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Blockupy Polizeieinsatz Polizei-Kritiker verunglimpft

Die Polizeigewerkschaft nimmt einen Artikel über die Frankfurter Rundschau aus dem Netz. Er sei "nicht ausreichend recherchiert" gewesen. Die Polizei sieht sich zu Unrecht wegen ihres Blockupy-Einsatzes an den Pranger gestellt.

Schwarzer Samstag: Der Polizeieinsatz bei der Blockupy-Demo ist nach wie vor Thema. Foto: Sascha Rheker

Die Polizeigewerkschaft nimmt einen Artikel über die Frankfurter Rundschau aus dem Netz. Er sei "nicht ausreichend recherchiert" gewesen. Die Polizei sieht sich zu Unrecht wegen ihres Blockupy-Einsatzes an den Pranger gestellt.

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. „Die FAZ sollte sich was schämen, dass sie dieses linksradikale Propagandablatt vor der längst fälligen Pleite bewahrt hat“, verkündete etwa vor wenigen Tagen die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Internetausgabe Nr. 14 ihres Magazins „GdPdigital“. Bei dem linksradikalen Propagandablatt handelt es sich um die Frankfurter Rundschau, und schämen sollte sich die FAZ was, weil die Rundschau doch eher polizeikritisch über die Vorgänge im Kessel bei der Blockupy-Demo berichtet hat. Wie übrigens auch die FAZ, aber die muss sich ja ohnehin schon schämen.

Produkt von blu-news

Ein bisschen schämen muss sich freilich auch die GdP. Denn der Text stammt gar nicht aus ihren Reihen, sondern ist ein Produkt der Internetseite blu-news, die man mit viel Freundlichkeit als reaktionär bezeichnen kann. Die Seite, betrieben von einem Marco Pino, ist eine Art Abspaltungsprodukt des führenden Islamhasser-Blogs pi-news, auf dem Pino früher unter dem netten Pseudonym Frank Furter schrieb. Die Feindbilder sind dieselben: Muslime, Schwule, Liberale, Freimaurer. Und natürlich der „Mainstream“ der „Dressurelite“ der „EUdSSR“, zu der zweifelsfrei auch die Rundschau zählt. Kurz: eine eher unappetitliche Seite, wenn man politisch links der „Republikaner“ steht.

„Das tut mir leid“, sagt Thomas Mohr, verantwortlicher Redakteur bei der GdP, „was ich heute weiß, war mir damals nicht bewusst.“ Er habe den Artikel von mehreren Menschen zugemailt bekommen – und dessen Tenor habe seine Meinung und der der Kollegen vor Ort, mit denen er gesprochen habe, wiedergegeben. Mohr sieht nach wie vor die Polizei zu Unrecht an den Pranger gestellt. „In der Eile habe ich nicht ausreichend recherchiert, wo das herkommt – das wird mir nicht nochmal passieren.“ Die Ausgabe Nummer 14 ist mittlerweile aus dem Netz genommen.

"Kein Wort des Dankes"

Das Thema aber treibt die Polizei nach wie vor um. Angesichts der jüngsten Sitzung des Innenausschusses im Landtag beschwert sich die GdP Hessen, diesmal in ganz eigenen Worten, dass die Fraktion der Linken in einem Antrag von einem „riesigen Polizei-Überfall auf mehr als 10 000 Menschen, bei dem Hunderte friedlicher Demonstranten schlicht verprügelt und mit Pfefferspray traktiert wurden“ spricht. Dies sei „perfide, entwürdigend und ehrverletzend“. Und „kein Wort des Dankes an die tausenden Kolleginnen und Kollegen, deren Aufgabe es war, dem Versammlungsrecht folgend, eine friedliche Demonstration ohne Waffen zu ermöglichen“.

Dank gibt es mittlerweile immerhin auf blu-news. Dort gibt es auch einen Film über die Blockupy-Demo und den Polizeikessel zu sehen. „Er zeigt“, schreiben die Macher, „dass es dort Dixi-Toiletten gab, auf die auch Demonstranten hätten gehen können (problematischerweise waren nur leider keine Regenschirme über den Toiletten aufgespannt). Und er zeigt sogar, wie die linksradikale Lokalpolitikerin Jutta Ditfurth gut gelaunt in dem ,Kessel‘ umhertanzt.“ Ein schöneres Dankeschön kann man sich kaum vorstellen.

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