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Frankfurt-Sachsenhausen Der Luxusdampfer

Der Süd-Palast am Schweizer Platz zeigte bis Ende der 60er die großen Filme. Die Schließung des Lichtspielhauses war ein großer Verlust für Sachsenhausen. Die einst prachtvolle Fassade ist ewig gleicher Standardarchitektur gewichen.

07.01.2015 13:26
Hans-Ludwig Buchholz
Das Palast-Gebäude am Schweizer Platz. Foto: Sammlung DAM Frankfurt

Das Haus an der Westseite des Schweizer Platzes könnte genau so an vielen anderen Ecken in Frankfurt stehen. Die Fassade ist weiß, schlicht, austauschbar. Eine Drogeriekette ist im Erdgeschoss eingezogen, darüber praktizieren Ärzte. Die ewig gleiche Standardarchitektur ist auch in Sachsenhausen angekommen.

Noch vor 50 Jahren sah das anders aus. Grauer und schwarzer Kunststein sollten der Fassade etwas Edles verleihen. Große Glastüren, von Filmplakaten flankiert, führten vom Platz hinein in ein Foyer mit Marmorboden und dunklen Holzwänden. Und über allem prangte der leuchtende Schriftzug: „Süd-Palast“.

Seit der Vorweihnachtszeit 1952 gab es am Schweizer Platz, der damals noch Gustav-Adolf-Platz hieß, ein Kino. Die Frankfurter Architekten Max Heid und Helmut Romeick entwarfen den Neubau und ließen ihn innerhalb von 99 Tagen errichten.

Der edle Eindruck der Außenfassade setzte sich im Kinosaal fort. In Gletscherblau und Silber sollen die Wände bespannt gewesen sein. Die 650 grauvioletten Polsterstühle reihten sich vor einem sandfarbenen Vorhang auf. Ein Eindruck, den der damalige Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes der hessischen Filmtheater bei der Eröffnungsfeier an den „Luxusfestsaal eines Ozeandampfers“ erinnerte. Ein wahrer Filmpalast eben.

An den Luxus des Süd-Palastes erinnert sich auch Dagmar Kluge gerne. Die heute 73-Jährige begann 1960 ihre Tätigkeit in einer Reinigung direkt neben dem Kino – und arbeitet dort noch immer. Auf das Kino angesprochen lächelt sie noch mehr, als ohnehin schon. „Oh, das war schön“, sagt sie und beginnt zu erzählen.

Oft sei sie dort gewesen. Nicht nur mit Freundinnen, sondern vor allem, um zu arbeiten. „Sonntags habe ich oft ausgeholfen und die Platzanweiserin gemacht“, erzählt sie. Daneben habe sie die Garderobe angenommen und hin und wieder Bonbons verkauft. Auch der regelmäßige Gang zum Filmverleih in der Taunusstraße habe dazugehört. „Da sind wir dann hin und haben die Filmplakate geholt“, sagt Kluge.

Konkurrenz vom Fernseher

Geld habe der Nebenjob kaum eingebracht, aber das sei auch gar nicht so wichtig gewesen. „Ich habe die ganzen Filme umsonst gesehen“, erzählt Kluge und lacht. „Das waren immer die Neuesten, Sissi oder der Glöckner von Notre Dame zum Beispiel. Den vergess’ ich nie, der war so spannend!“

Als das Kino dann geschlossen wurde, sei das ein großer Verlust für Sachsenhausen gewesen. Ende der 60er Jahre war das. „Ich nehme an das kam durch den Fernseher – und in der Stadt gab es dann ja die großen Kinos als Konkurrenz“, vermutet Kluge. Auch andere Sachsenhäuser Kinos schlossen in der Zeit, etwa in der Stresemannallee, in der Schwanthaler Straße oder der Wallstraße. Vermutlich aus den gleichen Gründen.

Am Schweizer Platz kamen im Laufe der Zeit mehrere Lebensmittelmärkte nach. Inzwischen ist eine Drogerie eingezogen. Die Läden hätten den Platz aber nie wieder so beleben können, wie es der Süd-Palast tat. „Die Zeit ist vorbei und kommt auch nicht mehr wieder – leider“, sagt Dagmar Kluge zum Abschied.

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