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Blockupy Frankfurt Spottgesänge für die Polizei

Mindestens 25.000 Menschen ziehen am Samstag zum Abschluss der Blockupy-Tage friedlich durch Frankfurt. Die Polizei verteidigt danach das Großaufgebot. Das Blockupy-Bündnis fordert dagegen die Rücktritte von Frank, Rhein und Roth sowie Polizeivizepräsident Gerhard Bereswill.

20.05.2012 17:18
Felix Helbig, Georg Leppert und Laura Wagner
Bunt und friedlich - der Blockupy-Protestzug am Samstag. Foto: Getty Images

"Ihr macht euch lächerlich." Immer wieder schallen am Samstagnachmittag die Spottgesänge durch die Frankfurter Innenstadt. Gemeint ist die Polizei. Die ist mit 5000 Beamten bei der Blockupy- Demonstration präsent, obwohl diese fast ausnahmslos friedlich verläuft. An der Taunusanlage schützt ein Großaufgebot die Zwillingstürme der Deutschen Bank. Nicht ein Stein fliegt.

An der Konstablerwache steht eine behelmte Hundertschaft bereit, um zu verhindern, dass die Demonstranten auf die Zeil rennen. Doch nicht einer versucht, die geplante Route zu verlassen. Und die Straßen, die zur Europäischen Zentralbank führen, werden wie schon in den vergangenen Tagen von einem massiven Polizeiaufgebot abgeriegelt.

Protestzug mit Onkel Dagobert

„Wir danken euch“, rufen Demonstranten den Beamten zu. Schließlich sei es dank ihnen tatsächlich gelungen, die Zugänge zum Bankenviertel zu sperren.

Mindestens 25.000 Menschen sind am Samstag zum Abschluss der Blockupy-Tage durch Frankfurt gezogen, um gegen den Kapitalismus und die Krisenpolitik der Europäischen Union zu demonstrieren. Die Veranstalter sprachen am Abend sogar von 30.000 Teilnehmern. Es war ein bunter Protestzug: Onkel Dagobert und die Panzerknacker liefen als überdimensionale Puppen mit, Anhänger der Friedensbewegung hatten „Pace“-Fahnen dabei, Clowns stolzierten vor den Polizeiketten umher und pusteten Seifenblasen in die Luft. „Brecht die Macht der Banken und Konzerne“, skandierten die Demonstranten und: „Gleiche Rechte für alle.“

Keine Krawalle, aber Provokationen

Die Krawalle, die die Polizei befürchtet hatte, blieben aus. Die Beamten berichteten am Samstagabend nur von Verstößen gegen das Vermummungsverbot, zudem seien zwei Rauchbomben gezündet worden, die allerdings tatsächlich kaum Rauch erzeugten. Außerdem hätten Demonstranten „Steine aufgenommen“.

Spott für Franck, Kritik an Roth

Die Demonstration war die einzige Blockupy-Veranstaltung, die die Gerichte erlaubt hatten. Sehr zum Unwillen von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU), der auch den Protestzug verboten hatte, weil Krawalle zu befürchten seien. Frank wurde genauso wie der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) auf Plakaten der Demonstranten verspottet. Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wurde kritisiert.

Per Twitter eröffnete das Blockupy-Bündnis eine Diskussion darüber, ob die Aktivisten im Juni zum offiziellen Abschied der OB in der Paulskirche kommen sollten.

Nach der Demonstration, die mit einem spontanen Volksfest in der Taunusanlage endete, begann der Kampf um die Deutungshoheit über die vergangenen Tage. Polizeisprecher verteidigten das Großaufgebot bei der Demonstration und den Veranstaltungen zuvor. Nach den Krawallen am 31. März habe man mit neuerlichen Ausschreitungen rechnen müssen.

Entsprechende Hinweise hätten sich auch im Internet gefunden. Durch die Vielzahl an Polizisten in der Stadt seien Gewalttäter abgehalten worden.

Normalität im Occupy-Camp

Das Blockupy-Bündnis dagegen forderte noch am Samstag die Rücktritte von Frank, Rhein und Roth sowie Polizeivizepräsident Gerhard Bereswill. „Nach den Horrorszenarien, die sie in den letzten Wochen entworfen haben, befinden sie sich nun in Erklärungsnot“, sagte Martin Behrsing vom Erwerbslosenforum.

Der Linken-Landtagsabgeordnete Ulrich Wilken nannte Innenminister Rhein einen „Bürgerkriegsminister“, der mit seiner „Strategie der Abschreckung“ nicht nur „maßlos übertrieben“, sondern auch „auf der ganzen Linie verloren“ habe. Die Verbote würde nun das Bundesverfassungsgericht beschäftigen, so Wilken. Bisher hatten die Richter die Beschwerde des Bündnisses lediglich aus formalen Gründen abgewiesen.

Zumindest an einer Stelle aber kehrte schon am Sonntag wieder Normalität ein: im Occupy-Camp. Nach Ablauf der Verbotsverfügung zogen die Bewohner dort am Nachmittag wieder ein.

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