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Abschied aus dem Römer Helmut Heuser (CDU) hört auf

Verkehrsthemen waren seine Leidenschaft. Jetzt kandidiert der Frankfurter CDU-Politiker Helmut Heuser nicht mehr fürs Stadtparlament. Der heute 68-Jährige hat dafür gesorgt, dass sich die CDU verkehrspolitisch gewandelt hat.

Ein Freund des Nahverkehrs geht: Helmut Heuser (re.). Foto: Christoph Boeckheler

In der Verkehrspolitik steht ein Umbruch bevor. Helmut Heuser, der langjährige Verkehrsexperte der Frankfurter CDU, hört auf. Der 68-Jährige kandidiert nicht mehr fürs Stadtparlament. Am Dienstagabend leitete er den Verkehrsausschuss zum letzten Mal.

Mehr als 35 Jahre hat er die Kommunalpolitik mitgestaltet - seit den 80er als Mitglied im Ortsbeirat 6, danach, mit kurzen Unterbrechungen, als Stadtverordneter. Im Jahre 2010 führte er die CDU als Fraktionschef in den Wahlkampf, aus der seine Partei angesichts der Reaktorkatastrophe von Fukushima geschwächt hervorging, während die Grünen ein Rekordergebnis erzielten.

Dem grünen Verhandlungspartner die „gestaltenden Dezernate“ Verkehr, Planung und Umwelt überlassen zu haben, habe die CDU aus heutiger Sicht eher geschwächt, meint er. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl am 6. März rät er: „Wir müssen kämpfen.“ Eine Umfrage hatte jüngst ergeben, dass die CDU 28 Prozent erreichen und einen Punkt hinter der SPD liegen würde. Eine Fortsetzung von Schwarz-Grün wäre nicht länger möglich.

Gucken, wie es andere machen

In seiner Amtszeit hat sich die CDU verkehrspolitisch gewandelt. Weg von der reinen Autofahrerpartei. Möglich wurden Tempo-30-Zonen in Wohngebieten, Radfahren gegen die Einbahnstraße, die Freigabe, in Tempo-30-Zonen auf der Straße zu radeln, auch wenn parallel ein Radweg verläuft. Dem grünen Koalitionspartner gilt Heuser als unideologischer Denker. Innerhalb der CDU ist von der „Heuser-Schule“ die Rede.

Verkehrsthemen waren und sind „seine Leidenschaft“, sagt Heuser im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Auf seinen ausgedehnten Reisen habe er gelernt, wie andere Städte ihre Verkehrsprojekte lösten, berichtet der Schwanheimer und erzählt mit Wohlwollen vom öffentlichen Nahverkehr in Portland, Seattle, San Francisco und Los Angeles. Im Gegensatz dazu erwähnt er die Dominanz der Interstate-Autobahnen, die ganze Städte durchschnitten und „mit mehr Fahrspuren nur immer mehr Verkehr“ anzögen.

Künftige Parteilinie unklar

Als größte verkehrspolitische Erfolge in Frankfurt bezeichnet Heuser die neue Osthafenbrücke und die Straßenbahnlinie 17 vom Hauptbahnhof nach Neu-Isenburg. Dass die CDU vormals Straßenbahnen bekämpft und auf U-Bahnen gesetzt habe, nennt er einen Fehler. Nicht nur seien die Trams günstiger, sie würden die Stadtteile auch besser erschließen. Auch bundespolitische Debatten darüber, ob es ein innerstädtisches Tempo 30 geben soll, mit Tempo 50 als Ausnahme auf Hauptstraßen, verfolgt der Verkehrspolitiker kurz vorm Ruhestand interessiert.

Zunächst war Heuser Mitarbeiter von Siemens, ehe er in die Öffentlichkeitsarbeit beim Flughafenbetreiber Fraport, damals FAG, einstieg. Das heiße Thema damals: der Bau der Startbahn West, den er rechtfertigte.

Beim Verkehr muss sich die CDU nun neu aufstellen. Die Stadtverordneten Lothar Stapf und Uwe Serke stehen ebenfalls nicht mehr zur Wahl. Der CDU-Verkehrsexperte Frank Nagel ist nur auf einem hinteren Listenplatz gelandet. Er hat wenig Chancen, in die Stadtverordnetenversammlung einzuziehen. Dem Vernehmen nach soll Martin Daum neuer verkehrspolitischer Sprecher werden. Ob er die fahrradfreundliche Politik der vergangenen Jahre fortsetzt, muss sich zeigen. Das Wahlprogramm lässt nicht darauf schließen: Radfahren auf der Zeil und am Main will die CDU teils verbieten, Radeln gegen die Einbahnstraße vereinzelt wieder rückgängig machen.

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