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Nobelpreis Ein Näschen für Nobelpreis-Kandidaten

Der Hanser Verlag und sein Leiter Michael Krüger haben eine einmalige Nase für Nobelpreis-Kandidaten.

Autor Mo Yan, Gewinner des Nobelpreises für Literatur. Foto: AFP

Der Hanser Verlag und sein Leiter Michael Krüger haben eine einmalige Nase für Nobelpreis-Kandidaten.

Scheiße, soll es laut und vernehmlich aus Michael Krüger heraus gefahren sein, als er von der Entscheidung des Nobelpreiskomitees für Mo Yan erfahren habe: „Scheiße! Das Buch ist noch nicht fertig!“ Das Buch wird „Die Frösche“ heißen, ist von Mo Yan und wird im Frühjahr des kommenden Jahres im Münchener Hanser Verlag erscheinen, den Krüger als Geschäftsführer leitet.

Bis jetzt sind die deutschen Ausgaben der Werke Mo Yans im Züricher Unionsverlag, spezialisiert auf außereuropäische Literatur, erschienen, eines im Suhrkamp Verlag und der Roman „Der Überdruss“ gar im kleinen Horlemann Verlag. „Die Frösche“ nun also in Krügers Hanser Verlag, der damit wieder mal seinem Ruf gerecht wird, eine einmalige Nase für Nobelpreis-Kandidaten zu haben.

Mo Yan ist der der fünfzehnte Nobelpreisträger, den Hanser verlegt, nach Tomas Tranströmer (2011), Herta Müller (2009), J.-M.G. Le Clézio (2008), Orhan Pamuk (2006), Seamus Heaney (1995), Derek Walcott (1992), Joseph Brodsky (1987), Elias Canetti (1981), Czeslaw Milosz (1980), Isaac B. Singer (1978), Eugenio Montale (1975), Yasunari Kawabata (1968 ), Ivo Andric (1961) und Saint John Perse (1960).

Michael Krüger, geboren 1943 in Wittgendorf und aufgewachsen in Berlin, ist seit 1968 bei Hanser. Angefangen hat er als Lektor, 1986 wurde er literarischer Leiter, seit 17 Jahren ist er Geschäftsführer. Eine Geschichte von Treue und Erfolg.

Krügers Nase kann man sich bei Youtube anschauen. Dort erscheint in loser Folge die Video-Reihe „Michael Krüger spricht“. Man sieht den Verleger hinter seinem Schreibtisch sitzen und vor dem Bücherregal, die mächtigen Hände meist gefaltet, und hört ihn sprechen: über Tomas Tranströmer, mit dem er seit langem befreundet ist, über Klassiker, Übersetzungen, den Erfolg von Literaturfestivals oder über den Alkoholnebel, der über der Literaturgeschichte liegt. Krüger spricht mit der großen Ruhe, die aus echter Kennerschaft herrührt. Sein Erfolg rührt eben daher, dass er nicht primär Geld machen will, sondern gute Bücher, auch vermeintlich abseitige. Dass das Geld auch über diesen Umweg fließt, stimmt ihn gelassen, und sollte alle stutzig machen, die glauben, sie könnten es auf direkterem Weg erzielen.

Nach wie vor hält Michael Krüger daran fest, mindestens acht Gedichtbände pro Jahr auf den Markt zu bringen. Über Gedichte redet er wie andere über Autos oder Fußball, nichts Akademisches ist daran, nichts Staubtrockenes, sondern ein untrügliches Gespür für Klang, Beschleunigung und Ökonomie. Daher kommt die Empfindung, dass jeder Tag ein unvollkommener ist, an dem man nicht ein Gedicht gelesen hat.

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