am Main durch und erfährt dort die Solidarität etlicher Menschen, die ihn verstecken und ihm weiterhelfen.

1981 erstmals im Stadtparlament

Heute ist „Das siebte Kreuz“ ziemlich in Vergessenheit geraten, und kaum noch ist bekannt, dass der Roman auch Frankfurt zum Schauplatz hat. Für die Politikerin Jutta Ditfurth, die für ihre Gruppe ÖkoLinX wieder in den Römer einziehen will, ist der 1942 erschienene Roman „eines meiner absoluten Lieblingsbücher“.

Tatsächlich lässt sie Frankfurt am Main nicht los. Mitte der 70er Jahre ist die gebürtige Würzburgerin in die Stadt gekommen, sie engagiert sich in der Anti-AKW-Bewegung und im Kampf gegen den Abtreibungsparagrafen 218. Im November 1979 ist sie bei der Gründung der Frankfurter Grünen im Zoo-Gesellschaftshaus dabei. Und bei der Kommunalwahl im März 1981 zieht sie als Mitglied der ersten Grünen-Fraktion ins Stadtparlament ein.

Es beginnt der Kampf der Radikalökologen um Ditfurth gegen die erstarkenden Realpolitiker der Grünen um Joschka Fischer. Von 1984 bis Ende 1988 führt Ditfurth sogar die Partei als Bundesvorstandssprecherin – doch 1991 verlässt sie aus Protest gegen die „Rechts-Entwicklung“ der Partei die Grünen. „Ich gehe erst, wenn ich nicht mehr gewinnen kann“, sagt sie dazu später der FR.

Ditfurth gründet die ökologische Linke und kehrt mit dieser Gruppe 2001 wieder ins Frankfurter Stadtparlament zurück – wenn auch nur mit einem Sitz. Diesmal hofft sie auf mehr. Sechs Stadtverordnete sollen in den Römer einziehen.

Auf der Liste sind prominente Gesichter der unabhängigen Linken vertreten. Etwa die Rechtsanwälte Viktor Pfaff, Mitgründer von Pro Asyl, und Hans-Jürgen Borowsky.

Annette Ludwig, Sprecherin von NoFragida, ist bei der Partei Die Linken ausgetreten und kandidiert ebenso wie die frühere Frankfurter AstA-Vorsitzende Nadja Sergan. Der bekannte Rock- und Bluesgitarrist Matthias Baumgardt führt die Liste für den Ortsbeirat 4 an.

Das Programm von ÖkoLinX ähnelt den Zielen der Frankfurter Radikalökologen bei den Grünen in den 80er Jahren. Kampf gegen „Armut und Verelendung“. Dazu kommt „Wohnen für alle“, keine Vertreibung von Mieterinnen und Mietern durch Luxusmodernisierung und Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Der Aufruf dazu heißt: „Auf in den Kampf mit dem investorenhörigen grün-schwarzen Luxusbaumagistrat!“

ÖkoLinX kritisiert Flughafen

Diese Probleme haben die Politik in Frankfurt tatsächlich schon vor drei Jahrzehnten umgetrieben. Natürlich verschreibt sich die linke Liste auch dem Kampf gegen Neonazis, Antisemiten und Rechtspopulisten. . Die Alternative für Deutschland (AfD) ähnelt für Ditfurth „immer mehr der Deutschnationalen Volkspartei“ am Ende der Weimarer Republik. Hier schließt sich für Jutta Gerta Armgard von Ditfurth ein Kreis. Im Alter von 18 Jahren formulierte sie ein Austrittsschreiben an ihren adligen Familienverband – schon damals wehrte sie sich gegen elitäres und rechtes Denken.

In ihrem 2013 veröffentlichten Buch „Der Baron, die Juden und die Nazis“ hat sich die Sozialwissenschaftlerin mit der Verstrickung ihrer Vorfahren in Nationalsozialismus und Antisemitismus auseinandergesetzt.

Eines ihrer Lebensthemen ist aber auch die Kritik am Kurs der heutigen Grünen, denen sie Verrat an allen früheren politischen Zielen vorwirft. Gerade dem grünen Bürgermeister und Planungsdezernenten Olaf Cunitz bescheinigt ÖkoLinX, etwa dem Wachstum des Rhein-Main-Flughafens keinen Widerstand entgegengesetzt zu haben.

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