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Occupy Frankfurt Kleine Geburtstagsfeier für Occupy

Am „globalen Tag des Lärms“ demonstrieren hunderte Menschen in Frankfurt gegen Kapitalismus und die Wohnungspolitik. Die Occupy-Bewegung feiert ihr Einjähriges.

Occupy feiert seinen ersten Geburtstag - mit einer Demo in der Frankfurter Innenstadt. Foto: peter-juelich.com

Ein ohrenbetäubender Lärm geht an diesem Samstag durch Frankfurt. Am Mittag stehen mehr als 100 Menschen auf den Stufen vor dem Commerzbank-Gebäude, schlagen auf Trommeln und Töpfe, klappern mit Büchsen, pfeifen und tröten, eine Frau trägt mit einer elektrischen Gitarre zur Kakophonie bei, während auf einem Laster ein Rapper versucht, sich Gehör zu verschaffen. Man versteht ihn kaum. Fünf Polizisten bewachen die Bank, andere stehen bereit. Die Krawallmacher bleiben zahm.

„Eine mögliche Welt ist anders, eine andere Welt ist möglich“, steht auf dem Transparent, das einige hochhalten. Es sind Occupy-Aktivisten. Sie feiern den einjährigen Geburtstag ihrer Bewegung mit einer Demonstration durch die Innenstadt, vom Rathenauplatz über das Bankenviertel und die Europäische Zentralbank bis zum Römerberg.

„Es hat sich nicht viel geändert“, schreit Occupy-Aktivist Erik Buhn auf dem Rathenauplatz ins Mikrofon. „Schulden werden mit Schulden finanziert. Das ist kein Ansatz für eine nachhaltige Lösung.“ Er wettert gegen die „Geldschöpfung aus dem Nichts“, den die Banken betrieben, und sagt, der Kapitalismus laufe in eine falsche Richtung. Den Friedensnobelpreis für die Europäische Union nennt er eine Farce.

„Wir sind die Kraft, die das Volk in Bewegung gesetzt hat“, sagt der 28-Jährige später der FR. Im Camp habe sich der Protest zur sozialen Aufgabe entwickelt, weil dort Obdachlose, Drogensüchtige und Roma resozialisiert worden seien. „Das hat unsere Kräfte aufgezehrt“, sagt Buhn. „Wir können nicht die Probleme der Stadt stemmen.“ Nach der Räumung habe sich das Netzwerk in alle sozialen Schichten verteilt.

„Occupy organisiert sich neu“, sagt Aktivistin Renate Windelband. „Es ist eine Bewegung, die Bewegung schafft. Sie stößt den Mächtigen ganz schön auf. Es ist nachvollziehbar, dass wir beobachtet werden. Die Gegenseite merkt, dass wir ihnen wehtun.“

Die Occupy-Demo ist nur eine von mehreren Veranstaltungen, die am „Global Day of Noise“, dem globalen Tag des Lärms, stattfinden. Der Aktionstag richtet sich gegen den Kapitalismus und ist für mehr Demokratie, Solidarität und Selbstbestimmung. Kleinere Aktionen gibt es an verschiedenen Orten in der Innenstadt, aber auch am Frankfurter Berg, im Museumsuferpark, am Friedberger Platz und in Bornheim. An der Alten Oper startet eine Fahrrad-Demo, im Nordend geht es um Gentrifizierung.

Am Nachmittag beginnt vor dem Hauptbahnhof eine Demonstration für mehr soziales Wohnen und autonome Zentren, vor allem geht es um das von der Räumung bedrohte „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) in Bockenheim. Laut Polizei gehen dafür etwa 450 Menschen auf die Straße, darunter mehrere linke Gruppen aus ganz Deutschland. Bereits am Vormittag haben Aktivisten für einige Minuten eine spontane Party in einem Luxuswohnhaus am Mainkai gefeiert. Für die Maklerin gab es einen Blumenstrauß.

„Die Stadtpolitik setzt immer mehr auf soziale Ausgrenzung“, sagt Matze, der die Demo angemeldet hat. „Man versucht, die sozial Deklassierten aus dem Stadtbild zu verdrängen.“ Auf dem Podium spricht Lotte von einer „repressiven Ordnungspolitik“: „Der soziale Wohnungsbau leidet“, sagt sie. „Kulturelle Teilhabe ist an die soziale Lage gebunden.“ Linke Zentren, die Kultur produzierten, seien in Bedrängung geraten.

Als die Demonstration an der Alten Oper und der Messe vorbeizieht und einige Demonstranten mit der Besetzung drohen, bringt sich die Polizei in Position. Doch niemand sucht die Konfrontation. An der Bockenheimer Warte endet der Zug am Abend mit Livemusik. Bis auf die Lärm-Aktionen, die am Paulsplatz fortgesetzt werden, bleibt es friedlich.

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