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Kommentar zu Blockupy Eine Bewegung blockiert sich selbst

Blockupy könnte für sehr viele Menschen sprechen – wenn die Absage an Gewalt endlich lauter hörbar würde, findet unsere Kommentatorin Ursula Rüssmann. Viele Menschen teilen die Ängste und die Wut angesichts der Übermacht der Banken.

Das Frankfurter Bankenviertel - menschenleer. Die Stadt blockiert sich selbst. Foto: Sascha Rheker

Blockupy könnte für sehr viele Menschen sprechen – wenn die Absage an Gewalt endlich lauter hörbar würde, findet unsere Kommentatorin Ursula Rüssmann. Viele Menschen teilen die Ängste und die Wut angesichts der Übermacht der Banken.

Das, was sich seit Mittwoch in Frankfurts Mitte abspielt, hat Züge absurden Theaters. Da tragen Einsatzkräfte einer Polizei, die vorgibt, die Stadt vor Massen von Gewalttätern schützen zu müssen, mit Grundgesetzen winkende, lächelnde Menschen herum.

Da stilisieren sich auf der anderen Seite Blockupisten zu Rettern eines nicht wirklich gefährdeten Rechtsstaates, weil sie kurz zwei Innenstadt-Plätze besetzt halten durften. Andere spielen mit der Polizei Hase und Igel und meinen, den Betrieb im Finanzdistrikt „zum Erliegen“ gebracht zu haben.

Wie naiv. Keine Sekunde ist der globale Betrieb des Kapitals zum Erliegen gekommen, auch wenn sich am Main kein Banker mit Anzug auf die Straße traute. Überhaupt: Dass die Blockupy-Aktionstage bisher ihr eigenes Thema völlig verfehlt haben, hat die Bewegung leider zu einem guten Teil selbst verschuldet.

Denn die Organisatoren haben es von Anfang an versäumt, die Aktionstage öffentlich auf Gewaltfreiheit festzulegen und sich von der Minderheit zu distanzieren, die Randale und Angriffe auf Menschen (in Polizeiuniform) nicht ausschließt. So hat die Bewegung der Justiz Munition geliefert, die Verbotspolitik der Stadt durchzuwinken – und der grotesk hochgerüsteten Polizei, sich jetzt als Bewahrer des angeblich bedrohten Stadtfriedens zu feiern.

Dabei teilen viele Menschen in der Region die Ängste und die Wut angesichts der Übermacht der Banken und Konzerne, die auch Blockupy antreiben. Neckermann, Opel, Manroland – es gibt hier Orte zuhauf, wo Tausende Beschäftigte samt Familien Opfer ökonomischer Strukturen werden, die der politischen Kontrolle entglitten sind. Die sozialen Folgekosten bleiben oft an den Kommunen hängen.

Blockupy hätte also das Zeug, für viele zu sprechen. Heute vielleicht schon, bei der Großkundgebung – aber bitte weiter ohne destruktive Ersatzhandlungen an Schaufensterscheiben.

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