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Bornheim Eintritt gegen Briketts

Das Apollo-Kino akzeptierte Brennmaterial als Zahlungsmittel: Wer im Winter einen Film ansehen wollte, musste zwei Briketts oder 50 Pfennig bezahlen. Meitens war das Kino brechend voll.

Herbert Krajnik und Karlheinz Greul (v.l.) erinnern an das Kino, in dem nun ein Spielsalon ist. Foto: Andreas Arnold

Briketts statt Geld – dieses Angebot galt zumindest früher für diejenigen, die sich im Winter einen Film im Apollo-Kino ansehen wollten. „Wer hinein wollte, musste zwei Briketts mitbringen oder 50 Pfennig zahlen“, erinnert sich Herbert Krajnik. Schließlich musste der Kanonenofen, der im Kinosaal stand, geheizt werden. Hier traf sich nach dem Krieg die Bornheimer Jugend zum gemeinsamen Filme schauen. Das einstige Kino befand sich in der Berger Straße 179, dort wo heute die Frankfurter Sparkasse ist, der Eingang war in der Wiesenstraße.

„Das Kino wurde auch Flohkiste genannt“, sagt Krajnik. Vielleicht, weil ja früher viele Schüler Flöhe hatten, vermutet er. Die Hitze half bei der Verbreitung. Und heiß war es im Apollo oft. „Es war meist brechend voll gewesen“, erinnert sich Krajnik. Wenn keine Sitzplätze mehr frei waren, saßen die Zuschauer auf dem Boden im Mittelgang. „Eine ältere Dame, die sehr energisch auftrat, bestimmte, wo man sich hinsetzen sollte“, erzählt der 73-Jährige. Manch einer berichtet von einer strengen Wirtin, die schon mal mit dem Stock für Ordnung gesorgt habe, wenn sich die Jungs prügelten oder einen der Western nachspielten.

Vorstellung für die Jugend

Krajnik, der damals im Ostend wohnte, besuchte fast jeden Sonntag die Vorstellung im Apollo. Zuerst sei die Familie in die Kirche gegangen, anschließend wurde zu Mittag gegessen, „danach konnten wir flüchten.“ Gegen 13.15 Uhr begann die Vorstellung für die Jugend, in der sich hauptsächlich Jungs einfanden, um Westernfilme zu sehen.

Im Gegensatz zu Krajnik konnte sich sein Freund Karlheinz Greul den Besuch im Kino nur selten leisten. „Einmal hatte meine Oma mir extra zwei Briketts mitgegeben, damit ich mir einen Film anschauen konnte.“ Doch die Mutter des heute 74-Jährigen habe sie einkassiert und damit die Wohnung geheizt. Um sich Taschengeld und den Kino-Eintritt zu verdienen, gingen die Jungs „schrotten“: Sie zogen los, um in den Trümmern nach Altmetall, Lumpen oder Kupfer zu suchen. „Die Fundstücke brachten wir zum Beispiel zum Lumpenfischer“, sagt Greul, direkt neben dem Apollo, „und bekamen dafür ein wenig Geld“. Die Apollo-Lichtspiele, die 1912 eröffneten, waren das erste Kino Bornheims. Nach einigen Besitzerwechseln übernahm Familie Herold das Lichtspielhaus. Das Kino zog 1953 in die Mainkurstraße und blieb dort bis 1967. Heute gehen dort Besucher eines Spielsalons ein und aus.

Früher sei der Kinobesuch sehr aufregend gewesen, da sind sich Krajnik und Greul einig. Denn zu Hause gab es noch keinen Fernseher und im Radio lief nur ein Programm. Im Apollo guckten sie Filme mit Helden wie Hopalong Cassidy, Tom Mix oder Fu Manchu; in schwarz-weiß, auf Englisch und mit deutschen Untertiteln. „Da lernte man gerne schnell lesen“, scherzt Krajnik. Greul erinnert sich an Mickey-Mouse-Filme und Popeye. Später wurden Heimatfilme gezeigt.

In Bornheim gab es einst fünf Kinos: Das Apollo, das Astoria, auch Schauburg-Lichtspiele oder Arion-Filmtheater genannt, die Schützenhof- und Blumen-Lichtspiele und nicht zuletzt das Berger Kino – das einzige, das bis heute überlebt hat. Karlheinz Greul wohnte direkt bei den Blumen-Lichtspielen in der Berger Straße 275, wo heute die Gaststätte „Weiße Lilie“ Tapas serviert. „Dort liefen Filme wie Fluss ohne Wiederkehr“, erinnert sich Greul, „oder die Sünderin mit Hildegard Knef“. Als Fotos von dem Film in den Schaukästen ausgestellt wurden, schlugen Unbekannte die Scheiben ein.

„Ein Blick in die Welt“, wie Greul es nennt, erhielten die Jungs später, als sie in die Kinos der Innenstadt gingen. Ins Roxy, Scala oder Aki am Bahnhof, das 24 Stunden geöffnet hatte. Da lief die Fox Wochenschau: der Nachrichtenrückblick, der stets vor dem Hauptfilm gezeigt wurde.

Heute leben beide in Heddernheim. Obwohl sie früher wohl zur selben Zeit ins selbe Kino gingen, lernten sie sich erst später kennen. Und zwar im Riederwald. Dort arbeitete Greul als technischer Zeichner, Krajnik als Industriekaufmann. Nach Bornheim zieht es die beiden aber heute noch. Alle zwei Wochen treffen sie sich dort. Aber nicht um ins Kino zu gehen, sondern um gemeinsam mit anderen zu kegeln.

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